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Erneut blutet musisches Fach – betroffene Lehrperson übt Kritik
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Muss bald die Oma einspringen? Gymnasialschüler werden im Kanton Luzern bald nicht mehr in Textiles Gestalten unterrichtet. (Bild: Symbolbild Fotolia: Samo Trebizan )

Luzern streicht Handarbeit aus dem Gymnasium Erneut blutet musisches Fach – betroffene Lehrperson übt Kritik

3 min Lesezeit 16.11.2017, 18:48 Uhr

Die sieben Lehrpersonen, die bisher die Kantischüler in Textiles Gestalten unterrichteten, verlieren ihren Job. Der Kanton streicht das Fach nämlich aus seiner Wochenstundentafel. Eine Betroffene ist schockiert und macht happige Vorwürfe. 

Stricken, Häkeln, Nähen. Damit ist nun Schluss. Zumindest für die Kantischüler. Was der Kanton Luzern bereits ankündigte, wird nun definitiv: Textiles Gestalten im Untergymnasium wird gestrichen. Zudem wird das sogenannte Schienenmodell eingemottet – Latein also ins Obergymnasium verschoben – und Deutsch sowie die naturwissenschaftlichen Fächer werden gestärkt.

Monika Huber unterrichtet das Fach Textiles Gestalten seit 1999 an der Kantonsschule Beromünster. Am Telefon wirkt sie aufgrund des Entscheids hörbar aufgewühlt. Sie wird, wie ihre Kolleginnen an den übrigen Kantonsschulen, ihren Job verlieren. «Wir wurden wie alle anderen Lehrpersonen diesen Donnerstagmorgen über die neue Wochenstundentafel informiert», sagt sie und fragt sich, ob es wohl einen Sozialplan gibt.

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Sie nervt sich sichtlich über den Entscheid, eine gewisse Resignation ist spürbar: «Der Entscheid war doch bereits vor dem Vernehmlassungsverfahren gefallen.» Sie ärgert sich, dass die Ganzheitlichkeit im Bildungswesen immer mehr über Bord geworfen wird. «Die Wirtschaft diktiert, wo es lang geht.» Dabei gäbe es doch zahlreiche Hirnforscher, welche die Wichtigkeit der musischen Fächer hervorheben.

Kanton dementiert Diktat der Wirtschaft

Insgesamt sind 7 Lehrpersonen betroffen, erklärt Aldo Magno von der Dienststelle für Gymnasialbildung, das mache 230 Stellenprozente. «Die Dienststelle Personal wird die Betroffenen unterstützen.» Derzeit werde abgeklärt, ob es einen Sozialplan geben wird. 

«Man hat viel gemacht, aber allen kann man es nie recht machen.»

Aldo Magno, Dienststelle für Gymnasialbildung

Er erklärt den Entscheid: «Viele Kantone kennen das Fach Textiles Gestalten in den Gymnasien gar nicht.» Knackpunkt in der Vernehmlassung war die Frage, ob für Gymnasiasten ohne das Fach Anschlussprobleme bestehen. Magno sagt: «Die Studierenden, etwa der Pädagogischen Hochschule im Fachbereich Textiles und Technisches Gestalten, haben grossmehrheitlich vorher nicht ein Langzeitgymnasium besucht, sondern einen anderen Bildungsweg via Sekundarschule absolviert.»

Den Vorwurf, man lasse sich die Lektionen von der Wirtschaft diktieren, lässt er nicht gelten. «Wir haben in den Fällen, wo konträre Meinungen im Raum standen, weitere Abklärungen getroffen.» Man habe diverse Gespräche geführt und auch die Einwände der Naturwissenschaften berücksichtigt. «Man hat viel gemacht, aber allen kann man es nie recht machen. Vor allen den Verlierern nicht», so Magno.

Auch Latein muss bluten 

Nebst dem Wegfall des Fachs Textiles Gestalten gibt es weitere Änderungen in der Wochenstundentafel. Deutsch erhält im Untergymnasium (UG) zwei zusätzliche Lektionen und wird künftig mit je fünf Lektionen in der Woche unterrichtet. Damit sollen die Lernenden bessere Sprachkenntnisse erwerben.

Der naturwissenschaftlich-technische Bereich wird neu von allen Lernenden besucht und umfasst insgesamt sieben Lektionen. Schüler sollen, ähnlich wie in der Sekundarschule, einen vertieften, praxisorientierten naturwissenschaftlichen Unterricht erhalten. Diese neue Ausrichtung löst das bisherige Schienenmodell ab, das heisst die Wahl zwischen Latein/Sprachen und Natur/Technik im Untergymnasium. 

Die Stärkung des Fachs Deutsch und der naturwissenschaftlichen Fächer erfolgt durch die Umlagerung von Lektionen und bedingt die Aufhebung des Schienenmodells. Mit der neuen Wochenstundentafel wird Latein im Untergymnasium nicht mehr als optionales Schienenfach angeboten. Hingegen besteht die Möglichkeit, das Fach wie heute schon im Obergymnasium als Schwerpunkt- oder Freifach zu wählen und zu vertiefen.

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