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«Enorme Sorgen»: Sparpaket bedroht das Sinfonieorchester
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Samt Banner protestierten die Musiker des LSO gegen die kantonalen Sparmassnahmen.  (Bild: Thomas Plain)

Protest-Flashmob gegen die Luzerner Sparpolitik «Enorme Sorgen»: Sparpaket bedroht das Sinfonieorchester

4 min Lesezeit 22.10.2016, 11:59 Uhr

Die Lehrer haben ihren Ärger schon kundgetan, nun steigt die Kultur auf die Barrikade: Das kantonale Sparpaket bedrohe das Luzerner Sinfonieorchester in seiner Existenz. Dagegen protestierte die Institution am Samstag mit einer speziellen Aktion.

Am Donnerstag war Saisonauftakt des Luzerner Sinfonieorchesters LSO. Und wer im KKL zugegen war, konnte sich über die Grande Dame Martha Argerich als Solistin freuen – und einen insgesamt beschwingten Abend, wie unser Rezensent befand (zentralplus berichtete).

Aber man sah eben auch dies: Wie Intendant Numa Bischof Ullmann wenig Erfreuliches verkündete. Die düsteren Luzerner Kantonsfinanzen holen auch den glitzernden Konzertsaal ein. Das kantonale Sparprogramm KP17 trifft nämlich nicht nur Lehrkräfte, Gemeinden, soziale Institutionen oder Staatsangestellte hart, nein, jetzt muss selbst die Hochkultur dran glauben.

Konkret treffen die Sparmassnahmen das Sinfonieorchester: Es soll jährlich eine halbe Million weniger kriegen – mit einschneidenden Folgen. Bischof verkündete also auf der KKL-Bühne vor dem schönen Sinfoniekonzert die harte Luzerner Budgetrealität. Er kündigte eine Kampagne an, die am Samstag starten würde und mit der man sich die Unterstützung der Luzerner Bevölkerung sichern will.

Stabile Rahmenbedingungen

Wie geheissen, so geschehen: Am Samstag um 11 Uhr versammelten sich auf der Luzerner Rathaustreppe die gesamte Führungsriege des LSO, Musiker und viele Beteiligte zu zu einer Aktion – bei schönem Wetter zwar, aber eisigen Temperaturen. Die Botschaft: Ein Spitzenorchester braucht stabile Rahmenbedingungen.

Hier die Aktion im Video:

 

«Das Orchester kann eine weitere Reduktion der staatlichen Beiträge nicht verkraften», teilt das LSO mit. Denn die Personalkosten des Luzerner Sinfonieorchesters mit rund 70 Stellen sind schon heute nicht gedeckt: Es fehlen jedes Jahr 3 Millionen Franken. Diese würde von privaten Spenden gedeckt, um die das Orchester mit grösstem Engagement kämpfe.

Nun könnte es bald düster aussehen: «Weil der Kanton sparen muss, droht die Unterdeckung der Personalkosten auf 3,5 Millionen Franken pro Jahr zu wachsen», so das LSO. Das Luzerner Sinfonieorchester werde es nicht schaffen, diese wachsende Lücke zu stopfen. «Die Eigenfinanzierung des Konzertbetriebs liegt schon bei über 65 Prozent, einem schweizerischen Spitzenwert», teilt das LSO mit. Das Orchester hat ein jährliches Budget von 14 Millionen Franken. 7 Millionen nimmt es zu gleichen Teilen aus privaten Beiträgen und Ticketverkäufen ein, 4 Millionen resultieren aus dem Engagement beim Luzerner Theater.

«Wir brauchen Unterstützung»

Intendant Numa Bischof Ullmann wählte drastische Worte: In seinem Aufruf sprach er von «enormen Sorgen um das Fortbestehen des Orchesters» – immerhin das älteste der Schweiz. So habe man entschieden, an die Öffentlichkeit zu gelangen: «Wir brauchen Unterstützung!», so Bischof Ullmann. «Die Musiker zeigen hier den Menschen dieser Stadt bei frierenden Temperaturen, wieso dieses Orchester so wichtig ist», so Bischof. Denn: «Wenn wir jetzt nicht darüber reden, gibt es vielleicht für die nächste Generation kein Orchester mehr.»

Fast wie an der Fasnacht: Am Samstag um 11 Uhr versammelte sich das LSO bei der Rathaustreppe zum Protestkonzert.  (Bild: Thomas Plain)

Fast wie an der Fasnacht: Am Samstag um 11 Uhr versammelte sich das LSO bei der Rathaustreppe zum Protestkonzert.  (Bild: Thomas Plain)

Die Musikerinnen und Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters kommen aus der ganzen Welt. «Sie haben sich für Luzern entschieden, und sie haben das Orchester in den letzten zehn Jahren in die erste Liga der Schweizer Sinfonieorchester gespielt», teilt das LSO mit.

Doch dieser Erfolg sei akut bedroht: «Dieses Engagement und diese Qualität, die immer wieder Auftritte mit Weltstars – zuletzt Martha Argerich – ermöglichen, brauchen stabile Rahmenbedingungen und ein klares Bekenntnis der öffentlichen Hand», so das LSO.

Für die Kampagne hat das LSO die neue Website www.ja-zum-sinfonieorchester.ch aufgeschaltet. Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland sprechen sich da für das Luzerner Sinfonieorchester aus – darunter auch Martha Argerich, die eben noch auf der KKL-Bühne stand. Aber auch Emil Steinberger, VBL-Direktor Norbert Schmassmann, CVP-Präsident Gerhard Pfister, Luzern-Tourismus-Chef Marcel Perren oder Alt-Stadtpräsident Stefan Roth.

1,2 Millionen Franken weniger pro Jahr

Im Rahmen ihres über 500 Millionen Franken schweren Sparpakets will die Luzerner Regierung auch ihre Beiträge an den Zweckverband Grosse Kulturbetriebe kürzen – betroffen wären Luzerner Theater, Sinfonieorchester, Kunstmuseum, Verkehrshaus und das Lucerne Festival.

Zurzeit erhalten diese Institutionen vom Kanton rund 20 Millionen Franken pro Jahr. Ab 2017 sollen es nach den Plänen des Kantons jährlich 1,2 Millionen Franken weniger sein. Ursprünglich wollte man die Beiträge sogar leicht ausbauen (zentralplus berichtete).

Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen, das Kantonsparlament wird im November und Dezember über das KP17 debattieren.

LSO-Intendant Numa Bischof Ullmann erklärt die Kampagne:

 

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