«Es gäbe bessere Lösungen»
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In der Zuger Ankenwaage lassen sich bald Spielsachen ausleihen – wird das die Altstadt beleben? (Bild: pbu)

Neumieter in der Ankenwaage sorgt für Diskussion «Es gäbe bessere Lösungen»

5 min Lesezeit 12.03.2016, 17:11 Uhr

Ein neuer Laden öffnet seine Tore in der Zuger Altstadt. Künftig lassen sich im historischen Stadtkern Brettspiele, Inline-Skates und Puzzles ausleihen. Mit dem Einzug der Ludothek in die Ankenwaage sind allerdings nicht alle so richtig glücklich.

Am 30. März 2016 zügelt die Ludothek von der Baarerstrasse in die Ankenwaage. Während man sich beim Spielverleih auf die neue Räumlichkeit freut, verfällt man andernorts darob allerdings nicht gerade in Begeisterungsstürme. «Es gäbe bessere Lösungen», sagt Jacqueline Amrhein im Namen der Interessengruppe Zuger Altstadt. Sie selbst ist Inhaberin des Geschenkeladens «Wunderbox» am Fischmarkt und somit künftig unmittelbare Nachbarin der Spieleverleiher. Amrhein kritisiert in erster Linie den Umstand, dass die Ludothek wöchentlich nur an drei Tagen geöffnet haben wird.

Mehr liege aus finanziellen und personellen Gründen nicht drin, erklärt Jolanda Zürcher, die Präsidentin der Ludothek Zug. Überdies sei es in ihrer Branche üblich, nicht an fünf Tagen in der Woche offen zu haben. Der Spielverleih wird montags und freitags von 14 bis 17 Uhr sowie mittwochs von 9 bis 11 und von 14 bis 18 Uhr offen sein. «Indem wir zudem einmal pro Monat am Samstag geöffnet haben, bieten wir allen ein Zeitfenster, um die Ludothek zu besuchen», sagt Zürcher.

Für eine Belebung der Altstadt sei dies allerdings zu wenig, findet Jacqueline Amrhein. «Grundsätzlich herrscht eine gute Stimmung in der Zuger Altstadt», sagt sie. «Aber wir wünschen uns mehr Schub für den alten Stadtkern. Wenn nun wieder ein Geschäft kommt, das nur sporadisch geöffnet hat, wird sich an der jetzigen Situation nichts ändern.» Denn das Problem sei ein allgemeines. Viele Geschäfte hätten nur tageweise geöffnet. Vorderhand deswegen, weil schlicht die Kundschaft fehlt, wofür Amrhein durchaus Verständnis aufbringt. Trotzdem: «Kurze Ladenöffnungszeiten sind für eine Belebung nicht gerade förderlich.»

«Wir sehen den neuen Standort als Chance – auch für die Altstadt.»

Jolanda Zürcher, Präsidentin Ludothek Zug

Eine sanfte, massvolle Belebung

Dabei liess die Stadt Zug im Sommer 2015 verheissungsvoll verlauten: «Wir sind überzeugt, dass die stadtinterne Vermietung an die Ludothek zu einer angenehmen und moderaten Belebung der Altstadt beitragen wird», sagte Stadtrat Karl Kobelt damals. Das Ziel sei eine sanfte, massvolle Belebung der Altstadt, die keine Klagen aus der Nachbarschaft provoziere. Die Ludothek biete genau das. Familien würden zum Spielverleih pilgern und die ausgeliehen Sachen direkt in den alten Gassen ausprobieren. Damit blieben die Leute in der Altstadt und würden auch andere Geschäfte besuchen, so Kobelt.

Interessengruppen und Nachbarschaftsvereine

Die Interessengruppe Zuger Altstadt unterstützt die Handels- und Dienstleistungsbetriebe der Zuger Altstadt in sach- und gewerbepolitischen Anliegen. Sie betreibt Dachwerbung und Marketing für die Mitglieder. Ziel der Interessengruppe ist es, die Attraktivität der Zuger Altstadt mit gezielten Aktionen gemeinsam weiter zu stärken. Die IG besteht aus 13 Mitgliedern.

Der Hauptzweck des Vereins Nachbarschaft Altstadt-Obergasse ist der Erhalt der Lebensqualität und des historisch einmaligen Erscheinungsbildes der Zuger Altstadt. Das Nachbarschaftsgebiet ist zu fast 80 Prozent Wohngebiet. Trotzdem ist es eines der Anliegen der Vereinsmitglieder, die Attraktivität der Ober Altstadt für Kleingeschäfte zu erhalten. Hingegen widersetzen sich die Altstadtbewohner gegen eine Belebung durch Bars und Nachtlokale.

