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Er schwärmt von Greta und träumt vom Stöckli
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Lädt jeden Freitag zum Klimalunch: Ständeratskandidat Florian Studer. (Bild: uus)

Der parteilose Florian Studer rüttelt Luzern auf Er schwärmt von Greta und träumt vom Stöckli

5 min Lesezeit 18.09.2019, 13:51 Uhr

Florian Studer (33) ist der kurzentschlossene Ständeratskandidat. Der Wahlkampf des Parteilosen kennt nur ein Thema: den Klimawandel.

«Willkommen beim ersten Klimalunch.» Auf die Leute zugehen ist Florian Studers Stärke. Das zeigt sich auch an diesem Freitagmittag vor dem Luzerner Theater. Angereist ist er mit einem selbst gemalten Plakat. Darauf prangt der Hashtag «Klimaversprechen». Er habe das Versprechen abgegeben, «alles in meiner Macht zu tun, um den Klimawandel abzuwenden und meinen Kindern eine lebenswerte Zukunft auf der Erde zu ermöglichen», erklärt er.

Studer, mit Poloshirt und Turnschuhen, erzählt von seiner abenteuerlichen Kandidatur – und wie uns noch zehn Jahre bleiben, um den von der Menschheit gemachten Klimawandel zu stoppen. «Wir müssen alle Klimaaktivisten werden», ist seine Botschaft.

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Alles tun, auch in der Politik

Er habe sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Erst habe er sein eigenes Verhalten hinterfragt. «Bis vor kurzem sind wir mit der Familie auch noch per Flugzeug in die Ferien gereist.» Er verzichte nun auf unnütze Flüge und esse weniger Fleisch.

«Am Mittag gemeinsam ein Brötli essen und sich dabei für den Klimaschutz stark machen, dafür hat jeder Zeit.»

Florian Studer, parteiloser Ständeratskandidat

Auch sein politisches Engagement entspringt diesem Nachdenken. Die Idee einer Kandidatur habe ihn nicht mehr losgelassen, als er sie einmal hatte. Wirklich alles zu tun gegen den Klimawandel bedeute eben: «wirklich alles». Dabei gehe es ihm vor allem darum, zu informieren: «Wenn wir jetzt nichts gegen den Klimawandel tun, dann müssen wir uns auch nicht mehr über andere Themen unterhalten», formuliert er drastisch.

Gemeinsam essen statt demonstrieren

So hat sich der studierte Agronom, Kopf des Start-ups «Schöki», eines Schokoladenunternehmens, und Agrarrechtler beim Kanton Nidwalden also entschieden, aktiv zu werden. Florian Studer sprudelt vor Ideen. Der Klimalunch ist eine davon. «Die Schweizer haben keine ausgeprägte Demonstrations-Kultur», sagt er. Aber am Mittag eine Stunde lang gemeinsam ein Brötli essen und sich dabei für den Klimaschutz stark machen, «dafür hat jeder Zeit».

Ständeratskandidat Florian Studer beim ersten Klimalunch, den er initiiert hat.

Für die erste Ausgabe hat Studer ein paar Freunde eingeladen. Eine junge Frau gesellt sich zu ihnen. «Ich habe die Veranstaltung auf Social Media geteilt – aber ich habe keine Ahnung, wie viele da kommen werden», so Studer. Es werden rund 20 Leute sein, davon einige Schüler, die seinem Aufruf folgen. Auch seine Familie – Studers Partnerin und die beiden Jungs – wird sich später dazugesellen.

Mit Thunbergscher Beharrlichkeit zum Ziel

Im Gespräch äussert Studer auch immer wieder seine Bewunderung für Greta Thunberg. Beeindruckend sei besonders die «Beharrlichkeit» der jungen Schwedin und wie sie die Dinge beim Namen nennen und auf den Punkt bringen könne. «Nicht locker lassen» ist für ihn deshalb auch das Rezept, um seinem klimapolitischen Engagement Wirkung zu verleihen.

