Emmen will Tempo 30 am Sonnenplatz – und hofft auf den Kanton Luzern
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Die Gerliswilstrasse (links) und die Gersagstrasse: Geht es nach dem Emmer Gemeinderat, git hier künftig Tempo 30. (Bild: bic)

Zu grosse Lärmbelastung Emmen will Tempo 30 am Sonnenplatz – und hofft auf den Kanton Luzern

4 min Lesezeit 1 Kommentar 14.06.2021, 12:48 Uhr

Beim Sonnenplatz in Emmenbrücke ist eine neue Wohnüberbauung geplant. Das Problem: Vor allem entlang der Gerliswilstrasse werden die gesetzlichen Grenzwerte bei der Lärmbelastung nicht eingehalten. Die Gemeinde will deshalb, dass sowohl dort als auch auf der Gersagstrasse künftig Tempo 30 gilt. Dafür muss aber der Kanton mitmachen.

Emmen verändert sich rasant. Dies ist insofern wenig überraschend, als die zweitgrösste Luzerner Gemeinde einer der grossen Entwicklungsschwerpunkte des Kantons Luzern ist. Alleine rund um den Seetalplatz soll es in den kommenden Jahren 4000 neue Arbeits- und 1000 neue Studienplätze sowie gut 1500 neue Wohnungen geben. Ausserdem entsteht hier das grosse künftige Verwaltungsgebäude des Kantons.

Aber auch etwas weiter in Richtung Norden tut sich etwas. Genauer gesagt im Gebiet Sonnenplatz/Bahnhof Gersag. Auf dem Areal hinter dem Eckbau mit der UBS sollen gut 275 neue Wohnungen in der neuen Überbauung Sonne entstehen. Fürs Gewerbe und die Gastronomie sind 3500 Quadratmeter Erdgeschossfläche vorgesehen (zentralplus berichtete).

Strassenlärm überschreitet Grenzwert

Doch insbesondere für die Neubauten entlang der Gerliswilstrasse gibt es einige rechtliche Hürden, die überwunden werden müssen, bevor hier Wohnungen erstellt und bewohnt werden können. Das Problem: Die Grenzwerte betreffend Lärm werden hier aktuell überschritten und es kann (Stand heute) grundsätzlich keine Baubewilligung erteilt werden. Als beste Lösung erachtet der Emmer Gemeinderat deshalb die Einführung von Tempo 30 auf dem entsprechenden Abschnitt der Gerliswilstrasse sowie auf der Gersagstrasse zwischen Kreisel und SBB-Unterführung.

Auf der Gerliswilstrasse dürfte das Vorhaben vergleichsweise einfach umzusetzen sein, da sie im Besitz der Kommune ist. Allerdings hat sich der Einwohnerrat 2019 gegen die Prüfung einer 30er-Zone auf dem Abschnitt ausgesprochen. Dennoch hält die Gemeinderegierung nun im Mitwirkungsbericht zur Grossüberbauung fest: «Die Gersagstrasse wird im Abschnitt Unterführung SBB bis Sonnenplatz im Zuge des Bebauungsplans Sonne umgestaltet. Im vorliegenden Betriebs- und Gestaltungskonzept ist vorgesehen, dass auf diesem Abschnitt zukünftig Tempo 30 gilt.»

«Bei lärmarmen Belägen ist der Nutzen nicht so gross wie bei einer Reduktion auf Tempo 30.»

Josef Schmidli, Gemeinderat Emmen (CVP)

Dass Massnahmen im Bereich des motorisierten Individualverkehrs oft keine Begeisterungsstürme auslösen, ist hinlänglich bekannt. Was will der Gemeinderat also tun, damit es mit Tempo 30 auf der Gersagstrasse klappt? «Betreffend die Gersagstrasse wird die Gemeinde Emmen im Rahmen der Mitwirkung und der öffentlichen Auflage zum Strassenprojekt die Bevölkerung miteinbeziehen», schreibt der zuständige Gemeinderat Josef Schmidli (CVP) auf Anfrage. Dabei werde sich zeigen, wie die Bevölkerung auf diesem Strassenabschnitt zu Tempo 30 steht. Mehr kann Schmidli aktuell aber nicht sagen.

