Erhöht Kriens die Billettsteuer, bluten B-Sides & Co. weiter
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Die Veranstalter des B-Sides zahlten im vergangenen Jahr rund 18'000 Franken Billetsteuer an die Stadt Kriens. (Bild: zvg)

Sparen auf Kosten von Sport und Kultur Erhöht Kriens die Billettsteuer, bluten B-Sides & Co. weiter

4 min Lesezeit 2 Kommentare 05.06.2020, 05:00 Uhr

Es liest sich wie eine Drohung: Nehmen die Krienser die vom Stadtrat geplante Steuererhöhung nicht an, müssen halt die Gebühren rauf. Die Billettsteuer ist eine davon – steigt sie, haben die Krienser einen Standortnachteil.

Aus für die Sonnenbergbahn, Quartierbusse gestrichen oder gar die Schliessung der Badi: Der Stadtrat führt den Kriensern und Krienserinnen vor Augen, was passieren könnte, wenn sie die Steuerfusserhöhung von 1,9 auf 2,0 Punkte ablehnen (zentralplus berichtete).

So zieht der Stadtrat auch in Betracht, einen Teil des Lochs von knapp 5,6 Millionen Franken in der Staatskasse durch eine Erhöhung der Billettsteuer wieder zu stopfen.

Eine Erhöhung würde einzelne gewinnorientierte Veranstalter stärker belasten, die Kultur- und Sportförderung der Gemeinde jedoch entlasten. In der Stadt Luzern und in Kriens müssen aktuell 10 Prozent des Eintrittspreises abgegeben werden.

B-Sides drückte letztes Jahr 18’000 Franken ab

Beim dreitägigen B-Sides auf dem Sonnenberg sind es 13 Franken, die pro 3-Tages-Ticket in die Kassen der Stadt fliessen. Bei der vergangenen Ausgabe sind laut Auskunft von Mediensprecher Dominik Unternährer knapp über 18’000 Franken an die Stadt Kriens bezahlt worden.

«Es ist kein schönes Signal.»

Dominik Unternährer, B-Sides

Zudem berappen die B-Sides-Macher eine Platzmiete für den Sonnenberg, erhalten im Gegenzug aber Unterstützung aus der Kulturförderung. «Trotzdem ist es kein schönes Signal, wenn beim Sparen wieder bei der Kultur angesetzt werden soll», findet Unternährer. Schon jetzt zahle man mehr Beiträge an die Stadt, als man erhalte.

«Dabei leisten wir einen Beitrag an die kulturelle Vielfalt in Kriens und strahlen über die Region hinaus. Es wäre uns lieber, es ginge in die andere Richtung», sagt Unternährer auch in Anbetracht der aktuell angespannten Situation im Veranstaltungsbereich.

SC Kriens zahlt (noch) keine Billettsteuer

Von einer Erhöhung der Billettsteuer wären nicht alle Krienser Veranstalter betroffen. Ausnahmen bei der Billettsteuer gibt es etwa beim Südpol, dessen eigenen Veranstaltungen von der Billettsteuer ausgenommen sind. Externe Organisatoren müssen der Stadt Kriens jedoch einen Teil ihrer Ticketeinnahmen abgeben.

Gewichtigste Ausnahme von der Regel ist jedoch der SC Kriens. Als die Billettsteuer in Kriens 2015 wiedereingeführt wurde, hat man mit der Stadt einen Deal abgeschlossen: So lange der Verein in der zweithöchsten Spielklasse (also in der Challenge League) spielt, zahlt er keine Billettsteuer. Mit rund 1500 Zuschauern im Schnitt während der 18 Heimspielen pro Saison ist der Verein wohl der grösste regelmässige Veranstalter in Kriens. Würde der Verein in die höchste Spielklasse aufsteigen, fiele auch beim Sportclub die Billettsteuer an.

Wie eine Erhöhung der Billettsteuer ausfallen würde und ob Veranstalter, die heute noch davon ausgenommen sind, neu auch einen Obulus leisten müssten, hat die Stadt noch nicht kommuniziert.

Veranstalter könnten Kriens vermehrt meiden

Klar ist aber: Die ohnehin von Corona betroffenen Veranstalter hätten im Falle einer Erhöhung zwei Möglichkeiten. Entweder wälzen sie die Kosten auf die Besucher ab – oder sie verzichten auf einen Teil des Gewinns. Externe Veranstalter, die nicht unbedingt den einen oder anderen Ort bevorzugen, könnten es sich deshalb zweimal überlegen, ob sie überhaupt noch in Kriens oder vielleicht doch lieber dort, wo die Steuer geringer ist, anbieten wollen. Zum Beispiel in Luzern, wo bislang noch gleichlange Spiesse – also zehn Prozent pro Ticket – gelten.

Neben Kriens und Luzern erheben auch Ebikon, Willisau, Malters sowie Emmen eine Billettsteuer. Horw als Nachbargemeinde verzichtet darauf.

FDP-Kantonsrat will «alten Zopf» abschneiden

Möglicherweise wird die Diskussion über die «Lustbarkeitsabgabe», wie sie im Gesetz von 1919 genannt wird, ohnehin bald obsolet: Es gibt politische Vorstösse, namentlich von FDP-Kantonsrat Damian Hunkeler, um diesen «alten Zopf» abzuschneiden. Die Billettsteuer sei als Umverteilungsvehikel sowieso nicht geeignet, weil sie mit grossem administrativem Aufwand verbunden sei. In der Stadt Luzern wurde ausgerechnet, dass sie zwar 5,7 Millionen Franken für die Kultur- und Sportförderung einbringt, aber auch 200’000 Franken an Verwaltungskosten generiert.

Die öffentliche Hand unterstütze Kultur, Sport und Gesellschaft mit anderen Mitteln, schreibt Hunkeler im Vorstoss, den er im September des vergangenen Jahres eingereicht hat. Allfällige Mindereinnahmen würde er dann andersweitig kompensieren – zum Beispiel über eine Steuererhöhung.

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2 Kommentare
  1. M. Moser, 06.06.2020, 08:17 Uhr

    Ich denke, bald stimmen die Krienser Bürger mit den Füssen ab….

  2. Evelyne Ineichen, 05.06.2020, 13:44 Uhr

    Krienser Verzweiflungsideen greifen weiter um sich. Drohungen über Drohungen liegen seit Wochen in der Luft. Wie lange macht die Bevölkerung das noch mit. Das geforderte Rettungspaket wird immer umfangreicher und unzumutbarer für die Steuerzahler. Die Hoffnung stirbt wohl für die Regierung am Schluss. Könnte aber alles auch in die Hosen gehen, wie alles andere auch. Es ist Handlungsbedarf angezeigt. Die Verantwortlichen für dieses Desaster müsste auf schnellstem Wege aus dem Verkehr gezogen werden.

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