Hochzeiten sind generell emotionsgeladen. Doch dank Corona noch viel mehr. (Symbolbild: Unsplash/Marc A. Sporys)
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Hochzeiten sind generell emotionsgeladen. Doch dank Corona noch viel mehr. (Symbolbild: Unsplash/Marc A. Sporys) (Bild: Symbolbild: Unsplash/Marc A. Sporys)

Zahlreiche Zuger Trauungen und Hochzeiten auf Eis gelegt «Es gibt Paare, die erst im Oktober heiraten – und jetzt schon in Panik geraten»

5 min Lesezeit 21.04.2020, 12:02 Uhr

In den letzten drei Monaten hat die Zuger Hochzeitsplanerin Simone Glarner keine einzige Anfrage erhalten. Zahlreiche Hochzeiten und Trauungen werden abgesagt – oder finden hinter Plexiglasscheiben statt.

Den Bund fürs Leben schliessen. Der schönste Tag des Lebens. Doch die Hochzeit jetzt zur Corona-Krise? Schwierig oder sogar schlichtweg nicht durchführbar.

Hochzeiten sind derzeit ein «sehr emotionsgeladenes Thema». Das sagt die diplomierte Hochzeitsplanerin Simone Glarner. Die Zugerin hat mitten in der Zuger Altstadt ihr Geschäft «Liebesding». In letzter Zeit hat sie viele E-Mails, viele Telefonanrufe von besorgten Paaren bekommen. Gerade nach dem Entscheid des Bundesrates am letzten Donnerstag sei es «dramatisch» geworden.

Viele Paare werden panisch

Die Brautpaare würden ganz unterschiedlich reagieren. «Es gab Paare, die bereits im März sagten, dass sie auf eine zivile Hochzeit zu zweit mit Trauzeugen ausweichen.»

Die meisten würden die Hochzeit aber verschieben. Auf einen Tag im Herbst oder im nächsten Jahr. «Aber viele versuchen immer noch, an ihrem Termin festzuhalten.» Schliesslich steckt viel investierte Zeit in einer Hochzeit. Gut organisierte Paare beginnen mit dem Planen ein bis eineinhalb Jahre zuvor.

«Je nach Location kann es sein, dass diese an den Wochenenden in der Hochsaison bis 2022 ausgebucht ist.»

Simone Glarner, Hochzeitsplanerin

Glarner empfiehlt Brautpaaren, Ruhe zu bewahren. Doch bei den meisten geschieht das Gegenteil: «Es gibt Paare, die erst im Oktober heiraten, aber bereits jetzt schon in Panik geraten.» Gut sei es, in Optionen zu denken. Glarner erzählt von einem Paar, das ursprünglich am 6.6. geheiratet hätte. Der Bräutigam sei ein Amerikaner, der seine Familie aus den Vereinigten Staaten natürlich bei seiner Hochzeit dabeihaben möchte. Zum jetzigen Zeitpunkt: undenkbar.

Alternativen standen zur Debatte. Soll die Hochzeit per Livestream übertragen werden? Absagen und verschieben? Oder einfach zu zweit standesamtlich heiraten und eine grössere Party zu einem späteren Zeitpunkt? Schliesslich entschied sich das Paar, einen Plan B zu machen und ein Alternativdatum festzulegen, das es den Gästen und die Hochzeitsplanerin den Dienstleistern wie Musikern, Fotografen und Co. meldete, damit diese sich den Tag freihalten. Genauso hielt man aber auch noch am 6. Juni fest.

Nach dem Entscheid des Bundesrates am Donnerstag war dann klar: Die Hochzeit fällt am 6.6. ins Wasser – und wurde definitiv auf das Ersatzdatum verschoben.

Die Zuger Hochzeitsplanerin Simone Glarner. (Bild: Juli Marleen Photography)

Getraut wird in Cham und Zug hinter einem Plexiglas

Nicht nur die grossen Feste, auch die zivilen Trauungen finden unter besonderen Umständen statt. Neben dem Brautpaar, der Zivilstandsbeamtin und den beiden Trauzeugen dürfen nur ein allfälliger Dolmetscher oder ein Fotograf im Traulokal anwesend sein. Beim Zivilstandsamt Kreis Cham und Kreis Zug werden Brautpaar und Zivilstandsbeamtin durch ein Plexiglas getrennt. In Baar und Zug werden die Trauungen intern sogar auf maximal 15 Minuten gekürzt, in Zug stehen zudem vier verschiedene Stifte bereit. So können Brautpaar und die Trauzeugen mit je einem anderen Schreibzeug unterschreiben. Bei allen Zivilstandsämtern steht das Desinfektionsmittel bereit, der nötige Mindestabstand von zwei Metern ist auch hier Pflicht.

