Emmen geht mit «Fake-Eulen» gegen Krähen vor
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Die Eulen-Attrappe soll die lästigen Saatkrähen vertreiben. (Bild: zvg)

Intelligente Tiere könnten sich dran gewöhnen Emmen geht mit «Fake-Eulen» gegen Krähen vor

3 min Lesezeit 18.03.2021, 14:54 Uhr

Im Herdschwandwald verärgert eine Krähenplage zahlreiche Anwohner. Die Gemeinde Emmen hat nun auf unkonventionelle Weise reagiert – und zieht ein positives Zwischenfazit. Wie lange der Erfolg anhält, ist indes ungewiss.

Die rabenschwarze Saatkrähe hat nicht den besten Ruf. Und ist vielerorts auch nicht gerade gern gesehen. Sie krächze lauthals, reisse Abfallsäcke auf und verschmutze Trottoirs, Häuser und Autos: Den Anwohnern am Herdschwandwald in Emmen machen die Vögel derzeit mächtig Ärger.

Deshalb ist nun die Gemeinde aktiv geworden: Mit Uhu-Attrappen und mithilfe von Passanten sollen die gefiederten Unruhestifter vertrieben werden, schreibt sie im aktuellen «Emmenmail».

Täuschungsmanöver soll für Ruhe sorgen

Mitte Februar hat der Werkdienst deshalb hoch oben in den Bäumen des Waldstücks vier Uhu-Attrappen aufgestellt. Denn die grösste europäische Eule ist der natürliche Fressfeind der Krähen. An den Attrappen hängt eine Schnur, mit der Passanten die Plastikflügel der «Fake-Eule» bewegen können.

«Erste Erfahrungen zeigen, dass die Attrappen ihre Wirkung nicht verfehlen.»

Philipp Bucher, Gemeinde Emmen

Die Krähen glauben, den leibhaftigen Feind zu erkennen, und ziehen von dannen. Dieses Täuschungsmanöver soll die Krähen vertreiben – und ist nicht in Emmen erfunden worden. Andere Städte, beispielsweise Bern, setzen seit Jahren auf diese Strategie.

«Erste Erfahrungen zeigen, dass die Attrappen ihre Wirkung nicht verfehlen», sagt Philipp Bucher von der Gemeinde Emmen. Die Spaziergänger und die Bevölkerung würden die falschen Eulen allem Anschein nach fleissig in Bewegung halten.

Saatkrähen nisten oft in Wohnquartieren oder Parks – und sind nicht überall gern gesehen.

«Im Vergleich zum letzten Jahr nisten heuer deutlich weniger Krähen im Herdschwandwald», so Bucher weiter. Genau beziffern könne man dies jedoch nicht. Sporadische Kontrollgänge zeigten aber, dass tagsüber kaum mehr Saatkrähen wahrnehmbar seien. «Wir ziehen ein äusserst positives erstes Zwischenfazit.»

Sind die Krähen zu intelligent?

Ob dieses Mittel die hoch sozialen und überaus intelligenten Vögel tatsächlich auch im Herdschwandwald nachhaltig abzuschrecken vermöge, bleibe indes abzuwarten, heisst es aus der Gemeinde Emmen.

«Aufgrund des Gewöhnungseffekts dürfte die Wirkungsdauer von Uhu-Attrappen relativ beschränkt sein.» 

Martina Schybli, Vogelwarte

Bei der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach ist man diesbezüglich eher skeptisch. «In Deutschland und Luxemburg sollen Uhu-Attrappen kurzfristig Erfolg ermöglicht haben», sagt Mediensprecherin Martina Schybli. «Aber aufgrund des Gewöhnungseffekts dürfte die Wirkungsdauer von Uhu-Attrappen relativ beschränkt sein.» 

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Denn Saatkrähen sind sehr intelligente Tiere. «Sie durchschauen akustische und optische Vergrämungsmassnahmen rasch», sagt Schybli. Entsprechend schwer lassen sie sich von angestammten Kolonien vertreiben.

Nicht alle ärgern sich über Saatkrähen

Eine Alternative zu finden ist allerdings nicht so einfach. Wo man die Saatkrähen vertreibe, verlagere sich das Problem meist nur in eine benachbarte Region, sagt Martina Schybli von der Vogelwarte. «Es gibt grundsätzlich kein Patentrezept.»

Wichtig sei, dass Eingriffe sorgfältig geprüft und aus Tier- und Vogelschutzgründen vor der Schonzeit abgeschlossen würden. Diese beginnt Mitte Februar und dauert bis Ende Juli. Schybli rät, zunächst abzuklären, wie gross der Konflikt tatsächlich ist, und Verständnis für die Vogelart und ihre Lebensweise zu wecken. Denn nicht alle stören sich am schwarzen Vogel. «Es gibt auch viele Leute, die sich an Saatkrähen erfreuen und gerne deren spannendes Verhalten beobachten.»

Schybli gibt überdies zu bedenken, dass der schlechte Ruf der Saatkrähe wohl auch etwas ungerecht sei. «Das Aufpicken von Abfallsäcken dürfte eher auf das Konto von Rabenkrähen gehen. Saatkrähen suchen ihre Nahrung in der Regel ausserhalb des Siedlungsraums.» Nur werden die beiden Krähenarten häufig miteinander verwechselt. «Für eine sachdienliche Diskussion und Konfliktbehandlung ist es daher wichtig, dass die Arten eindeutig bestimmt werden», so die Mediensprecherin.

Das erste Fazit zu den «Fake-Uhus» in Emmen fällt positiv aus.

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