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Er bringt ein Stück Südafrika ins Neubad Luzern
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Von links: Perrine Haller , Samuel Reichmuth, Miriam Rütti. (Bild: pze )

Jungunternehmer auf den Spuren von Freitag und Co. Er bringt ein Stück Südafrika ins Neubad Luzern

5 min Lesezeit 08.05.2017, 14:54 Uhr

Der Grafiker Samuel Reichmuth designt seit drei Jahren seine eigenen Rucksäcke und Taschen. Nachdem die erste Kollektion restlos ausverkauft ist, folgt nun «The Cotton Collection». Damit verbindet der Megger die Länder seiner Kindheit: die Schweiz und Südafrika. Sein Ziel ist der Sprung über die Landesgrenzen.

Es blitzt in Luzern immer wieder auf, wenn man genau hinschaut, auf Trainingstaschen, Rucksäcken oder Portemonnaies: Das weisse Viereck, auf dem in Grossbuchstaben «BADI» und klein darunter «Culture» steht. Dahinter steckt ein Megger Startup mit Hauptaugenmerk auf Taschen und Rucksäcken. 2017 startet die zweite Kollektion: «The Cotton Collection».

Ausserdem kündigt das Label an: Ende Jahr will man den allerersten (Erfolgs-)Rucksack wiederaufleben lassen. Das Roll-Over-Modell, mit welchem Badi Culture 2014 startete, kommt als Wiederaufnahme zurück auf den Markt. Grund genug, einen Blick auf das Luzerner Jungunternehmen zu werfen.

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Aus der Schweiz nach Südafrika – und zurück               

Der Kopf hinter Badi Culture ist Samuel Reichmuth. Die Eltern des gebürtigen Schweizers zogen mit ihm nach Südafrika, als er zehn Jahre alt war. Reichmuth lebte anschliessend in Kapstadt, studierte dort und war als Fotograf und Model tätig. Nach 15 Jahren kehrte er zurück und lebt seither in Meggen. Dort gründete der heute 29-Jährige 2014 sein eigenes Mode-Startup.

«Gerade in Kapstadt sind die Leute sehr designaffin. Sie werfen oft einen Blick nach Europa und speziell nach Skandinavien, wenn es um Mode und Design geht.»

Samuel Reichmuth, Gründer Badi Culture

«Ich habe einfach nie eine Tasche gefunden, die mir voll und ganz gefällt. Deshalb habe ich entschieden, selber eine zu designen», sagt der ausgebildete Grafiker. Die robusten, schlichten Taschen und Accessoires erinnern an bekannte skandinavische Marken.

Skandinavisches Design als Vorbild

Mit der Modelinie schlägt er eine Brücke dorthin, wo er seine Jugend verbrachte: Reichmuth lässt seine Produkte alle in Südafrika produzieren. «Ich möchte die beiden Länder, in denen ich aufgewachsen bin, miteinander verbinden», sagt er. Dabei geschieht die ganze Produktion mit Produkten aus der Nähe von Kapstadt.

Der Badi-Rucksack aus natürlich gegerbtem Leder.

Der Badi-«Lederrucksack» aus natürlich gegerbtem Leder.

(Bild: pze)

Skandinavische Taschen in Südafrika, geht das? Es sei gar nicht so seltsam, wie es klingt, meint Reichmuth: «Gerade in Kapstadt sind die Leute sehr designaffin. Sie werfen oft einen Blick nach Europa, wenn es um Mode und Design geht.»

Die Produktionsbedingungen schaut sich Reichmuth regelmässig vor Ort an. Er hat engen Kontakt mit den Fabriken in Südafrika und besuchte sie auch schon mehrfach. Ausserdem sagt er: «Die Produkte sollen qualitativ hochwertig sein. Beispielsweise wird das Leder für meine Rucksäcke natürlich gegerbt.»

Im höheren Preissegment – noch

Die Qualität und die geringe Produktionsmenge führen dazu, dass Badi Cultur» zu den hochpreisigen Labels zählt. Der Lederrucksack kostet immerhin stolze 590 Franken. Die Produkte aus Baumwoll-Canvas, also robustem Safaristoff, sind günstiger als das hochwertige Leder. Reichmuth erklärt: «Wenn das Label besser läuft, können wir mehr bestellen und entsprechend werden die Produkte günstiger. Ich fänd’s cool, wenn sich jeder etwas von Badi leisten kann.» Noch besteht die Produktionsmenge der Taschen aus rund 100 Stück – doch diese Zahl soll sich künftig steigern.