Hauptproblem Gerliswilstrasse: Was macht der Kanton?

Das Hauptproblem bezüglich Lärmbelastung liegt indes auf der Gerliswilstrasse vom Kreisel Sonnenplatz Richtung Sprengi. Das Ziel, hier eine Temporeduktion zu realisieren, ist aber insofern schwieriger zu erreichen, weil die Strasse im Besitz des Kantons ist. Dieser könnte letztlich auch darüber befinden, ob eine Wohnnutzung trotz der Überschreitung der Grenzwerte zulässig ist. Dazu kann er eine Ausnahmebewilligung erteilen, falls er keine Temporeduktion durchsetzen will. Und mit Plänen zur Senkung der Geschwindigkeit hat sich der Kanton in der Vergangenheit schwergetan. Auch wenn mittlerweile Schwung in die Sache gekommen ist (zentralplus berichtete).

«Für eine Ausnahmebewilligung muss dargelegt werden, dass bezüglich Ausrichtung und Stellung eines Gebäudes beziehungsweise der lärmempfindlichen Räume mehrere Varianten geprüft wurden, allgemein ein hohes Interesse an der Erstellung der Baute besteht (z. B. Verdichtung nach innen) und Lärmschutzmassnahmen an der Quelle vorgenommen wurden», so Gemeinderat Josef Schmidlli. Letzteres könne beispielsweise durch einen Flüsterbelag erreicht werden. Bei der neuen Überbauung seien diese zwei Anforderungen erfüllt.

In welche Richtung es gehen könnte und ob man die Lärmbelastung durch Tempo 30 tatsächlich mindern oder trotz zu viel Lärm eine Ausnahmebewilligung erteilen möchte, wird auf Anfrage beim Kanton noch nicht klar. «Aktuell erarbeitet der Kanton ein Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Gerliswilstrasse. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Gemeinde», schreibt Judith Setz, stellvertretende Kommunikationschefin beim Bau-, Wirtschafts- und Umweltdepartement. Und weiter: «Im Zuge dieser Erarbeitung werden verschiedene Varianten geprüft. Der Kanton und die Gemeinde werden nach Vorliegen der Ergebnisse entsprechend informieren.»

Die geplante Überbauung «Sonne» (links die S-Bahn-Haltestelle Gersag): Für das Grossprojekt soll das Temporegime angepasst werden.

Gemeinderat pocht auf Tempo 30 auf Gerliswilstrasse

Will heissen: Der Gemeinde Emmen bleibt nur die Option, sich beim Kanton dafür einzusetzen, dass die künftigen Bewohnerinnen der Überbauung Sonne nicht zu viel Lärm ausgesetzt sind, sollte der Kanton das heutige Temporegime aufrechterhalten und eine Ausnahmebewilligung für den Bau von Wohnungen entlang der Gerliswilstrasse erteilen.

Gemeinderat Schmidli betont, dass man dies ganz sicher tun werde. «Bei lärmarmen Belägen ist der Nutzen nicht so gross wie bei einer Reduktion auf Tempo 30», führt er aus. Hinzu kämen weitere Vorteile wie die Erhöhung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, eine Verbesserung des Verkehrsflusses, eine verbesserte Strassenraumgestaltung und somit eine gesteigerte Aufenthaltsqualität sowie eine Erhöhung der Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner. Man darf also gespannt sein, ob Kanton und Gemeinde eine für beide Seiten befriedigende Lösung finden.

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1 Kommentare
  1. Müller, 15.06.2021, 07:40 Uhr

    und alle glaubten dazumal ja wen die Autobahn kommt dann ist es ruhiger heute ist es genauso wie vor der Autobahn, es wurde verschlafen rechtzeitig eine Umfahrung in Griff zu nehmen , auch in Emmen wurde die Umfahrung bist heute nicht gebaut,, und nun noch 250 Wohnungen und noch Viscosi Stadt obwohl die Bevölkerung Sagte jetzt ist genug es muss der hinterletzte Grüne Fleck verbaut werden,, wo sind all die Bauernhöfe geblieben,

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