Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Endstation Klimaanlage: Der heisse Ritt mit den BLS aufs Land
  • Gesellschaft
  • Verkehr
Wer von Luzern mit dem Zug ins Hinterland fährt, muss an heissen Tagen mit einer schweisstreibenden Reise rechnen. (Bild: zvg)

BLS haben im Sommer Probleme mit den Zügen Endstation Klimaanlage: Der heisse Ritt mit den BLS aufs Land

5 min Lesezeit 1 Kommentar 16.07.2018, 16:09 Uhr

Das Wetter zeigt sich zurzeit von der schönsten Seite. Das bringt so manchen Pendler ins Schwitzen – denn nicht alle Klimaanlagen können der Hitze standhalten. Vor allem auf der Fahrt von Luzern ins Entlebuch und ins Hinterland rinnen in diesem Jahr die Schweissperlen. Bei den BLS zeigt man sich ziemlich ratlos.

Wenn die Sonne vom Himmel sengt, ist mancher Pendler froh, wenn der Zug einrollt und er einsteigen kann. Doch Züge bringen nicht immer die erhoffte Abkühlung. Wie kürzlich an einem überaus sonnigen Samstagnachmittag, als die Klimaanlage im Regionalexpress von Luzern nach Entlebuch und Schüpfheim ausfiel.

Da sassen die schwitzenden Passagiere im gutgefüllten Zug und stöhnten. Auf die Frage eines Reisenden, ob das öfters passiere, antwortete eine BLS-Angestellte vor Ort: Ja.

Sobald die Aussentemperatur 23 Grad übersteige, sei die Klimaanlage oft überfordert. Die offenen Worte erstaunten viele Passagiere. Das würde heissen, dass ein Ausfall der Klimaanlage zurzeit eher die Regel wäre denn eine Ausnahme. Denn das Thermometer übersteigt diesen Wert in den letzten Wochen sehr häufig – der Juni 2018 zählte gemäss SRF Meteo zu den zehn wärmsten seit Messbeginn, auch die Monate April und Mai waren überdurchschnittlich heiss, und der Juli scheint nahtlos daran anzuknüpfen.

Sitzen Reisende in 1. Klasse immer im Kühlen?

«Diese Aussage lässt sich nicht generell belegen», sagt Helene Soltermann, Mediensprecherin der BLS AG, angesprochen auf die vermeintlich kritische Schwelle von 23 Grad. Tatsächlich aber räumt sie ein, dass auf der Linie S6 – zwischen Luzern und Langnau sowie Luzern und Langenthal – im letzten halben Jahr vermehrt Ausfälle der sogenannten Kältegruppenumrichter festgestellt wurden. Diese sind für die Stromeinspeisung und damit für das Funktionieren der Klimaanlage verantwortlich. Betroffen sind Züge des Typs Nina. «Wir sind nun daran, dieser Ursache auf den Grund zu gehen und das Problem zu beheben», verspricht Soltermann.

Apropos: Gut, fahren BLS nicht nach Zug

Die BLS kämpfen zurzeit nicht nur mit Klimaanlagen, sondern mit erhitzten Gemütern der anderen Sorte. Seit kurzem ist nämlich ein Zug im Design des Schlittschuhklubs Bern (SCB) auf Schienen unterwegs – und zwar nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch auf der Strecke nach Biel und Langnau. Besonders den Seeländern, in der Regel Fans des EHC Biel, stösst der Konkurrenzzug sauer auf, wie zahlreiche Reaktionen belegen. Sogar der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr tat seinen Ärger auf Twitter kund:

 

Bereits nach wenigen Tagen wurde der Zug versprayt. Nur gut also, hat Luzern keinen Eishockeyclub in der höchsten Liga und die BLS AG keine Konzession für eine Strecke nach Zug.

Das heisst allerdings nicht, dass Pendler bis dahin in der Badehose in den Zug steigen müssen. Als kurzfristige Massnahme habe die BLS mehr Ersatzfilter bestellt, die für die Reparatur der Kältegruppenumrichter nötig sind, sagt Soltermann. «So haben wir genügend Ersatzmaterial auf Lager und können defekte Geräte zügig ersetzen.» Alle Züge der BLS im Kanton Luzern sind mit Klimaanlagen ausgerüstet.

Die BLS hat vor knapp drei Jahren die Zugmodelle auf den Strecken ins Entlebuch und ins Hinterland ersetzt. Liegt es an den neuen Zugtypen? Beim neuen Regioexpress-Zug «Lötschberger» hat es vor einiger Zeit tatsächlich ebenfalls Probleme gegeben mit der Klimaanlage, sagt Soltermann. Seit diesem Jahr bearbeitet BLS die defekten Teile deshalb gleich in den eigenen Werkstätten, sodass kaputte Klimaanlagen schneller repariert werden können. Die Kundenmeldungen seien entsprechend zurückgegangen.