In dieselbe Kerbe schlägt Neumieterin Jolanda Zürcher: «Wir rechnen mit mehr Kundschaft und sehen den neuen Standort als Chance – auch für die Altstadt.» Gerade die Nähe zur Bibliothek könne sich laut Zürcher positiv auswirken. Die Leute würden sich gerne in der Altstadt aufhalten. Und die Tatsache, dass keine Parkplätze in der nahen Umgebung verfügbar sind, würde dazu animieren, mehr Zeit für den Ausflug in den alten Stadtkern einzuplanen.

Mit dem Auto zur Spielkiste

Die Parkplatzthematik trifft seitens der Altstadtvereinigungen allerdings auf grosse Skepsis. Roland Hengartner, Obmann beim Verein Nachbarschaft Altstadt-Obergasse, befürchtet, dass der Zufahrtsweg zur Ludothek zum Problem werden könnte. «Wie funktioniert denn das bei der Ludothek? Die Leute werden die Spielsachen abholen und gehen dann wieder – mit dem Auto.» Auch Jacqueline Amrhein von der IG Zuger Altstadt bezeichnet die fehlenden Parkplätze und den zu befürchtenden Mehrverkehr als Gefahr. Zudem glaube sie nicht, dass die ausgeliehenen Sachen direkt in den Gassen ausprobiert werden, sondern erst zu Hause ihre Verwendung fänden. «Ich habe das jeweils so gemacht.»

Ein Café oder eine ähnliche Lokalität, welche die Leute zum Verweilen anrege, wäre nach Meinung von Amrhein wünschenswerter gewesen. «Ich könnte mir auch eine Kombination vorstellen. Die Ludothek mit integriertem Café, eine Mischnutzung, so stellte ich mir das vor», sagt sie. Letztlich sei es ein Dilemma zwischen den Anwohnern, die ihre Ruhe haben wollten, und den Gewerbetreibenden, die sich mehr Leben in der Altstadt wünschten.

Es gilt, das richtige Gleichgewicht zwischen Belebung und Ruhe zu finden.

Es gilt, das richtige Gleichgewicht zwischen Belebung und Ruhe zu finden.

(Bild: pbu)

Belebung versus Ruhe

Der Zwist ist bekannt. Mittlerweile füllt die Geschichte rund um die Ankenwaage die Seiten eines mittelschweren Taschenbuches (siehe verwandte Artikel). Ende 2013 war geplant, dort eine Tapas-Bar einzurichten. Die Idee scheiterte infolge mehrerer Einsprachen aus der Nachbarschaft. Dann kam die Idee auf, in der Ankenwaage einen Quartiertreff einzurichten. Doch auch daraus wurde nichts, nachdem sich Hauptinitiator Martin Eisenring aus dem Projekt zurückgezogen hatte.

«Belebung kann nicht erzwungen werden.»

Roland Hengartner, Verein Nachbarschaft Altstadt-Obergasse

Seither wurde die Ankenwaage kulturell zwischengenutzt. Die Anwohner hatten damit keine Probleme, Einsprachen hat es nicht gegeben. «Von der Zwischennutzung habe ich nur wenig gemerkt», sagt Jacqueline Amrhein von der Wunderbox. Sie führt dies darauf zurück, dass das Angebot lediglich eine Nische bediente. Die kulturellen Veranstaltungen hätten nur eine Handvoll Leute angelockt und davon mehrheitlich junge. Das bringe zwar eine gewisse Belebung für die Altstadt, aber nicht unbedingt für die Läden. «Die Leute müssen zum Zirkulieren angeregt und nicht an einem Ort isoliert werden», so ihr Aufruf.

Für Roland Hengartner von der Nachbarschaft Altstadt-Obergasse ist klar: «Belebung kann nicht erzwungen werden.» Ganz grundlegend sei der Ausdruck «Belebung» zu einem Schlagwort verkommen, das man an sich nicht mit Qualität gleichsetzen könne. «Wir sollten nicht einem Schlagwort nachgehen», konstatiert Hengartner und lässt den Einzug der Ludothek jetzt erst mal auf sich zukommen. Ob das nun die richtige Entscheidung sei, werde man dann sehen.

«Ludus Theke»

Der Ausdruck Ludothek setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort ludus, was Spiel bedeutet, und dem griechischen Wort theke, welches Behälter oder Kiste aussagt. Frei übersetzt könnte dies also als «Spielkiste» verstanden werden. In einer Ludothek werden gegen eine minimale Gebühr Spiele ausgeliehen.

Die Ludothek Zug besteht seit dem Jahr 1983. Sie ist Mitglied des Vereins Schweizer Ludotheken. Vormals anzutreffen im Schulhaus Herti, bezog die Ludothek im Sommer 2006 die Räumlichkeiten an der Baarerstrasse 120a. Dank den erweiterten Platzverhältnissen konnte das Spielangebot dort beträchtlich ausgebaut werden. Als Verein ist die Ludothek eine eigenständige Einrichtung, wird aber von der Stadt Zug finanziell sowie mit der Immobilie unterstützt.

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