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Erfinder des Luzerner Stadtlaufs wehrt sich
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Hansjörg Kaufmann als Leichtathlet: Der Luzerner nahm an der Schweizermeisterschaft teil (Nr. 63).

Luzerner will Gründungsgeschichte vervollständigen Erfinder des Luzerner Stadtlaufs wehrt sich

4 min Lesezeit 28.04.2017, 16:53 Uhr

Der Luzerner Stadtlauf wurde 1978 zum ersten Mal ausgetragen. Die Gründerväter Roman Bussmann und Edwin Rudolf sind klingende Namen in der Stadt. Doch nun wehrt sich einer gegen die gängige Darstellung: Hansjörg Kaufmann sagt, er hatte die Idee schon viel früher. Doch sein Name taucht nirgends auf – bisher.

Bereits zum 40. Mal jährt sich der Stadtlauf diesen Samstag. Zum Jubiläum schaut man gerne zurück: So hat es die «Luzerner Zeitung» in ihrer Berichterstattung getan. Die Gründungsgeschichte des Stadtlaufs wird wie folgt erzählt: Roman Bussmann wird zum «Gründervater» erklärt – die «Luzerner Neuste Nachrichten» (LNN) war in Persona von Verlagsleiter Edwin Rudolf (76) und damaligem Sportredaktor Ottavio Bovo (74) Mitinitiator.

Dagegen wehrt sich Hansjörg Kaufmann, selber Leichtathlet und langjähriger Streckenchef beim Stadtlauf. Er sagt: «Ich bin bereits 1975, also drei Jahre vor dem ersten Stadtlauf, mit der Idee eines Schülerlaufs durch die Altstadt an Herrn Bovo herangetreten.» Er wollte das Jugendrennen im Rahmen des Altstadtfestes durchführen. Sogar eine Route schwebte Kaufmann vor. Zum Beweis legt er den Durchschlag des damals vorgelegten Konzepts vor (siehe Bildstrecke). «Die Originale habe ich 1975 Herrn Bovo übergeben», sagt Kaufmann. Dieser sagte, die Idee sei gut, aber in dem Rahmen, den ich mir vorstellte, nicht machbar.

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Drei Jahre später startet der erste Musegglauf – der Vorläufer des heutigen Stadtlaufs. In der Entstehungsgeschichte fehlt der Name Hansjörg Kaufmann aber.

LNN übernahm Konzept – erwähnte Kaufmann aber nicht

Das Ehrenmitglied des Stadtturnvereins Luzern sagt: «Vielleicht wurde Herr Bussmann als Gründervater stilisiert, wegen seiner Nähe zu den LNN-Vertretern Edwin Rudolf und Ottavio Bovo.» Vielleicht habe man die Idee auch zu Roman Bussman «geschoben», um einen gewichtigen Initiator zu haben. Dabei blieb aber das Konzept innerhalb des LNN-Kreises, da Bussmann bei der Zeitung sehr gut vernetzt war.

So hat sich Kaufmann den Lauf vorgestellt.

So hat sich Kaufmann den Lauf vorgestellt.

(Bild: zvg)

Die LNN gab denn auch die notwendige mediale Unterstützung, welche ein solcher Anlass braucht. Mit Bussmann und Rudolf hatte man zwei Schwergewichte, welche den Einfluss und das Netzwerk hatten, einen Lauf durch die Altstadt zu organisieren.

«Ich habe immer meine Meinung gesagt, deshalb wollte ich das richtigstellen.»

Hansjörg Kaufmann, ehemaliger Streckenchef Stadtlauf

Nur verfolgten die Herren ein neues Ziel als Kaufmann mit seinem bereits seit drei Jahren vorliegenden Konzept. Der Lauf war jetzt kostenpflichtig. «Ich wollte einen Gratis-Lauf für Kinder- und Jugendliche. Der Stadtlauf verlangt aber ein Startgeld, auch von den jüngeren Läufern. Das hätte ich anders gemacht», sagt Kaufmann.

Die Sache mit den Turnvereinen

Zur Person

Hansjörg Kaufmann, geboren 1943, ist pensionierter Kaufmann und in verschiedenen Vereinen und Organisationen engagiert. Er ist Präsident des Kremationsvereins Luzern, Präsident der Alfred Achermann-Stiftung, Sportkoordinator im Verein Städtepartnerschaft Luzern-Potsdam und Geschäftsführerender Stiftungsrat der Versicherungsrichter Albisser-Stiftung. Ausserdem ist er Obmann des Eidgenössischen Turnveteranen des Stadtturnvereins Luzern, in welchem er seit 1984 Ehrenmitglied ist.

Warum man ihn ausklammere aus den Memoiren des Stadtlaufs, darüber kann Kaufmann nur mutmassen: «Vielleicht war ich auch einfach im falschen Turnverein», sagt er lächelnd. «Ich war im Stadtturnverein, der eher liberal eingestellt war. Die Sportredaktion der LNN hingegen war nahe zur Bürgerturnvereins Luzern, wo christlich-konservative Werte vorherrschten.» Möglicherweise sei aus einer vereinspolitischen Motivation seine Idee vorerst abgewiesen worden.

Aber es könne auch sein, dass er einfach zu jung war: «Vielleicht hat Herr Bovo mir die Durchführung eines solchen Anlasses wegen meines Alters auch nicht zugetraut», mutmasst der heute 73-Jährige.

Kaufmann hegt keinen Groll

Noch andere würden kaum in der Gründungsgeschichte erwähnt, führt Kaufmann aus: «Da war beispielsweise Lehrer Urs Grüter, welcher die ganze Organisation übernahm. Oder Werner Lehmann, der damalige Sportbeauftragte der Stadt, der auch ein Schülerrennen durchfüren wollte.» Auch der damalige Stadtpräsident Hans Rudolf Meyer habe massgeblichen Anteil an der Durchführung des ersten Stadtlaufs gehabt.

Hansjörg Kaufmann.

Hansjörg Kaufmann.

(Bild: zvg)

Kaufmann hat sich bisher nicht an der geltenden Gründungsgeschichte gestört. Aber: «Ich habe immer meine Meinung gesagt, deshalb wollte ich das anlässlich des Jubiläums richtigstellen.» Er sei damals junger Familienvater gewesen und habe sich keine grossen Gedanken gemacht, dass das eigentlich seine Idee war.

Dabei ist ihm wichtig zu betonen: «Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Roman Bussmann. Wir haben Jahre zusammengearbeitet und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut.» Er hege keinen Groll, gegen niemanden. Es ginge ihm nur darum, die ganze Geschichte zu erzählen. «Ich will niemandem Böswilligkeit unterstellen», so Kaufmann.

Der leidenschaftliche Sportler war stets mit dem Luzerner Stadtlauf verbunden: «Ich war dann auch beim ersten Lauf vor Ort – und wurde direkt gefragt, ob ich ab dem zweiten Jahr Streckenchef sein möchte. Das habe ich dann während 20 Jahren gemacht.» Er findet, der Lauf sei eine gute Sache, auch wenn er nicht nach seinen Vorstellungen umgesetzt wurde. «Heute ist es ein Millionengeschäft, es ist sehr kommerziell geworden. Aber ich finde es schön, dass es den Lauf heute gibt.» Trotzdem, er findet nach wie vor: «Für Jugendliche müsste der Lauf in meinen Augen gratis sein.»

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