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«Es handelt sich um eine einvernehmliche Lösung und keinen Kuhhandel»
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Chams Gemeindepräsident Georges Helfenstein (CVP) und Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP) erlitten durch die Ablehnung der Kantonsschule Ennetsee einen Dämpfer. (Bild: zvg/Montage zentralplus )

Kanti Ennetsee scheidet die Geister «Es handelt sich um eine einvernehmliche Lösung und keinen Kuhhandel»

4 min Lesezeit 18.01.2019, 00:42 Uhr

Im Februar stimmt die Gemeinde Cham über die neue Kantonsschule Ennetsee ab. Das Vorhaben sorgte am Donnerstag an einer Infoveranstaltung für anhaltenden Gesprächsstoff. Zankäpfel: die Umzonung sowie eine Schenkung von 20 Millionen Franken an den Kanton.

Ziel der gut besuchten Informationsveranstaltung vom Donnerstag war es, die Inhalte der Abstimmungsvorlage vom 10. Februar vorzustellen und den Nachweis für die Kantonsschule Ennetsee zu liefern. Denn mit der wachsenden Bevölkerung im Kanton Zug steigt auch die Nachfrage nach Bildungsraum.

Die aktuellen Prognosen gehen von rund 2’370 Mittelschülern im Jahr 2035 aus – heute sind es noch knapp unter 2’000. Dieser Entwicklung möchte der Regierungsrat mit dem Bau der Kantonsschule Ennetsee gerecht werden.

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Stephan Schleiss, Bildungs- und Kulturdirektor, warb an der Veranstaltung im Lorzensaal für eine dezentrale Bildungslandschaft: «Im Ennetsee ist der Bedarf an Bildung da, wir brauchen die Kanti in Cham.» 

Die kantonale Planung der Mittelschul­en mit dem neuen Standort Cham.

Die kantonale Planung der Mittelschul­en mit dem neuen Standort Cham.

(Bild: zvg)

In Menzingen hätte man keinen Platz mehr zum Verbauen, die Kanti Zug müsse saniert werden und bei der Fachmittelschule in Zug habe man auf einen Neubau verzichtet. Deshalb solle in Cham ein Langzeitgymnasium für 30 Klassen entstehen.

500 Schüler pendeln täglich nach Zug

Ausserdem werde man nur so dem Wachstum gerecht, das in Rotkreuz, Hünenberg und Cham stattfinde. «Im Ennetsee geht die Post ab», sagte Schleiss. Mit der Kantonsschule in Cham könnten nicht zuletzt die Pendlerströme entlastet werden. Zurzeit würden täglich rund 500 Schüler der drei Gemeinden den Unterricht in der Stadt Zug besuchen.

Finanzdirektor Heinz Tännler pflichtete dem Zuger Landammann bei: «Im Ennetsee gibt es grosses Entwicklungspotenzial, ausserdem wäre die Kanti in Cham eine einmalige Chance für die Gemeinde.»

Teiländerung des Zonenplans und Standortbeitrag

Für den Bau der Kantonsschule am Standort Allmendhof/Röhrliberg bedarf es aber einer Umzonung von Landwirtschaftsfläche. Erich Staub, Abteilungsleiter Planung und Hochbau der Gemeinde Cham, erklärte, worum es in der ersten Abstimmungsfrage geht: «Die entsprechende Fläche von rund 3,8 Hektaren soll neu der Zone öffentliches Interesse für Bauten zugewiesen werden.» Ausserdem sei ein Teilbereich der Umzonung als eine natürliche Schutzzone vorgesehen, die den Übergang zur angrenzenden Natur bilden würde.

Sicht auf Cham und das Gebiet Allmendhof/Röhrliberg auf dem die Kantonsschule geplant ist.

Sicht auf Cham und das Gebiet Allmendhof/Röhrliberg auf dem die Kantonsschule geplant ist.

(Bild: zvg)

Anschliessend wurde auf die zweite Abstimmungsfrage genauer eingegangen, diejenige des umstrittenen Standortbetrags. Es geht um 20 Millionen Franken, die Cham dem Kanton schenken will. Denn aufgrund von Veränderungen seitens des Liegenschaftsbesitzers ist die Grundstückgewinnsteuer plötzlich auf 24 Millionen Franken angestiegen und das Kanti-Projekt damit deutlich teurer geworden.