Während die Passagiere in der 2. Klasse an besagtem Samstag schwitzten, genossen die Zugfahrer in der 1. Klasse eine entspannte Reise im gekühlten Waggon. Soltermann versichert aber, dass die Klimaanlage keinesfalls Klassenunterschiede mache. In beiden Klassen herrsche die gleiche Temperatur. Wie kühl es im Zug ist, hängt von der Aussentemperatur ab: Im Zug ist es jeweils drei bis vier Grad kühler als draussen. Ausser, es herrscht extreme Hitze: Denn über 30 Grad steigt die Temperatur im Zug nicht, egal, ob es draussen 34 oder 36 Grad ist. 

Gratissauna nach Feierabend gibt’s immer seltener

Wer aufs Land fährt, dürfte womöglich im Bus weniger ins Schwitzen kommen. Dass sich ein Bus in eine Sauna verwandelt, kommt tendenziell immer seltener vor. Denn die Unternehmen rüsten auf. Bei der Auto AG Rothenburg, deren Busse vorwiegend in Emmen ihre Runden drehen, kennt man das Problem von überhitzten Klimaanlagen gemäss eigenen Aussagen nicht mehr. 80 Prozent der Flotte seien in den letzten drei Jahren neu beschafft worden und entsprechend modern ausgerüstet, heisst es auf Anfrage.

Auch bei der Rottal Auto AG und der Postauto AG sind alle Busse auf den Luzerner Strecken klimatisiert, weshalb die bisherigen Hitzetage den Fahrzeugen nichts ausmachten. Bei beiden Unternehmen, die auf dem Luzerner Land zahlreiche Buslinien betreiben, werden die Busse konstant auf 22 Grad gekühlt. Erst ab 35 Grad Aussentemperatur könne es möglich sein, dass die Geräte nicht mehr die gesamte Leistung erbringen können, sagt Andreas Boppart, Leiter öffentlicher Verkehr bei der Rottal Auto AG.

Anders bei den städtischen Verkehrsbetrieben Luzern (VBL). Auf ihrem Netz verkehren zurzeit noch 13 Trolley- und 6 Autobusse ohne Klimaanlage. Zumindest für die Passagiere, denn die Fahrkabine wird aus Sicherheitsgründen gekühlt. Alle Fahrzeuge, die nach 2006 gekauft wurden, sind klimatisiert unterwegs, sagt Christian Zumsteg, Leiter Rollmaterial.

«Wir raten Fahrgästen, auf der Schattenseite zu sitzen.»

Helene Soltermann, Mediensprecherin BLS

Heiss wird es aber auch mal in einem modernen Bus. «An den ersten warmen Tagen im Jahr kann es vorkommen, dass Unstimmigkeiten bei Klimaanlagen auftreten, welche vorher nicht bemerkt wurden», sagt Zumsteg. Die Klimaanlagen würden aber regelmässig gewartet. Zumsteg bestätigt, dass die Temperatur für die Passagiere ein wichtiges Thema ist. «Rückmeldungen zur Temperatur im Bus erhalten wir deshalb regelmässig. Zu warm – zu kalt, beides kommt vor.»

Tipps für coole Reisen

Im eingangs erwähnten Zug empfahl die BLS-Kontrolleurin, in den hintersten Zugteil zu wechseln. Dort sei es kühler. Und was empfehlen die Unternehmen Gästen, die auf keinen Fall ins Schwitzen kommen wollen?

«Wir raten Fahrgästen, auf der Schattenseite zu sitzen», sagt Helene Soltermann, Mediensprecherin von BLS. «Und unserem Personal oder dem Kundendienst zu hohe oder zu tiefe Temperaturen auf Zügen zu melden.» Ähnlich lautet der Ratschlag von Andreas Boppart von der Rottal Auto AG. «Personen, welche es gerne kühl mögen, sollten auf Grund der Luftzirkulation im Gang sitzen. Hinter den Scheiben kann es aufgrund der Sonneneinstrahlung merklich wärmer sein.» Eher philosophisch als pragmatisch lautet der Tipp von Christian Zumsteg von den VBL: «Geniessen wir den Sommer – der Winter kommt schnell genug.»

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Hans Peter Weber, 17.07.2018, 16:12 Uhr

    Die Züge steht dann Nachts, mit laufender Klimaanlage, sehr laut mitten in der Neustadt Gleis 31 an der Bleicherstrasse. Wir versuchen seit Zwei Jahren die wegzubekommen, den die Zugkombinatinen der SBB sind ok. Die BLS ist zu keinen Kompromiss bereit.

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF