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«Es gibt wohl keinen lausigeren Schiri»
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Thomas Gisler geniesst als Schiedsrichter die Macht, jederzeit Punkte abziehen zu können. (Bild: jav)

zentral+ am Luzerner Musikquiz «Jeopardy» «Es gibt wohl keinen lausigeren Schiri»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 19.11.2015, 12:12 Uhr

zentral+ testete das chaotische Quiz «Jeopardy» im Meyer und hat sich dabei gar nicht schlecht geschlagen. Es gab auch einiges zu erfahren: Zum Beispiel, warum Thomas «Gisi» Gisler zum Schiedsrichter gemacht wurde, und weshalb den Spitzenkandidaten Mario Stübi ein ähnliches Schicksal ereilen könnte.

Wenn in der Kulturbeiz Meyer am Bundesplatz Chaos und Geschrei herrscht, dann findet das Luzerner Musikquiz «Jeopardy» statt.

Am Mittwochabend war es wieder so weit. Sechs Teams mit variabler Mitgliederzahl traten gegeneinander an und rätselten unter anderem über Bandvideos, verpixelte Albumcovers, Kulturpolitik und Facebook Fails. Das Spiel ist ganz einfach: Es wird eine Rubrik gewählt und die Frage, die hundert bis fünfhundert Punkte wert sein kann, erscheint. Wer zuerst mit den Fingern auf den Buzzer drückt – nicht schlägt –, darf antworten. Liegt die Person richtig, erhält das Team die Punkte. Und so weiter. Natürlich gibt es auch Joker und Schätzfragen, aber das ginge jetzt über diesen Artikel hinaus.

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In der ersten Runde musste unser kleines Team von zwei unambitionierten Spielern mit dem letzten Platz vorliebnehmen. Das brachte uns jedoch einiges an Sympathiepunkten vonseiten der Gegner und der Organisatoren ein.

Team 2 ist bereit für den Buzzer-Test. Drücken, nicht schlagen ist die Devise.

Team 2 ist bereit für den Buzzer-Test. Drücken, nicht schlagen ist die Devise.

Mit der Verstärkung von Musiker Christov Rolla konnten wir jedoch in der zweiten Runde am hinteren Feld anschliessen. In der dritten Runde schliesslich, langsam warmgelaufen und vom Ehrgeiz gepackt, holten wir schlussendlich den grossartigen zweiten Platz, gemeinsam mit Team 1. Die Gewinner, nicht wirklich überraschend: Team 3, angeführt von Barkeeper-Urgestein und Houdini-Geschäftsführerin Anouschka Barrus. SP-Grossstadtrat und Co-Präsident des Kulturzentrums «Neubad» Mario Stübi, der mit Team 6 bis fast zum Schluss führte, ging nach einigen mittelfairen Punktabzügen abgeschlagen aus dem Rennen.

Der Quizabend im Meyer begann wie immer relativ gesittet. Doch im Laufe des Abends musste es so weit kommen, dass sich der Schiedsrichter heiser schrie.

Die Köpfe hinter dem chaotischen Musikquiz

Das ehrenamtliche Organisatoren-Team des Abends: Marco Liembd als Quizmaster, Thomas «Gisi» Gisler als Schiedsrichter und Fiona Meyer als Tonmeisterin.

Fiona und Dominik Meyer sind seit Beginn mit ihrer Kulturbeiz Gastgeber und Mitveranstalter des Jeopardy. Aber warum holt man sich einen solch chaotischen Anlass mit einer so chaotischen Truppe in ein Lokal? «Oh, ja, das frag ich mich auch jedes Mal aufs Neue wieder», lacht Fiona Meyer, die seit Beginn eher der ruhende Pol der Truppe ist. «Wir hatten schon eine Weile die Idee, ein Quiz zu organisieren, bei welchem man Songs erkennen muss. Damit gingen wir auf Liembd zu und er war sofort Feuer und Flamme. Liembd hatte dann die Idee, das ganze auszuweiten und das Quiz nach der Vorlage der alten TV-Show Jeopardy zu machen», so Meyer.

«Wenn sich die Leute anschreien, fühle ich mich am wohlsten.»
Thomas «Gisi» Gisler, Schiedsrichter Jeopardy

Liembd ergänzt: «Für mich war schnell klar: Es braucht Buzzer, damit Hektik reinkommt, und: Das Spiel muss zu einem Teil unfair sein, damit wir die Leute provozieren und hässig machen können. Das ist unser Ziel: Nach zehn Minuten wollen wir jeden so weit haben, dass er unbedingt gewinnen will und ihm alle seine Gegenspieler auf den Sack gehen. Das schaffen wir. Immer.»