Um das Risiko des Scheiterns im Kantonsrat zu minimieren, hat die Gemeinde Cham dem Kanton angeboten, 20 Millionen aus den 24 Millionen Franken Grundstückgewinnsteuererlös zu überlassen. «Wir bekommen immer noch eine Kanti und 4 Millionen Franken an Grundstückgewinnsteuer in die Gemeindekasse, das ist viel Geld», sagte Georges Helfenstein, Chamer Gemeindepräsident.

 «Es handelt sich um eine einvernehmliche Lösung und keinen Kuhhandel.»

Georges Helfenstein, Chamer Gemeindepräsident

Helfenstein meinte weiter: «Es handelt sich um eine einvernehmliche Lösung und keinen Kuhhandel.» Cham stelle sich weiterhin hinter den Standort der Kantonsschule Ennetsee, so Helfenstein. Diese stärke die Attraktivität der Gemeinde und mache sie auch familienfreundlicher.

Die Gegner haben sich in Stellung gebracht

Moritz Keller von der IG Allmendhof zeigte sich von den Ausführungen seitens Gemeinde und Kanton wenig beeindruckt: «Wir sind dagegen, dass landwirtschaftliches Land eingezont wird, obwohl wir 2013 das neue Raumplanungsgesetz angenommen haben, damit eben nicht noch mehr eingezont wird.»

Ausserdem biete er interessierten Bürgern weiterhin an, ihn samstags bei einer geführten Besichtigung des geplanten Kanti-Areals auf der Parzelle Allmendhof zu begleiten. Dies, obwohl an diesem Samstag das Rennen am Lauberhorn stattfinden werde, sagte Keller lachend.  

«Das ist die nackte Realität und kein Wunschkonzert, was ich hier aufgezählt habe.»

Heinz Tännler, Finanzdirektor

Markus Jans vom Verein Mehr Wert Cham, der sich für die nachhaltige Entwicklung Chams einsetzt, sieht keine Dringlichkeit für die Umzonung. Er sagte: «Es ist ein neues transparentes Verhandlungsverfahren notwendig.» Ausserdem biete sich nun auf dem Pavatex-Areal eine neue Möglichkeit an, der fast alle zustimmen könnten, so der ehemalige SP-Kantonsrat.

Darauf antwortete Regierungsrat Heinz Tännler: «Ein alternativer Standort wird sicher nicht günstiger.» Auch der Preis pro Quadratmeter würde beim Pavatex-Areal hoch ausfallen. «Das ist die nackte Realität und kein Wunschkonzert, was ich hier aufgezählt habe», meinte Tännler.

Falls das Chamer Stimmvolk im Februar ein Nein in die Urne legen würde, dann werde man höchstwahrscheinlich am Lüssiweg in Zug bauen. Gemeindepräsident Georges Helfenstein rundet ab: «Wir stimmen im Februar nicht über eine Standortvariante ab. Eine Änderung des Standorts wäre nur ein Zeitverlust und Kostenträger.»

«Falls Sie zwei Mal Nein stimmen, dann plane ich, einen Vorstoss zur Stärkung der Kurzzeitgymnasien zu machen.»

Ester Haas, ALG-Kantonsrätin aus Cham

Ester Haas, ALG-Kantonsrätin aus Cham, kann nicht nachvollziehen, warum der Kanton ein drittes Langzeitgymnasium braucht. «Falls Sie zwei Mal Nein stimmen, dann plane ich, einen Vorstoss zur Stärkung der Kurzzeitgymnasien zu machen», richtete sich Haas an das Publikum. Diese wären viel notwendiger, um das duale Bildungssystem zu stärken.

Weitere Planungsschritte

Nimmt die Bevölkerung der Gemeinde Cham am 10. Februar 2019 die Vorlage zur Umzonung an, erfolgt die zweite Auflage mit Beschwerdemöglichkeit. Ausserdem entscheidet der Kantonsrat über die entsprechenden Kredite für den Landkauf und die Planung. Falls dieser die Kredite nicht bewilligt, findet keine Umzonung statt. Sollte jedoch das Gebiet umgezont werden, wird ein Bebauungsplan erarbeitet und anschliessend dem Volk zur Abstimmung vorgelegt.

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