Entlang der Baselstrasse verläuft die Kluft zwischen Stadt und Kanton
  • Regionales Leben
  • Verkehrsplanung
Ende September kam es in der Baselstrasse zu einem Rohrbruch. (Bild: cbu)

Luzerner Strasse muss saniert werden Entlang der Baselstrasse verläuft die Kluft zwischen Stadt und Kanton

6 min Lesezeit 3 Kommentare 04.12.2020, 05:00 Uhr

Die Zukunft der Baselstrasse wird in diesen Tagen zwischen der Stadt und dem Kanton ausgehandelt. Die Anwohner haben jedoch ebenfalls klare Vorstellungen davon, was sich an der Strasse ändern soll und muss – nun stellt man sich darauf ein, dafür zu kämpfen.

Mitten in der Nacht mutierte die Baselstrasse zum Fluss. Grund dafür war ein massiver Rohrbruch, der die Strasse praktisch einen ganzen Tag lang unbrauchbar machte (zentralplus berichtete).

Der Rohrbruch kam für viele nicht völlig unerwartet. Die Werkleitungen und Rohre, die unterirdisch der Strasse entlang führen, sind längst in die Jahre kommen und müssen saniert werden. Die Pläne dafür sind schon seit Längerem in Ausarbeitung.

Allzu viel über die Ausgestaltung dieser Sanierung ist bisher aber noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Gemäss dem Verein für die nachhaltige Entwicklung des Quartiers Basel- und Bernstrasse (Babel), ist der Baubeginn frühstens 2024. Die Bauarbeiten würden demnach rund ein Jahr dauern und der Verkehr nur noch einspurig durch die Baselstrasse geführt werden können. In die Gegenrichtung stadtauswärts – würde der Verkehr während dieser Zeit über die Dammstrasse geführt werden.

Marode Leitungen sind nicht das einzige Problem

Gemäss der Quartierzeitung «Sentipost» soll das Sanierungsprojekt nächstes Jahr öffentlich aufgelegt werden. Für die Bewohner ist klar: Im Rahmen des Sanierungsprojekts muss mehr getan werden, als bloss die alten Rohre zu ersetzen.

Der Verein Babel setzt sich schon seit Längerem für bessere Lärmschutzmassnahmen entlang der Basel- und Bernstrasse ein. Die meisten Wohnungen haben in den vergangenen Jahren zwar Lärmschutzfenster erhalten, dennoch gehört die Baselstrasse zu den lärmbelastetsten Strassenzügen des gesamten Kantons.

Gemäss dem kantonalen Lärmkataster ist die Mehrheit der rund 1000 dort ansässigen Bewohner tagtäglich Lärmbelastungen ausgesetzt, welche die Alarmwerte erreichen oder überschreiten.

Bei den dunkelrot eingefärbten Liegenschaften werden die Alarmwerte erreicht oder überschritten:

Bei praktisch allen Gebäuden entlang der Baselstrasse werden viel zu hohe Lärmbelastungen festgestellt. Quelle: geoportal.lu.ch

Forderung: Tempo 30 und «Flüsterbelag»

Für die Anwohner ist deshalb klar, dass der Ersatz der Werkleitungen mit einer Neugestaltung der Strasse einhergehen muss. «Der Vorstand hat sich darauf geeinigt, dass wir im Rahmen des Strassenprojekts Tempo 30 auf der Baselstrasse fordern werden», sagt Babel-Vereinspräsident Guerino Riva auf Anfrage. «Zusätzlich verlangen wir den bestmöglichen Flüsterbelag, um den Lärm an der Quelle zu reduzieren», sagt Riva weiter.

«Sollte Tempo 30 nicht Bestandteil des Projekts sein, das nächstes Jahr aufgelegt wird, wird der Verkehrs-Club Schweiz (VCS) gemeinsam mit Anwohnern für eine Temporeduktion kämpfen – notfalls auch mittels einer Einsprache», bestätigt Dominik Hertach, Geschäftsführer der Luzerner VCS-Sektion gegenüber zentralplus: «Für uns ist der Fall klar: Wird eine Strasse mitten durch dicht besiedeltes und von Lärm über dem Alarmwert betroffenes Wohngebiet saniert, ist die gleichzeitige Prüfung von Lärmschutzprojekten zwingend.» 

«Tatsache ist, dass im Kanton Luzern bis heute noch kein Meter Flüsterbelag verbaut wurde.»

Dominik Hertach, Geschäftsführer VCS Luzern

Einerseits sollte der Gesundheitschutz der Anwohner für die Behörden eine Selbstverständlichkeit sein, andererseits verlange das auch das Umweltschutzgesetz, so Hertach. Lärmarme Beläge und eine Temporeduktion müssten deshalb bei der Baselstrasse in jedem Fall ernsthaft geprüft werden, so Hertach weiter.

Plant der Kanton mit Lärmschutzmassnahmen?

Die Ankündigungen des VCS und des Vereins Babel legen nahe, dass die Prüfung und Umsetzung von Lärmschutzmassnahmen im Rahmen dieses Sanierungsprojektes alles andere als gegeben sind. Dominik Hertach schliesst zumindest nicht aus, dass der Kanton ohne Lärmschutzmassnahmen plant. «Tatsache ist, dass im Kanton Luzern bis heute noch kein Meter Flüsterbelag verbaut wurde, und es gab bisher keine Anzeichen, dass sich dies nun ändern soll.» Ebenso mache der Kanton bei der Umsetzung von Tempo 30 alles andere als vorwärts. Doch gerade Temporeduktionen wären als Massnahme für weniger Lärm und mehr Sicherheit verhältnismässig, zweckmässig und wirtschaftlich.

