Emmen wehrt sich gegen Umfahrungspläne
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Soll die Seetalstrasse aufgewertet oder umfahren werden? (Bild: bic)

Seetalstrasse soll stattdessen aufgewertet werden Emmen wehrt sich gegen Umfahrungspläne

3 min Lesezeit 1 Kommentar 30.03.2021, 19:15 Uhr

Ein aussergewöhnlich breit abgestützter Vorstoss im Emmer Einwohnerrat verlangt, dass sich der Gemeinderat entschieden gegen eine Umfahrung von Emmen Dorf wehrt. Der erfolgreiche Kampf gegen die Spange Nord in der Stadt Luzern soll als Vorbild dienen.

Sie zählt zu den am dichtesten befahrenen Strassen des Kantons: die Seetalstrasse. Demnächst will der Kanton einen Grundsatzentscheid über ihre Zukunft fällen. Entweder die Strasse wird aufgewertet oder man versucht, sie mittels einer Umfahrungsstrasse zu entlasten.

Im Rahmen des kantonalen Bauprogramms standen ursprünglich eine ganze Reihe von Aufwertungs- und Umfahrungsplänen zur Diskussion (zentralplus berichtete). Mittlerweile sind noch vier Varianten im Rennen. Zwei sehen eine Aufwertung der Seetalstrasse vor, zwei eine nördliche Umfahrung von Emmen Dorf.

Zersiedelung und Mehrverkehr befürchtet

Gegen die Idee einer nördlichen Umfahrung von Emmen Dorf wehrte sich aber schon früh die SVP. Sie befürchtet, dass eine solche Umfahrung zu einer weiteren Zersiedelung des Gebiets führen würde (zentralplus berichtete).

So sehen die Pläne für eine Nordumfahrung von Emmen Dorf aus:

Die möglichen Nordumfahrungen sind grün eingezeichnet.

Das war vor über einem Jahr. Mittlerweile hat die SVP im Einwohnerrat massiven Rückenwind bekommen. 30 von 40 Einwohnerräten, quer durch das Parteispektrum, haben ein kürzlich eingereichtes Postulat unterschrieben, das auf den Verzicht einer Umfahrung pocht. Stattdessen soll sich der Gemeinderat gegenüber dem Kanton für eine Aufwertung der Seetalstrasse durch ein sogenanntes Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) starkmachen.

Die Postulanten zählen mehrere Argumente gegen eine Nordumfahrung auf. Dazu gehören folgende:

  • Die Umfahrungsvarianten seien mit geschätzten 60-90 Millionen Franken deutlich teurer als die BGK-Varianten (ab 20 Millionen).
  • Eine Umfahrung würde zu einem massiven Verlust an Kulturland und Fruchtfolgeflächen führen, die Landschaft weiter zerstückeln und Landwirtschaftsbetriebe beeinträchtigen.
  • Eine Umfahrung würde die Lärmbelastung nördlich von Emmen Dorf massiv erhöhen, wodurch die dortige Bevölkerung auf beiden Seiten durch Strassenlärm belastet würde.
  • Der Bau einer neuen Umfahrungsstrasse würde dazu führen, dass die Durchfahrt durch Emmen attraktiver wird und der Verkehr gesamthaft zunimmt. Insbesondere der Durchgangsverkehr und der Ausweichverkehr von der A14 würde noch stärker zunehmen.
  • Durch die Verkehrszunahme und den Umweg über die Umfahrung würden die Verkehrs-Emissionen wie Lärm, Abgase, Feinstaub, Energieverbrauch, CO2-Ausstoss etc. steigen.
  • Mit einer Umfahrung würden auch die Geschäfte in Emmen Dorf umfahren und müssten einen erheblichen Kunden- und Umsatzrückgang befürchten.

Mitten in der heissen Phase

Die Postulanten verweisen auf die Tatsache, dass sich der Kanton in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Emmen in der dritten und letzten Phase der «Zweckmässigkeitsbeurteilung» befinde. Eine der vier noch bestehenden Varianten soll als «Bestvariante» bestimmt und danach weiter verfolgt werden. Mit anderen Worten: Man befindet sich in der heissen Phase.

Das letzte Wort in dieser Sache hat der Kanton – die Seetalstrasse ist eine Kantonsstrasse. Es sei ein politischer Entscheid, schreiben die Postulanten: «Dieser wird zwar durch den Kanton getroffen – die Haltung der Gemeinde Emmen hat dabei aber ein grosses Gewicht.» Wie schwer dieses Gewicht wiegen kann, habe man zuletzt in der Stadt Luzern beobachten können. «Die Erfahrung mit der ‹Spange Nord› in Luzern zeigt, dass der Kanton einen Entscheid von solch grosser Tragweite kaum gegen den Willen der betroffenen Gemeinde durchsetzen kann und will», heisst es im Postulat weiter.

Nun also wird der Gemeinderat aufgefordert, sich für einen Verzicht auf die Umfahrung Emmens einzusetzen. Angesichts der aussergewöhnlich breiten politischen Front der Unterzeichnenden dürfte die Überweisung des Postulates reine Formsache sein. Welchen Einfluss diese Entwicklung auf den Entscheidungsprozess des Kantons haben wird, bleibt abzuwarten.

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1 Kommentare
  1. Joerg, 30.03.2021, 19:22 Uhr

    in Littau wartet man seit Jahren getan wird nichts, in Emmen am besten ein Tunnel unten durch und vor Emmen center wider zum Vorschein, die Buslinie 5 nach Emmen Coop, man könnte noch viel ein Lastwagenverbot,

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