Der Lunch soll von nun an jeden Freitag auf dem Theaterplatz stattfinden. Studer pendelt von Grüppchen zu Grüppchen, möchte von den Leuten wissen, wie sie auf den Lunch aufmerksam geworden sind. Und: «Ihr dürft gerne noch ein paar Freunde mitbringen beim nächsten Mal.»

Wahlkampf aus dem Bauch heraus

Es ist seine Form von Wahlkampf. Budget hat seine Kandidatur kaum. Ein befreundeter Filmemacher unterstützt ihn mit einem Faktenvideo zum Klimawandel, das demnächst aufgeschaltet wird. «Es wird auch noch ein kleines Crowdfunding geben», sagt Studer. Auf seiner Wahltour ist zwar vieles ad hoc, aber mit Leidenschaft vorgetragen. Das ist er eben: der kurzentschlossene Ständeratskandidat.

Florian Studer im Gespräch mit jungen Aktivisten.

Studer wird mit dem Ausgang der Wahlen nichts zu tun haben. Seine Kandidatur stellt einen Farbtupfer im sonst so geordneten Wettrennen von Parteisoldaten dar.

Dazu gehört auch, dass er als wohl einziger Bewerber in einer heissen Phase des Wahlkampfs in die Ferien fährt. «Mit dem Zug nach Südfrankreich ans Meer.» Das sei schon lange geplant gewesen, sagt er. Er habe auch nicht daran gedacht, die Familienferien zu verschieben.

«Auch in meinem Freundeskreis gibt es immer noch Leute, die nicht wissen, wie gravierend die Situation ist.»

Florian Studer, parteiloser Ständeratskandidat

Mit einem solchen Rummel um seine Person habe er als «politischer Nobody» nämlich nicht gerechnet: «Ich bin überrascht, dass ich so grosse Aufmerksamkeit erhalte.» Aufmerksamkeit, die er nutzen will, um über den Klimawandel zu informieren. Denn noch immer sei vielen nicht bewusst, was hier auf dem Spiel stehe. «Auch in meinem Freundeskreis gibt es immer noch Leute, die nicht wissen, wie gravierend die Situation ist.»

Seine politischen Standpunkte rund ums Klima

Seine Kandidatur sei eine Bauchentscheidung gewesen, aber auf jeden Fall ernst gemeint. Dass er nun gleich weiter zum Radiointerview müsse und dann noch zu einem Podium eingeladen sei, sei aber gut. Für die Sache.

Studer fordert eine «faktenbasierte Klimapolitik». Konkret: eine Lenkungsabgabe auf Benzin («Kann Sinn machen. Aber wenn der Ständerat eine Abgabe von 10 Rappen beschliesst, ist das ein Witz. Studien sagen, dass eine lenkende Wirkung erst ab 20 Rappen erfolgt»). Neue Ölheizungen würde er per sofort verbieten («Unser Bedürfnis ist es, im Winter nicht zu frieren. Es gibt bereits heute klimafreundliche Heizungen.»).

Die Zukunft hängt am Klima

Studer würde dazu einen Investitionsfonds einrichten, der zum Beispiel die Installation von Wärmepumpen vorfinanziere. Auch eine CO2-Steuer auf Flugtickets («Die geplante Steuer ist allerdings zu gering.») würde er begrüssen.

Beim Thema AHV überlegt er kurz: «Was nützt uns die Diskussion, wenn wir das Klima an die Wand fahren.» Aber er könne sich gut vorstellen, länger zu arbeiten. «Aber halt nicht zu 100 Prozent wie mit 30, sondern in einer neuen Form und in neuen Jobs.»

Bei aller Spontanität drückt bei Studer immer wieder die Sorge um die Zukunft durch. «Die Zukunft unserer Kinder», präzisiert er. Und die hängt, davon ist er überzeugt, vor allem vom Klima ab.

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