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Er fühlte sich als heiliger Beatus – und stach zu
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Die Idylle auf dem Lande trügt: In diesem Haus in Beromünster erstach ein damals 30-Jähriger seinen Vater mit 27 Messerstichen. (Bild: ida )

Der Vatermörder von Beromünster steht vor Gericht Er fühlte sich als heiliger Beatus – und stach zu

2 Min 22.08.2018, 00:01 Uhr

Ein junger Mann tötete im Sommer 2015 in Beromünster seinen Vater mit mehreren Dutzend Messerstichen. Am Dienstag muss er sich vor dem Kriminalgericht verantworten. Trotz der Brutalität des Mannes plädiert die Staatsanwaltschaft auf Schuldunfähigkeit.

Es war ein Verbrechen von unvorstellbarer Brutalität. Im Sommer 2015 erstach ein damals 30-jähriger Mann auf dem familieneigenen Tannhof in Beromünster seinen Vater mit 27 Messerstichen. Für seine Tat musste sich der Mann am Dienstag vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten.

Die Anklage zeichnet das Bild eines bestialischen Blutbades in der elterlichen Wohnung des Täters. So stach der Sohn seinem Vater in Oberkörper und Hals und fügte ihm Schnittverletzungen an Oberarmen und Händen zu. Durch die Verletzung lebenswichtiger Organe verstarb der Vater durch Verbluten und akutes Herzversagen noch am Tatort.

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«Mein Vater war ein Tyrann»

Der junge Mann gibt seine Tat vollumfänglich zu. Als Motiv gibt er an, dass er seinen Vater damals als Tyrannen betrachtete. Dieser habe gegenüber der Familie immer wieder psychische Gewalt ausgeübt und massive Morddrohungen geäussert. Zum Streit kam es letztlich, als der Sohn den Vater wegen dessen Verhalten gegenüber der Familie zur Rede stellen wollte.

Ein forensisch-psychiatrisches Gutachten attestiert dem Täter zum Zeitpunkt der Tat eine «durch Cannabis induzierte psychotische Störung». Aufgrund der Krankheit gehen die Gutachter von einer hohen Rückfallgefahr aus.

Die Staatsanwaltschaft plädiert auf Schuldunfähigkeit. Stattdessen fordert sie die Anordnung einer stationären therapeutischen Behandlung. Diese hat der Mann bereits angetreten. Er lebt seit gut zwei Jahren in der psychiatrischen Klinik im aargauischen Königsfelden. Auch soll er laut Staatsanwalt nicht wegen Mordes, sondern vorsätzlicher Tötung verurteilt werden.

Er fühlte sich als der heilige Beatus

Doch wie kam es überhaupt zur Tat? Der Mann sagt, sich an jenem Tag wie der heilige Beatus, sein Namensvetter, gefühlt zu haben. Der heilige Beatus gilt als der Apostel, der die Schweiz zum Christentum bekehrte.

Der aus England stammende Mönch soll sich im 2. Jahrhundert nach Christus am Thunersee niedergelassen haben, wo er als Einsiedler lebte. Die Legende besagt, dass er dort einen Drachen tötete, der die Gegend verwüstet hatte. Das Gleiche soll der Vater auch dem Täter angetragen haben, sollte es einmal darum gehen, die Familie zu retten.

Als der junge Mann seinen Vater zur Rede stellte, sagte er zu ihm: «Ech weiss jetzt gloub, wer ech be – de Beatus.» Darauf soll ihm der Vater geantwortet haben: «Was hesch ou Buebli?» Nach Aussagen des Täters habe es bei ihm daraufhin «Klick» gemacht und er sei mit einem Messer auf seinen Vater losgegangen.

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