«Es ist mit einer Konkurswelle zu rechnen»
  • Wirtschaft
Auch das «Baarbürgli» musste schliessen. (Bild: wia)

Insolvenzen im Kanton Zug «Es ist mit einer Konkurswelle zu rechnen»

3 min Lesezeit 05.08.2020, 05:00 Uhr

Dank Unterstützung des Bundes und des Kantons ging die Zahl der Insolvenzen in Zug in den ersten sieben Monaten 2020 zurück – dafür stieg die Zahl der Liquidationen. Andreas Hess, Leiter des Handelsregister- und Konkursamtes, erwartet noch ein deutlich düstereres zweites Halbjahr.

In der ganzen Schweiz ging die Zahl der Konkurse zwischen Januar und Juli im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Die Insolvenzen nahmen um 22 Prozent ab. Insgesamt wurde gegen 2129 Firmen ein Verfahren eröffnet, wie in einer Analyse des Wirtschaftsinformationsdienstes Bisnode D&B festgehalten wird.

In diesem Zeitraum gab es lediglich in vier Branchen mehr Konkurse als im Vorjahr, nämlich im Transportwesen (50 Prozent mehr), in der Holz- und Möbelindustrie (33 Prozent), bei Immobilienmaklern und -verwaltungen (25 Prozent) und übrigen Unternehmensdienstleistungen (7 Prozent). In allen anderen Branchen blieb die Zahl gleich oder nahm sogar ab. Am besten ging es dem Versorgungswesen, wo 89 Prozent weniger Konkurse gemeldet wurden, gefolgt von der Unterhaltungs- und Freizeitindustrie (88 Prozent).

Mehr Firmengründungen im Kanton Zug

«Im Moment ist bei den Konkursen ein Rückgang gegenüber letztem Jahr zu verzeichnen», erklärt Andreas Hess, Leiter des Handelsregister- und Konkursamts Zug. «Dies liegt einerseits an den Finanzspritzen des Bundes und der Kantone, andererseits am Rechtsstillstand, den der Bundesrat verordnet hatte.» Dieser Rechtsstillstand besagte, dass Schuldnerinnen in der ganzen Schweiz bis am 4. April nicht betrieben werden durften.

Im Kanton Zug mussten im ersten Halbjahr 101 Firmen Insolvenz anmelden, 125 wurden liquidiert. Im gleichen Zeitraum waren es 2019 insgesamt 123 Insolvenzen und 95 Liquidationen. Zug bildet also die Ausnahme: Insgesamt gingen vier Prozent mehr Firmen pleite, auch wenn die Zahl der Insolvenzen um 18 Prozent abnahm.

Gleichzeitig wurden zwischen Januar und Juli in der Zentralschweiz mehr Firmen gegründet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gemäss Bisnode waren es in Zug 1347 (2019: 1335), in der Zentralschweiz 3’654 (2019: 3561). Schweizweit nahm die Zahl hingegen um ein Prozent ab.

Alle warten auf die Konkurswelle

Doch das heisst nicht, dass es der Zuger Wirtschaft gut geht. «Jetzt, wo bald in vielen Gesellschaften die Finanzspritzen aufgebraucht sein dürften, ist mit einer Konkurswelle zu rechnen», erklärt Hess. «Wie hoch diese Welle ausfallen wird, ist von der Corona-Lage abhängig.» Damit meint er nicht nur die Situation in der Schweiz, sondern auch international. Zug ist stark von der Wirtschaft in anderen Ländern abhängig.

Prognosen will Hess nicht machen. Dies sei wahnsinnig schwierig. «Ich masse mir nicht an, auch nur ansatzweise vorauszusagen, wie sich die Konkurszahlen entwickeln werden.» Auch der Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode rechnet mit einem Anstieg der Insolvenzen ab dem Herbst.

In Luzern nahm die Zahl der Konkurse ab

Zwischen Januar und Juli mussten im Kanton Luzern 84 Firmen Insolvenz anmelden (Vorjahr: 96), 52 Firmen wurden liquidiert (Vorjahr: 51). Damit haben die Konkurse insgesamt um sieben Prozent abgenommen. Auch bei den Firmengründungen steht Luzern nicht allzu schlecht da: 2020 gab es 1198 Neueintragungen ins Handelsregister, 2019 waren es noch 1144, wie aus der Studie von Bisnode hervorgeht.

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