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Endlich wieder Messe in Zug. Doch: Wer hats eigentlich erfunden?
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Zuckerwatte darf auch an der Zuger Messe nicht fehlen. (Bild: Adobe Stock)

Am Samstag startet die grosse Herbstmesse Endlich wieder Messe in Zug. Doch: Wer hats eigentlich erfunden?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 18.10.2019, 15:03 Uhr

Die Zuger Messe lädt am Samstag zu ihrer 48. Ausgabe. So zumindest nach der offiziellen Zählung der Veranstalter. Doch ihre Geschichte reicht bedeutend weiter zurück. Schon vor über fünfhundert Jahren erhielt die Stadt Zug das Recht auf eine mehrtägige Messe im Herbst.

Die Zuger Messe ist heute der grösste regelmässig durchgeführte Anlass in Zug und eine der grössten Messen in der Innerschweiz. Die Zahl der Aussteller auf dem Gelände des Stierenmarkts hat sich in den letzten Jahren bei über 450, jene der Besucher bei gut 80’000 eingependelt. An der Zuger Messe präsentiert sich aber nicht nur das lokale Gewerbe. Dank ihren Attraktionen und gastronomischen Angeboten ist sie zu einem Volksfest geworden.

Die heutige Zuger Messe blickt unter dieser Bezeichnung auf eine bald fünfzigjährige ungebrochene Tradition zurück. Die Wurzeln gehen aber viel weiter zurück, nämlich auf die Zuger Herbst- und Wintermessen des Mittelalters.

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Der Anfang: König Maximilian schenkt den Zugern zwei Jahrmärkte

Schenkte den Zugern eine Herbstmesse: Maximilian, König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, im Porträt von Rubens (1772).

Der älteste Hinweis auf eine im Herbst stattfindende, mehrtägige Messe in Zug findet sich bereits im Jahr 1488, also vor über fünfhundert Jahren. Damals bestätigte Maximilian I (1459–1519), König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der Stadt Zug das Recht, alljährlich zwei Jahrmärkte in der Art einer Messe («in rechter freyer messen weyse») durchzuführen.

Maximilian gestand der Stadt Zug auch das Recht zu, für die an der Messe feilgebotenen Waren einen Zoll zu erheben, bei den Ausstellern ein Standgeld einzuziehen und bei «freveln oder úbergriff» selbst Strafen und Bussen auszusprechen.

16. Jahrhundert: Auswärtige Händler aus Cham und Glücksspiele

Seit dem 16. Jahrhundert taucht die herbstliche Zuger Messe in den Protokollen des Stadtrats von Zug immer öfter auf. Sie bildete eine Ergänzung zum regelmässigen Wochenmarkt, der jeweils am Dienstag in den Gassen und auf den Plätzen der Stadt stattfand.

Das könnte dann in etwa so ausgesehen haben wie am Mittelalterfest von Mitte September:

Im Unterschied zum Wochenmarkt war die Messe auch für auswärtige Händler zugänglich. Im Zusammenhang mit der Herbstmesse werden etwa Schlosser und Schmiede aus Baar, ein Seiler aus Menzingen, ein Zigerverkäufer aus Horgen, Kappenmacher aus Zofingen und Tuchhändler aus Savoyen und dem Aostatal erwähnt. Verschiedentlich bewilligte der Rat auch die Durchführung von Glücksspielen und Lotterien während der Messe.

Abnehmendes Interesse im 19. Jahrhundert

Die Zuger Herbstmesse fand bis ins 19. Jahrhundert regelmässig statt. Nach dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft (1798) veränderte sich die Marktszene aber. Während 1806 und 1807 noch über 100 Marktstände registriert wurden, waren es 1818 nur noch 33 Händler.

1962: Moderne Messe hat ihre Anfänge im Casino Zug

Es dauert eine Weile, bis 1962 erstmals die «Wintermesse» im Casino Zug durchgeführt wurde. Zu den Highlights des dreitägigen Anlasses gehörte schon damals eine Modeschau.

48. Zuger Messe auf dem Stierenmarktareal

Die Zuger Messe findet vom 19. bis zum 27. Oktober statt. Das sind die Öffnungszeiten:

  • Montag – Dienstag: 14 – 21 Uhr
  • Mittwoch – Freitag: 14 – 22 Uhr
  • Samstag: 10.30 – 22 Uhr
  • Sonntag: 10.30 – 18 Uhr

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: 14 Franken
  • Kinder bis 12 Jahre in Begleitung Erwachsener: Gratis
  • Jugendliche bis 16 Jahre, Lehrlinge, Studierende, AHV, IV: 12 Franken
  • Persönliche Dauerkarte für 9 Messetage: 36 Franken
  • Familienbillett (max. 2 Erwachsene, alle Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: 36 Franken

1972 wurde die Zuger Herbstmesse durch neue Organisatoren übernommen, auf das Bossard-Areal im Herti-Quartier verlegt und auf fünf Tage verlängert. 55 Aussteller, davon 12 auswärtige, boten ihre Waren und Dienstleistungen an; über 13’000 Besucher zählte die Messe. Im selben Jahr erfolgte die Gründung der «Herbstmesse Zug AG», der heutigen Messe Zug AG.

Der Lunapark folgte 1973

1973 wurde die Herbstmesse vorübergehend auf neun Tage verlängert und auf dem Areal des heutigen Hertizentrums, ergänzt um einen Luna-Park, durchgeführt. 83 Aussteller, rund die Hälfte davon auswärtige, zeigten ihr Angebot und erstmals wurde eine Messezeitung gedruckt.

Es folgte ein erneuter Einbruch der Beteiligung von Zuger Firmen in den kommenden Jahren. 1975 präsentierten am «Casinomärt» noch 30 Stadtzuger Detaillisten an einheitlichen Marktständen im Casino ihr Angebot.

1997 erhielt die Messe ihren heutigen Namen

Dieser «Herbstmarkt» wurde 1976 in die Herbstmesse, die jetzt erstmals auf dem Stierenmarkt-Areal stattfand, integriert. In den kommenden Jahren erlebte die Messe unter neuer Führung einen Aufschwung. 1978 wurden bereits wieder 100 Aussteller und über 20’000 Besucher gezählt und 1982 besuchten gar 37’000 Personen die Zuger Herbstmesse.

Im Herbst 1983 konnten die drei Messeorganisatoren Paul Dittli, Hans Langenegger und Fredy Weller die «Herbstmesse Zug AG» übernehmen. Sie entwickelten die Zuger Herbstmesse in den kommenden Jahren weiter. Die Zuger Herbstmesse zählte 1988 schon 280 Aussteller und über 60’000 Besucher. 1996 trat André Strickler seine Stelle als vollzeitlicher Messeleiter an und 1997 erhielt die Herbstmesse ihren heutigen Namen: «Zuger Messe».

Hinweis: Diese Chronik der Zuger Messe beruht auf einem Beitrag von Beat Dittli, Mitglied des Verwaltungsrats der Messe Zug AG.

Die Zuger Messe auf dem Stierenmarkt-Areal im Jahr 2007.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 19.10.2019, 01:38 Uhr

    Danke für den interessanten Abriss der Zuger Marktgeschichte! Bei der Lektüre musste ich jedoch konstatieren, dass ich mit 69 Altersjahren noch kein einziges Mal an einer Zuger Messe war. Warum wohl? Weil ich bereits alles Lebensnotwendige besitze, meine Konsumbedürfnisse unterentwickelt sind und ich meinen ökologischen Fussabdruck klein halten will. Leider verdient man mit Konsumverzicht keinen Nobelpreis, dafür aber eine Menge Zeit für Sinnvolleres.