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Es gibt Bewegung bei den Zuger Genossenschaften
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Zuger Wohnbaugenossenschaften wollen enger zusammenarbeiten. Im Bild eine Liegenschaft der Gewoba. (Bild: zvg )

Hoffnung auf mehr günstige Wohnungen Es gibt Bewegung bei den Zuger Genossenschaften

4 min Lesezeit 08.01.2015, 12:30 Uhr

Bis anhin waren die Zuger Genossenschaften Einzelkämpfer. Dabei haben alle dasselbe Ziel: Mehr günstigen Wohnraum schaffen. Nun gibt es offenbar Gespräche zwischen den Stadtzuger Genossenschaften. Man will mit einer gemeinsamen Stimme sprechen. Das gefällt auch Genossenschaften in anderen Gemeinden. Und in Luzern hat man mit solchen Zusammenschlüssen schon gute Erfahrungen gemacht.

In Zug sind günstige Wohnungen knapp. So knapp, dass die Wohnbaugenossenschaften jeden Tag Dutzende von Anfragen bekommen – und absagen müssen. Denn die Schotten sind dicht, die günstigen Wohnungen schnell belegt. «Im Kanton Zug gibt es zwar einige Wohnbaugenossenschaften, die vergünstigte Wohnungen anbieten», sagt Paul Hutter, der Präsident der Wohnbaugenossenschaft Baarburg. «Aber sie haben viel weniger Wohnungen anzubieten als etwa Genossenschaften in Luzern oder Zürich.»

Neue Bewegung bei den Genossenschaften

Denn das Land ist schlicht zu knapp, die Bodenpreise zu hoch. Abhilfe schaffen können die Gemeinden, wenn sie Land erwerben und den Genossenschaften im Baurechtszins günstig abgeben. «Aber die Gelegenheiten sind selten, und die Gemeinden können auch nicht zaubern. Und auf dem freien Markt sind die Investoren einfach zu aktiv im Kanton Zug, da können die Genossenschaften oft nicht mithalten.»

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Aber jetzt soll sich etwas ändern. Zumindest an der politischen Front wollen die Genossenschaften stärker werden. Offenbar gibt es Gespräche unter den Zuger Genossenschaften, in Zukunft stärker zusammenzuspannen. Das bestätigt Urs Niederberger, der Präsident der Genossenschaft für Gemeinnützigen Wohnbau Zug (Gewoba), auf Anfrage. «Das ist aber noch in der pränatalen Phase», sagt er. «Man kann noch nichts Konkretes sagen.»

«Das Ziel wäre, dass die Genossenschaften in Zukunft mit einer Stimme sprechen können»

Urs Niederberger, Präsident der Genossenschaft Gewoba

Der Nutzen einer stärkeren Zusammenarbeit läge auf der Hand: «Das Ziel wäre sicher, dass die Genossenschaften in Zukunft mit einer Stimme sprechen könnten, wenn es um politische Prozesse geht. Denn die Genossenschaften haben alle dieselbe Zielsetzung: Mehr günstigen Wohnraum schaffen.» Diese gemeinsamen Interessen könnten die Genossenschaften in Zukunft gebündelt kommunizieren, falls die Genossenschaften zusammenspannen würden. Niederberger: «Es sind Ideen da, es laufen Gespräche, aber konkret ist noch gar nichts.»

Dachverbände für Wohnbaugenossenschaften sind ausserhalb des Kantons Zug nichts Neues: In Luzern vereinigt der Verband G-Net die Interessen von 23 Luzerner Wohnbaugenossenschaften. Für Florian Flohr vom G-Net ist klar: «Der Kontakt zu den Stadtbehörden ist für die Luzerner Genossenschaften einfacher geworden: Für die Stadt gibt es jetzt eine Ansprechperson, die alle Wohnbaugenossenschaften vertritt.» Der Dachverband habe auch zu einem stärkeren Austausch unter den Genossenschaften geführt.

Keine Reibungen?

«Das hat die Luzerner Genossenschaften auch fitter gemacht, wenn es darum geht, gemeinsame Projekte zu stemmen, wie etwa das Projekt Industriestrasse», sagt Florian Flohr (zentral+ berichtete) Ob die Unterschiede unter den Genossenschaften nicht zu Reibungen geführt hätten? «Nein, es ist ja gerade wünschbar, dass die verschiedenen Genossenschaften andere Menschen ansprechen.» Es sei aber wichtig, dass ein Dachverband möglichst schlank ausgestaltet werde. «Es braucht gute Instrumente für den gemeinsamen Austausch, damit die Genossenschaften füreinander zugänglich sind. Und das Ganze darf nicht überorganisiert sein.»

Synergien könnten sich auch für die Genossenschaften in Zug ergeben.

Hutter von der Genossenschaft Baarburg hat zwar von Gesprächen zwischen den Zuger Genossenschaften noch nichts gehört, die Idee sei aber sinnvoll: «Ich nehme an, es haben sich erst die Stadtzuger Genossenschaften für Gespräche getroffen, deshalb haben wir nichts davon mitbekommen. Aber aus unserer Sicht könnte eine stärkere Zusammenarbeit auch im ganzen Kanton durchaus Sinn machen.» Auch Kurt Landis, der Leiter des kantonalen Amts für Wohnbau, sagt: «Aus unserer Sicht wäre es sicher von Vorteil, wenn die Zuger Wohnbaugenossenschaften enger zusammenarbeiten würden.»

«Ob das ökonomisch aufgeht, ist fraglich»

Die Wohnbaugenossenschaft Baarburg habe 37 Wohnungen im Portefeuille, das sei sehr wenig, sagt Hutter. «Ob das ökonomisch aufgeht, dass viele kleine Genossenschaften ganz wenige Wohnungen anbieten, ist fraglich. Andererseits gibt es auch Unterschiede unter den Genossenschaften.» Im Bezug auf die Auswahl ihrer Mieter etwa, oder auf den Umgang mit ihnen.

«Die Genossenschaften sind aus verschiedenen politischen Richtungen entstanden. Unsere Genossenschaft etwa achtet darauf, dass wir die Wohnungen gut auf Schweizer und Ausländer verteilen, damit keine Ghettos entstehen, das machen andere Genossenschaften nicht.» Ein Zusammenschluss von Genossenschaften sei deshalb nicht realistisch. «Aber eine stärkere Zusammenarbeit würde sicher helfen.»

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