Beim Zivilstandsamt Kreis Cham wurden bis jetzt 20 Trauungen abgesagt beziehungsweise verschoben. Ebenfalls rund 20 Paare wurden bei ihrem Ja-Wort begleitet. Beim Zivilstandsamt Kreis Baar gab es bis jetzt hingegen erst vier Absagen. «Die Monate März und April sind für Trauungen bei uns nicht sehr gefragt», sagt Fabian Steiger, Leiter Zivilstandsamt Baar. Zwei Paare liessen sich bei ihnen seit dem Coronavirus und seit der Bundesrat die ausserordentliche Lage für die Schweiz erklärt hat, zivil trauen.

Beim Zivilstandsamt Kreis Zug haben sich seit dem 16. März zwölf Paare das Ja-Wort gegeben. Und auch in Zug wurden Trauungen verschoben, erklärt Miriam Lustenberger, Leiterin Zivilstandsamt Kreis Zug.

Die Paare wollen heiraten – jetzt

Unabhängig davon, zu welchem Schritt sich die Betroffenen entscheiden: Traurig sind alle. «Es ist sehr schwierig für die betroffenen Paare», sagt Hochzeitsplanerin Simone Glarner. Und die Unsicherheit bleibt. Denn wann und wie genau der Bundesrat das Veranstaltungsverbot lockern will, ist noch unklar. Es ist wahrscheinlich, dass Anlässe wie Hochzeiten in einem ersten Schritt erst mit einer beschränkten Anzahl Gäste durchgeführt werden dürfen.

«Wenn ein Paar 150 Gäste einladen will, der Bund Events mit mehr als 100 Personen jedoch verbieten würde, müsste man allenfalls sogar Leute ausladen, sofern man am ursprünglichen Datum festhalten möchte.»

«In den letzten drei Monaten haben wir keine einzige Anfrage erhalten.»

Simone Glarner, Hochzeitsplanerin

Paare müssen also Kompromisse eingehen, bei vielen Dingen. «Je nach Location kann es sein, dass diese an den Wochenenden in der Hochsaison bis 2022 ausgebucht ist», so Glarner. Wenn der Termin an der Wunschlocation dieses Jahr also platzt, muss eine Alternative her, ein neues Konzept erarbeitet oder auf einen Wochentag – zum Beispiel einen Donnerstag – ausgewichen werden. Ausser man hat die nötige Geduld. Doch so einfach ist das nicht. «Vielen ist es wichtig, ihre Liebe auch in diesem Jahr noch zu besiegeln.»

Christian Sigrist, Bereichsleiter Zivilstands- und Bestattungsamt Cham, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: «Es gibt viele Paare, die ihr ‹Ja› zueinander trotz oder gerade wegen der schwierigen Umstände aussprechen möchten.»

Massiver Umsatzeinbruch bei der Hochzeitsplanerin

Obwohl manche Brautpaare trotz Corona an ihren Hochzeitsplänen für 2020 festhalten, ist die Situation für Hochzeitsplanerinnen verheerend. «Normalerweise erhalten wir im Februar und März jeweils Anfragen, welche die Hälfte unseres Jahresumsatzes ausmachen. In den letzten drei Monaten haben wir keine einzige Anfrage erhalten», sagt Simone Glarner. «Der Umsatzeinbruch ist massiv.»

Die Leute haben zurzeit schlicht anderes zu tun. Sie sind verunsichert, haben nicht zuletzt auch finanzielle Sorgen. «Wer will denn jetzt noch heiraten? Die Menschen haben gerade ganz andere Gedanken.»

Zumindest für den Herbst rechnet die Hochzeitsplanerin mit einer leichten Zunahme an Hochzeitsanfragen. Denn als Paar eine solche Krise gemeinsam zu meistern, kann eine Beziehung durchaus stärken (zentralplus berichtete). «Das Coronavirus blockiert uns jetzt zwar, aber die Freude am Heiraten sollte man sich nicht nehmen lassen», so Glarner.

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