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«Erschlagen», «hoch emotional», «schwer enttäuscht»
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Geschafft: SVP-Präsident Franz Grüter (links) lässt sich von CVP-Präsident Pirmin Jung zu seiner Wahl in den Nationalrat gratulieren. (Bild: Manuel Burkhard )

Gewinner und Verlierer der Wahlen «Erschlagen», «hoch emotional», «schwer enttäuscht»

6 min Lesezeit 1 Kommentar 18.10.2015, 21:00 Uhr

Franz Grüter (SVP) holt für seine Partei einen zusätzlichen Luzerner Nationalratssitz, Andrea Gmür (CVP) verteidigt den dritten Sitz ihrer Partei, Roland Fischer (GlP) verliert seinen und Louis Schelbert (Grüne) rettet sich in letzter Sekunde: Der Luzerner Wahlkrimi hat einiges geboten. zentral+ sprach mit den Gewinnern, dem Verlierer und dem Fast-Abgewählten.

Das Rennen ist gelaufen. Und es wurde zur Nervenprobe für Louis Schelbert. Der Grüne bisherige Nationalrat musste lange, lange um seine Wiederwahl bangen. Am Schluss schaffte er die Hürde mit 23’113 Stimmen dann doch noch. Gut 271’000 Personen oder knapp 51 Prozent der Luzerner gingen an die Urne – genau gleich viel wie vor vier Jahren.

Neu besteht die 10-köpfige Luzerner Delegation im Nationalrat aus einem SVPler mehr – dafür ist keiner mehr von der GLP dabei. Je drei Sitze besetzen SVP/CVP, zwei FDP, ein SP und ein Grüner. Im Detail:

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CVP: Die beiden Bisherigen Ida Glanzmann-Hunkeler (47’143 Stimmen) und Leo Müller (42’389) schafften die Wiederwahl locker. Den durch den Rücktritt von Ruedi Lustenberger frei werdenden Sitz holte sich etwas überraschend die Stadtluzernerin Andrea Gmür. Gmür machte 30’583 Stimmen. Sie trägt dazu bei, dass sich der Frauenanteil in der Luzerner Nationalratstruppe von 30 Prozent (2011) auf neu 40 Prozent erhöht. Gmür überholte zum Schluss Priska Wismer-Felder (Rickenbach) um rund 300 Stimmen.

«Ich bin völlig erschlagen vom heutigen Wahltag und hatte eigentlich nicht mehr mit einer Wahl gerechnet.»

Andrea Gmür, frisch gewählte dritte CVP-Nationalrätin

Erschöpft, aber glücklich: Andrea Gmür nach ihrem Wahlerfolg.

Erschöpft, aber glücklich: Andrea Gmür nach ihrem Wahlerfolg.

(Bild: zVg)

«Ich kann es fast nicht glauben, dass ich gewählt worden bin. Ich bin völlig erschlagen vom heutigen Wahltag und hatte eigentlich nicht mehr mit einer Wahl gerechnet», sagt Andrea Gmür. Bis vor der Bekanntgabe der Wahlresultate aus der Stadt Luzern hat die CVP-Kantonsrätin noch mit rund 3’000 Stimmen im Rückstand gelegen. «Entsprechend gross war die Freude, als es dann doch noch geklappt hat.» Gmür vermutet, dass das positive Resultat mit ihrer Arbeit im Kantonsrat zu tun hat. «Auch die Tatsache, dass ich Präsidentin der CVP Stadt bin, hat mir sicher geholfen.» Wie sie als vierfache Mutter künftig ihren Alltag als Nationalrätin organisieren und gestalten will, weiss die Luzernerin noch nicht. «Ich weiss einfach, dass ich weiterhin auch für meine Kinder da sein werde.»

FDP: Die beiden Schwergewichte Peter Schilliger (33’378) und Albert Vitali (36’183) schlugen sich gut und sicherten sich ohne Makel die Wiederwahl. 

SVP: Nebst den Bisherigen Yvette Estermann (44’237) und Felix Müri (42’811) holte sich im Schlussfinish der SVP-Kantonalpräsident Franz Grüter den neuen, dritten Nationalratssitz für die Luzerner SVP. Bis kurz vor Schluss stand ihm Vroni Thalmann-Bieri («Sozialvorsteherin setzt Grenzen») noch vor der Sonne – 700 Stimmen machten am Schluss den Unterschied.

SVP-Nationalratskandidat Franz Grüter (Mitte) studiert die Wahlergebnisse – kurze Zeit später kann er jubeln.

SVP-Nationalratskandidat Franz Grüter (Mitte) studiert die Wahlergebnisse – kurze Zeit später kann er jubeln.

(Bild: Manuel Burkhard)

«Das lange Warten war eine Folter für mich.»

Franz Grüter, neu gewählter dritter SVP-Nationalrat

Neo-Nationalrat Franz Grüter hat gelitten an diesem Sonntag. «Das lange Warten war eine Folter für mich. Ich lag eigentlich den ganzen Nachmittag im Hintertreffen.» Nach dem endgültig klar war, dass er das Rennen macht, freute er sich gleich doppelt: «Mich freut nicht nur der Sitzgewinn, sondern auch, dass die SVP zur stärksten Kraft im Kanton aufstieg.» Wie es mit dem in Eich wohnhaften Grüter nun beruflich weitergeht – er ist CEO und Verwaltungsratspräsident der green.ch Gruppe –, lässt er noch offen. «Ich weiss erst seit einigen Minuten, dass ich gewählt bin. Ich muss mich nun neu organisieren, auch beruflich.» Was er politisch aber schon jetzt weiss: «Also, als Erstes stehen Bundesratswahlen an und ich will, dass Widmer-Schlumpf abgewählt wird.»