«Ich gebe gerne Arbeit ab, wenn jemand etwas besser kann als ich.»

Samuel Reichmuth, Gründer Badi Culture

So soll künftig ein mittelpreisiger Rucksack her. Vielleicht auch schon der Roll-Over-Rucksack, der Ende Jahr kommt? «Es soll kein Luxusrucksack sein», so Reichmuth, «er soll bezahlbar sein und er ist für den täglichen Gebrauch.»

Reichmuth gibt gerne ab

Das Atelier Reichmuths ist im Neubad. Badi Culture im Neubad? «Das war Zufall», lacht Reichmuth, «aber es passt wirklich sehr gut.» Der Standort sei ideal, weil hier der Austausch mit kreativen Leuten sehr gross sei. «Im Gespräch miteinander können schöne neue Ideen entstehen.»

Auch bei Badi Culture hat sich der Jungunternehmer Reichmuth von Beginn weg Unterstützung geholt: Perrine Haller (27) ist gelernte Schneiderin und setzt die Ideen Reichmuths in Form eines Entwurfs um. Miriam Rütti (27) ist verantwortlich für die Produkttexte.

Samuel Reichmuth präsentiert im Neubad-Atelier die Badi-Umhängetasche.

Samuel Reichmuth präsentiert im Neubad-Atelier die Badi-Umhängetasche «Fold Over Tote».

(Bild: pze)

Reichmuth sagt: «Es beginnt immer damit, dass ich eine Vorstellung habe.» Oder sie ergänze seine Entwürfe. Perrine Haller sagt: «Der Entwurf ist immer Diskussionsgrundlage. Ich bringe dann meine Meinung ein, was machbar ist oder wo man den Entwurf sogar noch verbessern könnte.»

«Ich gebe gerne Arbeit ab», sagt Reichmuth lachend, «wenn jemand etwas besser kann als ich.» Es sei schön zu sehen, was entstehe, wenn man andere Leute miteinbeziehe. Und er könne sich dann mehr darauf konzentrieren, was er gut könne, nämlich das Unternehmerische und Grafische. Reichmuth behält das grosse Ganze im Blick. Inzwischen seien sie ein eingespieltes Team.

Noch kein Vollzeitjob

Leben lässt sich aber noch nicht von der Arbeit bei Badi Culture. Reichmuth arbeitet hauptberuflich als Grafiker bei einer Agentur – vier Tage die Woche. Er habe Vorgesetzte, die ihn unterstützen würden: «Ich konnte meine Arbeit um einen Tag in der Woche reduzieren», erklärt Reichmuth. Er habe gemerkt, dass ein «offizieller» Tag, den er nur dem Startup widmen kann, wichtig ist. Den Rest der Arbeit erledige er am Abend oder an den Wochenenden, so Reichmuth.

Nächster Schritt: das Ausland

Man merkt Reichmuth an: Er will mehr. «Man kann lange träumen, aber wenn man etwas erreichen will, muss man es einfach tun», lautet seine Devise. So habe er beruflich oft intuitiv gehandelt – und Umwege gemacht. «Im Nachhinein habe ich oft gedacht, warum bin ich es nicht anders angegangen? Ich habe Geld oder Zeit verschwendet. Aber im Endeffekt ist es so: Ich lerne sehr viel dazu und bei einem nächsten Mal bin ich effizienter.» 

Und Schluss soll noch lange nicht sein: Ziel ist es, im Ausland Fuss zu fassen – und irgendwann einen Schub zu erleben und mit dem Label auch gutes Geld zu verdienen. Dabei seien Modemarken wie «Freitag» durchaus ein Vorbild – die Zürcher verkaufen ihre Taschen aus alten LKW-Planen inzwischen weltweit. Im Neubad bleiben würden sie aber auch, wenn sie auf der ganzen Welt ihre Taschen verkaufen würden, meint Reichmuth: «Der Ort hier passt einfach zu uns.»

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