Fragen über den Stand des Projekts und ob Tempo 30 oder ein Flüsterbelag in den Plänen eine Rolle spielen werden, sind derzeit weder beim Kanton noch bei der Stadt wirklich willkommen. Da die Baselstrasse eine Kantonsstrasse ist, fällt sie grundsätzlich in die Zuständigkeit der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (VIF) des Kantons. «Das Strassenbauvorhaben befindet sich in der Vernehmlassung bei den kantonalen Dienststellen und bei der Stadt Luzern», heisst es dort auf Anfrage.

Die Rückmeldungen aus der Vernehmlassung würden danach durch die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Kanton ausgewertet. «Solange die Auswertung nicht abgeschlossen ist, können wir uns nicht im Detail äussern.» Die Auswertung solle voraussichtlich im ersten Quartal 2021 vorliegen.

Bekannte Spannungen wegen Bernstrasse

Die Baselstrasse ist zwar in der Zuständigkeit des Kantons, das städtische Tiefbauamt bearbeitet das Projekt jedoch im Auftrag des Kantons und den Werkleitungseigentümern. Fast wortgleich wie beim Kanton verweist man auch dort auf die laufende Vernehmlassung: «Solange die Auswertung nicht abgeschlossen ist, können wir uns im Detail nicht dazu äussern», sagt Projektleiter Stefan Huonder auf Anfrage.

Auch wenn Stadt und Kanton sich hier nicht in die Karten blicken lassen wollen: Es ist ein relativ schlecht gehütetes Geheimnis, dass die Basel- und in der Verlängerung auch die Bernstrasse für Spannungen zwischen Stadt und Kanton sorgen. So verlangt die Stadt etwa die umgehende Einführung von Tempo 30 auf der Bernstrasse, der Kanton will dies aber erst etwa in acht Jahren in Betracht ziehen (zentralplus berichtete).

Stadt will mehr Tempo 30, Kanton nur in Ausnahmefällen

Tatsache ist auch, dass die Stadt erst im vergangenen März ein Entwicklungskonzept für die Basel- und Bernstrasse veröffentlicht hat. Dieses zeigt auf, wie sich das Quartier Basel- und Bernstrasse in den nächsten rund 15 Jahren baulich und räumlich entwickeln soll. Eine Temporeduktion spielt in praktisch allen im Konzept enthaltenen Szenarien eine zentrale Rolle.

«Die zuständigen Fachstellen für das Entwicklungskonzept waren und sind im regelmässigen Austausch mit der Projektleitung Baselstrasse.»

Stefan Huonder, Tiefbauamt Stadt Luzern

Die fällige Sanierung der Baselstrasse bietet selbstredend die ideale Gelegenheit, um die gewünschten Veränderungen an der Strasse zu realisieren. Ob Aspekte aus dem Entwicklungskonzept in die Sanierungsplanung einfliessen, kann Stefan Huonder nicht bestätigen, sagt jedoch: «Die zuständigen Fachstellen für das Entwicklungskonzept waren und sind im regelmässigen Austausch mit der Projektleitung Baselstrasse.»

Tatsache ist aber auch, dass der Kanton Tempo 30 auf Kantonsstrassen erst seit kurzem überhaupt in Betracht zieht (zentralplus berichtete). Vor Festlegen von Tempo 30 sei jeweils durch ein Gutachten abzuklären, ob die Massnahme nötig, zweck- und verhältnismässig ist.

Auch der Touringclub der Schweiz (TCS) steht Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen skeptisch gegenüber. Im Gegensatz zu den Tempo-30-Zonen in den Quartieren würden Tempo-30-Strecken ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln (zentralplus berichtete).

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 450 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

3 Kommentare
  1. Janick, 08.12.2020, 14:19 Uhr

    Als Bewohner der Baselstrasse finde ich den Strassenlärm einfach nur schrecklich… Ins besondere im Sommer wenn man gerne etwas lüften will zum schlafen oder wenn es regnet auch bei geschlossenem Fenster, ist es kaum möglich den Lärm aus zu blenden. In zwischen sind wir uns allerdings gut gewöhnt an die Belastung. Dennoch habe ich in den letzten zwei Jahren bemerkt wie fest der dauernde Lärm an den Nerven zehrt. Besuche im nahegelegenen Gütschwald sind deshalb eine echte Wohltat. Leute welche in einer Wohnung leben, bei welcher Lärmschutz besteht und umgesetzt wird können sich kaum vorstellen wie es ist dauernd beschallt zu werden. Schlimm sind aber auch die elenden Tuner welche nach dem Kreuzstutz Kreisel ihre Höllenkarossen hochtourig und mit Auspuffknallen weit über das Tempolimit hinaus beschleunigen und so unsere alten Doppelglasfenster zum klirren bringen. Teils auch in tiefster Nacht.

    Der Untergrund ist wunderschön und muss so bleiben wie er ist. Tempo 30 und Flüsterbelag wäre allerdings eine unglaubliche Bereicherung an Lebensqualität für die Anwohner.

  2. ruedi fischer, 04.12.2020, 14:40 Uhr

    flüsterbelag wurde beim kantonsdpital luzern eingebaut. immer diese halb-warheiten. evtl meint der herr auf kantonsstrassen. aber egal……

  3. Erwin Lussi, 04.12.2020, 14:14 Uhr

    Zitat: Tatskache ist aber auch, dass der Kanton Tempo 30 auf Kantonsstrassen erst seit urzem

    Macht dem k doch bitte Beine damit es wandern kann…

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.