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Ende des Tropenhauses: «Es ist für alle ein Schock»
  • Wirtschaft
Es ist wirklich sehr happig und für uns alle kein schöner Tag», sagt Pius Marti. (Bild: zvg)

Betrieb in Wolhusen wird im Sommer 19 eingestellt Ende des Tropenhauses: «Es ist für alle ein Schock»

3 min Lesezeit 26.09.2018, 14:51 Uhr

Das Tropenhaus Wolhusen stellt per Ende Juni 2019 seinen Betrieb ein. Die Mitarbeiter wurden diesen Mittwoch darüber informiert. Es sei für alle ein Schock gewesen, sagt Geschäftsführer Pius Marti. Und nennt in unserem Gespräch auch den Kaufpreis, den Coop für die Anlage verlangt.

«Es ist wirklich sehr happig und für uns alle kein schöner Tag», sagt Pius Marti, der Geschäftsführer des Tropenhauses Wolhusen. Seine Stimme klingt bedrückt. Er bestätigt, was diesen Mittwoch die Runde machte: «Wir planen, den Betrieb per Ende Juni 2019 einzustellen.»

Es scheitert an der gegenwärtigen Abwärmeversorgung

Als Hauptgrund nennt Marti, dass die Abwärmeversorgung nicht mehr in dem Masse funktioniere, wie man sich das vorgestellt habe. Das Tropenhaus nutzt die entstandene Abwärme der Gasverdichtungsstation Ruswil. Marti spricht von einer «Schicksalsfrage». «Wie die Abwärmeversorgung funktioniert, war nie plan- und berechenbar. Früher waren die Werte über Wochen und Monate hin stabil, nun ändert es von Tag zu Tag.»

Laut Marti habe man während der letzten drei Jahre realisiert, dass Ende des Jahres immer weniger Abwärme vorhanden sei. Nur noch 50 Prozent der benötigten Wärme konnte zuletzt so gewonnen werden. «Deshalb mussten wir immer mehr Ersatzwärme vom Wärmeverbundspartner Spital Wolhusen einkaufen.»

Doch der gegenwärtige Wärmeverbundsvertrag mit dem Spital laufe im September 2019 aus. Das Spital plant einen Neubau; dem Tropenhaus künftig zusätzliche Wärmekapazitäten abzugeben, sei nicht mehr vorgesehen. Zudem seien die internationalen Gasmärkte in den letzten Jahren volatiler geworden.

Neue und kostenreiche Wärmeversorgung – alles andere als nachhaltig

Die Konsequenz daraus: «Wir müssten massiv in eine eigene neue Wärmeversorgung investieren, die Rede ist von zwei, drei Millionen Franken», sagt Marti. Das Tropenhaus müsste zusätzliche Wärme produzieren, beispielsweise durch eine Holzschnitzelheizung. Dadurch würden neue Emissionen entstehen.

«Eine neue Holzschnitzelheizung würde dem ursprünglichen Nachhaltigkeitsgedanken des Tropenhauses und auch der Eignerin Coop nicht gerecht», sagt Marti. Und damit wäre der eigentliche Kern des Konzeptes des Tropenhauses Wolhusen nicht mehr gegeben. Dies liesse sich auch nicht mehr mit der Nachhaltigkeitsstrategie von Coop vereinen.

Geschäftsführer ist hin- und hergerissen

Momentan ist die Zukunft des Tropenhauses jedoch noch offen. Coop sei bereit, den Betrieb für einen Franken zu verkaufen. Es müsste allerdings jemand den Betrieb übernehmen, dem es egal wäre, diesen nicht mehr ökologisch führen zu können. Befürwortet dies der Geschäftsführer? «Ich bin selbst hin- und hergerissen», sagt Marti. «Es ist jedoch auch klar nicht in meinem Sinne, den Betrieb abzureissen und zurückzubauen – auch das ist nicht nachhaltig», stellt er klar.

Trotz allem: keine Begräbnisstimmung

Das Tropenhaus beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Diese seien am Mittwochmorgen über die geplante Schliessung informiert worden. «Es ist für alle ein Schock», sagt Marti. «Dennoch herrscht keine Begräbnisstimmung.» Er sei stolz, wie sein Team reagiere. Man möchte dem Tropenhaus einen würdevollen Abschied bieten, allen nochmals zeigen, was für ein toller Ort das Tropenhaus sei: «Wir wollen in fünf Jahren zurückblicken und stolz sein auf das Geleistete», sagt Marti.

Nun würden Erstgespräche mit allen Mitarbeitern stattfinden, gemeinsam mit der Personalabteilung von Coop. «Wir bieten Unterstützung, wo wir nur können», sagt Marti. «Gemeinsam mit Coop versuchen wir jeden Mitarbeiter innerhalb der Gruppe neu zu beschäftigen.»

Der Dschungel Luzerns: Das Tropenhaus in Wolhusen.

Der Dschungel Luzerns: Das Tropenhaus in Wolhusen.

(Bild: Facebook-Seite Tropenhaus Wolhusen)

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