Geschrei und Turbulenzen = Wohlfühlzone

Das Jeopardy startete ursprünglich nur mit Marco Liembd und Fiona Meyer. «Gisi war ein ganz normaler Spieler, der aber aufgrund seiner 3FACH-Vorgeschichte, seinem Schüür-Job und seinem Interesse einfach viel zu viel wusste», erklärt Liembd. Nach vier oder fünf Ausgaben hätten sie ihn deshalb disqualifiziert und als Schiedsrichter ins Jeopardy-Team geholt. «Das gibt dem Jeopardy eine entscheidende Note. Es gibt wohl keinen lausigeren Schiri als den Gisi. Der ist sowas von parteiisch, der bringt die Leute so richtig auf die Palme», freut sich Liembd.

Tatsächlich merkt man Gisler an, dass es ihm im Verlaufe des Abends immer besser gefällt, wenn es turbulent wird und er die Leute in ihre Schranken weisen kann – und das tut er selbstverständlich nicht neutral und auch nicht immer fair. «Wenn sich die Leute anschreien, fühle ich mich am wohlsten. Weil ich dann auch schreien darf», freut sich Gisler.

Spielernaturen und Stammgäste

Damit gerechnet, dass das Jeopardy auch 2015 noch der Renner ist, hat keiner der Veranstalter. «Soweit ich mich erinnern kann, waren höchstens drei Durchführungen geplant», sagt Meyer. «Wir hätten auch nie gedacht, dass es Leute gibt, die sich dermassen in das Format verlieben. Der Mensch ist eine Spielernatur, das hat Jeopardy gezeigt», ergänzt Liembd. Tatsächlich ist der Anlass für viele zum Kult geworden. «Es gibt Stammgäste. Und die sind uns lieb. Genauso wie alle anderen», scherzt Gisi.

«Wir haben in den letzten fünf Jahren gelernt, unsere Rollen zu spielen.»
Marco Liembd, Quizmaster

Einen Stammgast muss Liembd dann doch noch namentlich erwähnen: Mario Stübi. «Ich glaube, der kann eine Woche vor dem Jeopardy nicht mehr richtig schlafen. Er ist unser Lieblingsspieler: Er will unbedingt gewinnen und das ist die Lebensader des Jeopardy. Obwohl – wir überlegen uns, den Stübi wie Gisi zu disqualifizieren. Er weiss unglaublich viel und dieses Wissen könnte uns sicher viele Fragen bescheren», so Liembd. Aber auch der Gewinnerin des Jeopardy vom November 2015, Anouschka Barrus, könnte dieses Schicksal blühen.

Riesiger Aufwand für die Organisatoren

Der Anlass lebt stark von den drei Veranstaltern. «Ich glaube, dass wir uns im Dreierteam ganz gut ergänzen», so Gisler und Liembd ergänzt: «Wir haben in den letzten fünf Jahren gelernt, unsere Rollen zu spielen. Und wir sind halt langsam verdammt gut darin, ein Quiz zu planen.» Obwohl der Aufwand riesig sei.

Unnützes Wissen

Die Buzzer-Maschine ist eine Spezialanfertigung für das Luzerner Jeopardy aus Gitarren-Pedalen.

Es wird gemunkelt, ein Atomphysiker habe sie gebaut. Wie zentral+ jedoch aufdeckt, handelt es sich bei den Entwicklern um einen Tontechniker und einen Atomtechniker – der in einem AKW arbeitet – aus der Familie von Fiona Meyer.

Alleine das Programmieren der Fragen für einen Abend dauere gut zehn Stunden – ohne Recherche. Und Hunderte Fragen wurden bereits gestellt. An diesem Mittwochabend waren es die Fragen 1571 bis 1660 mit einem Datenvolumen von 940 Megabyte. Keine einzige Frage wurde bisher zweimal gestellt, versprechen die drei Veranstalter.

Der lokalen Kultur schmeicheln

«Es wird immer schwerer. Wann wurde der Sedel gegründet, die Boa eröffnet, das Fourmi abgerissen? Diese Fragen hatte man dann halt mal durch», so Liembd. Aber es geschehe immer wieder Neues, das man abfragen könne. Gisler betont jedoch: «Auch wenn im Moment nicht so viel Bewegung in der Luzerner Musikszene ist wie vor ein paar Jahren.» Dafür werde man auch bei den Rubriken immer kreativer.

Immer wieder übertreffen sich die Veranstalter mit der Gestaltung ihrer Werbemittel.

Immer wieder übertreffen sich die Veranstalter mit der Gestaltung ihrer Werbemittel.

Und Liembd fasst zusammen: «Beim Jeopardy geht es aber auch darum, Vergessenes, Kulturgeschichte zurück in die Köpfe zu holen. Das schmeichelt unserem lokalen kulturellen Output und macht diesen in einer respektvollen Art und Weise eigentlich gewichtiger, als er in Wirklichkeit ist.»

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1 Kommentare
  1. Andy Künzli, 19.11.2015, 14:48 Uhr

    Marco Liembd ist eine der kreativsten Köpfe der Stadt Luzern….ob Radio, Zeitung, Südpol oder FC Inter Altstadt…er mischt überall mit vollem Elan mit! Seit Neustem auch noch bei der SP, deshalb gibt’s für mich nur einen zukünftigen Stadtpräsidenten!!!