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«Es härzigs Openair, wo dier da heit»
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«Kurious Kurt & Söhne» mit Aussicht. (Bild: wia )

Der Auftakt zum Waldstock Nr. 16 «Es härzigs Openair, wo dier da heit»

3 min Lesezeit 31.07.2015, 12:33 Uhr

Das Zuger Openair-Festival «Waldstock» wurde gestern zum 16. Mal eröffnet. Der Auftakt zu einem Festival, das eine Mischung ist zwischen Pfadi und Robinsonspielplatz, wo der Absinth-Verkäufer lieber Kristallgläser nimmt, um der Stil-Katastrophe des Plastikbechers zu entgehen.

«Es ist unser erstes Konzert», sagt Kurt, der gemeinsam mit seinen Söhnen als «Kurious Kurt & Söhne» das Waldstock eröffnet. Nicht nur seines verschmitzten Lachens wegen wird schnell klar, dass er mit dem Publikum Schabernack treibt. Der Band gebührt der musikalische Auftakt fürs dreitägige Waldstock Festival, und dieser gelingt.

Angegraute Köpfe wippen im Takt

In der «Cubabar» finden sich anfangs nur etwa zwei Dutzend Neugierige, kaum legt die Band jedoch los, strömen Leute von den entlegensten Ecken herbei, sie sind ja schliesslich auch für die Musik gekommen und die Mischung aus Country und Rockabilly, die hier gespielt wird, passt nur allzu gut zur Abendsonne, der ersten Mojito-Beschwipstheit und der Vorfreude auf drei Tage Festival.

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«Kurious Kurt & Söhne» scheinen's zu geniessen.

«Kurious Kurt & Söhne» scheinen’s zu geniessen.

(Bild: wia)

Es ist auffallend, wie durchmischt das Publikum hier ist. Da wippen viele angegraute Köpfe mit, da wuseln einige Kleinkinder mit neonfarbenen Ohrenschützern durch die Menge. Hier ein Kinderwagen, da ein Gehstock, dort ein 60-Jähriger, der schunkelnd auf der Bank steht, um etwas besser auf die Hauptbühne zu sehen, auf der «Stiller Has» am späteren Abend auftritt. Etwas schräg war er ja schon immer, der Gesang von Endo Anaconda. Passt aber gut hierher. Jedenfalls sind die Reihen vor der Bühne gut besetzt, das Publikum scheint zufrieden, singt mit.

Vorsicht! Eisberg!

Dieses Jahr werden die Gäste dem Motto nach auf Weltreise geschickt. Kaum schreitet man durch den Dschungel aufs Gelände, ist man bereits bei der hölzernen Windmühle angelangt, in der sich viele ihr erstes Bier genehmigen dürften, staunend ab der Höhe des Konstrukts, dessen Skelett sich von innen betrachten lässt.

Nicht weit davon die «Cubabar», welche dieses Jahr als Schiff daher dampft. Hier wird, logisch, vorwiegend mit Rum gehandelt, wie überall auf dem Gelände wurde auch hier mit Liebe zum Detail gearbeitet. Durch die Bullaugen am Boden blickt man auf Fische, in einer Ecke steht ein grauhaariger Gutgekleideter und verkauft Absinth. Er hält nichts von Plastikbechern, sondern schenkt die Grüne Fee im Kristallglas aus, das so aussieht, als wäre es ein Erbstück seines Grosis. «Ich wär einfach froh wenn du das Glas am Schluss zurückbringen würdest.»

Die «Cubabar» im Schiffsgewand

Die «Cubabar» im Schiffsgewand

(Bild: wia)

Jeder, der auf dem Frachter das hölzerne Steuerrad bedient sei gewarnt: Obacht, in 50 Metern Steuerbord prangt ein riesiger Eisberg im Gelände. Ein Aufprall wäre äusserst ungünstig für den Festivalablauf, wäre dann doch die ganze Technik für Musik und Kino im Eimer. Darum Ahoi, lieber die Finger davon lassen und besser wieder an Land gehen. Fester Boden unter den Füssen – ausserdem knurrt der Magen.

«Es härzigs Openair, wo dier da heit»

Essen gibt’s in China, das goldene Winke-Busi auf dem Dach des Imbissstandes raucht bereits tüchtig aus den Ohren. Bloss Geduld braucht’s. Die Schlange ist lang, denn mittlerweile ist das Gelände gut gefüllt. «Wir haben eine Stunde vor der Kasse angestanden», hört man einige sagen, «ausverkauft», erklären andere, die offenbar noch just zu Tickets gekommen sind.

Die Sonne geht unter, Endo Anaconda zeigt seine charmante Seite in gekonnt mürrischer Manier. «Es härzigs Openair wo dier da heit», sagt er, und egal wie’s gemeint ist. Alle nehmen das als Kompliment auf, sind stolz und finden: Ja, ja das ist es. Herzig und schön. Ein Openair, an dem man sowohl seinem alten Englischlehrer wie auch den eigenen Primarschülern begegnet. Und es kümmert niemanden. Und es ist Verlass darauf, dass man dem Lehrer auch nächstes Jahr wieder begegnet. Selbst, wenn das Fest ausverkauft ist. Bei dieser «herzigen» Überschaubarkeit findet man sich bestimmt.

«Stiller Has» hinterlässt zufriedene Gäste.

«Stiller Has» hinterlässt zufriedene Gäste.

(Bild: wia)

 

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