SP: Lange sah es so aus, als ob die SP vom Formtief der Grünen profitieren würde und auf deren Kosten einen zweiten Sitz holen könnte. Doch schlussendlich rettete sich auch der Grüne Louis Schelbert über die Ziellinie. Somit sitzt mit der Bisherigen Prisca Birrer-Heimo (33’650) auch weiterhin nur eine Luzerner Genossin im Nationalrat. Mit der Wahl von Birrer-Heimo in den Ständerat dürfte wohl aber nichts werden. Den zweiten SP-Sitz hätte sich die ehemalige Krienser Gemeindepräsidentin Helene Meyer-Jenni geschnappt. Sie lag mit 17’617 Stimmen deutlich hinter Birrer-Heimo, aber nur sehr knapp vor SP-Kantonalpräsident David Roth – rund 300 Stimmen trennten die beiden.

Grüne: Wie erwähnt, musste der Bisherige Louis Schelbert lange seine Abwahl befürchten – am Schluss konnte er lange und tief ausatmen. Schelbert ist schon 63, er dürfte kaum mehr volle vier Jahre in Bern verweilen. Dann käme wohl Kantonsrat Michael Töngi zu höheren Weihen, er machte noch 8492 Stimmen.

Schwer erleichtert: Der nur haarscharf knapp wieder gewählte Nationalrat Louis Schelbert von den Grünen.

Schwer erleichtert: Der nur haarscharf knapp wieder gewählte Nationalrat Louis Schelbert von den Grünen.

(Bild: lwo)

«Wir haben uns im Gegensatz zur Kantonsratswahl diesen März steigern können.»

Louis Schelbert, knapp wiedergewählter Grüne-Nationalrat

Schelbert will dazu noch nichts sagen. Zu seiner Wiederwahl äussert er sich wie folgt: «Ich bin froh, dass für Luzern weiterhin ein Grüner einen Sitz im Nationalrat hat. In der nächsten Legislatur werden wichtige Themen behandelt, wo es unsere Stimmen braucht.» Schon vor vier Jahren sei es für die Grünen ähnlich knapp geworden, und schon damals habe er an die Wahl geglaubt. «Wir mussten heute mindestens die Hälfte der Stimmen der SP machen, sonst hätten wir den Sitz an sie verloren.» Von einer Talfahrt der Grünen mag Schelbert nicht sprechen. «Wir haben uns im Gegensatz zur Kantonsratswahl diesen März steigern können.» Damals haben die Grünen 6,7 Prozent geholt, an diesem Sonntag waren es 7,1 Prozent. Vor vier Jahren allerdings wählten 8,3 Prozent der Luzerner die Grünen. «Das war der Fukushima-Effekt», räumt Schelbert ein.

GLP: Wie erwartet, musste GLP-Nationalrat Roland Fischer um seine Wiederwahl bangen. Und es kam, wie es befürchtet werden musste und wie es sich an diesem Sonntag schon von Beginn an abzeichnete: Er schaffte es nicht, 16’522 Stimmen waren nicht genug.

«Uns war klar: Wenn die SVP stark zulegt, schaffen wir es nicht. Und so ist es nun auch gekommen.»

Roland Fischer, abgewählter GLP-Nationalrat

Traurig: Der abgewählte GLP-Nationalrat Roland Fischer.

Traurig: Der abgewählte GLP-Nationalrat Roland Fischer.

Natürlich sei er «schwer enttäuscht», sagt Fischer. Zumal ihm rundum attestiert wurde, dass er gute Arbeit leiste in Bern. «Aber wir wussten, dass es knapp wird heute. Uns war klar: Wenn die SVP stark zulegt, schaffen wir es nicht. Und so ist es nun auch gekommen.» Immerhin habe die GLP nur 0,3 Prozent der Stimmen eingebüsst. «Das ist weniger als befürchtet.» Wie es nun mit Fischers Polit-Ambitionen weitergeht, lässt der Udligenswiler offen. «Dazu ist es noch zu früh.»

SVP steht neu an der Spitze

Historisch an diesem Wahlsonntag ist aber vor allem etwas: Neu ist die SVP die wählerstärkste Partei des Kantons Luzern. Sie legte nochmals kräftig zu, von 25,1 auf 28,2 Prozent. Parteipräsident und neuer Nationalrat Franz Grüter ist hin und weg: «Das ist für mich als Präsident eine hochemotionale Sache.» Damit hat die SVP erstmals auch die CVP klar überholt. Die seit Ewigkeit stärkste Partei des Kantons sackte von 27,1 auf neu noch 23,9 Prozent ab. Die FDP konnte ihren Wähleranteil halten (18,5 Prozent) und die SP legte fast 2 Prozent auf 13,6 Prozent zu.

Wählerstärke der Luzerner Parteien nach den Wahlen vom Oktober 2015.

Wählerstärke der Luzerner Parteien nach den Wahlen vom Oktober 2015.

Wählerstärke der Luzerner Parteien nach den Wahlen vom Oktober 2015.

Wählerstärke der Luzerner Parteien nach den Wahlen vom Oktober 2015.

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1 Kommentare
  1. Boris Kerzenmacher, 19.10.2015, 07:42 Uhr

    sind immer auch Signale, die ein Land aussendet. Und in der CH hat man jetzt entschieden, weiterhin selber die Geschicke des Lands zu bestimmen und die Kontrolle über die Grenzen haben zu wollen, während z. B. aus D und A Bilder von bebrillten Sozialpädagogen mit Teddybären in den Händen um die Welt gehen, die “Refugees welcome” brüllen.

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