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Eltern, die Dolmetscher brauchen, sollen diese selbst bezahlen
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Am meisten werden Dolmetscher für die Sprachen Portugiesisch, Tamilisch und Englisch eingesetzt. (Bild: Montage: ewy )

So will die Zuger SVP die Integration vorantreiben Eltern, die Dolmetscher brauchen, sollen diese selbst bezahlen

3 min Lesezeit 26.06.2019, 06:11 Uhr

Wenn Eltern für das Gespräch mit einer Lehrperson einen Dolmetscher benötigen, sollen sie diesen zukünftig selbst bezahlen. Dies fordert die Zuger SVP. Während Kantonsrat Thomas Werner die Idee seiner Partei vertritt, äussert SP-Kantonsrat Zari Dzaferi Kritik am Vorstoss.

An Schulen werden in der Regel einmal jährlich persönliche Elterngespräche durchgeführt. Einige Familien benötigen dazu einen Dolmetscher. Bis anhin kommen dafür die Gemeinden auf. Die SVP fordert aber den Regierungsrat dazu auf, die Verordnung zum Schulgesetz dahingehend anzupassen.

Für Dolmetscher- und Übersetzerkosten sollen von den Erziehungsberechtigten Elternbeiträge erhoben werden können. «Es geht uns nicht ums Geld», sagt SVP-Kantonsrat Thomas Werner.

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Eigenen Integrationswillen aktivieren

Es gehe darum, dass der Kanton Zug einen sehr hohen Ausländeranteil habe und sehr viel biete, um die Integration zu erleichtern. «Wir wollen aber den eigenen Integrationswillen bei den Leuten aktivieren», so Werner. Das funktioniere am besten, wenn man eben nicht alles auf dem Silbertablett serviere.

Das Thema war auch Teil einer Interpellation der SVP auf kommunaler Ebene in Unterägeri und in weiteren Gemeinden. Die Statistiken, die der Gemeinderat in Unterägeri zur Beantwortung der Anfrage nutzte, zeigen laut Werner, dass zu wenig Integrationswille vorhanden sei.

Dolmetscher werden wiederholt gebraucht

Die meisten Dolmetscher werden nämlich in den Sprachen Tamilisch, Portugiesisch und Englisch gebraucht. «Leute aus entsprechenden Ländern sind nicht fluchtartig in die Schweiz gekommen und oft schon lange hier», sagt der SVP-Kantonsrat.

Thomas Werner, SVP Kanton Zug

Thomas Werner, SVP Kanton Zug

(Bild: zvg)

Aus diesem Grund sei es besonders sinnvoll, diejenigen Eltern dafür zahlen zu lassen, die wiederholt einen Dolmetscher brauchen. «Ob die Eltern ab dem zweiten, dritten oder vierten Mal in Wiederholung selbst zahlen sollen, überlasse ich der Gemeinde», so Werner. Aber es gehe eben um diese Eltern, die seit Jahren hier leben und trotzdem noch kein Deutsch sprechen.

Der Kanton hat nur Zahlen zu kantonalen Schulen. Von diesen greift lediglich das Amt für Brückenangebote auf Übersetzer zurück. Weder an den Kantonsschulen noch an der Wirtschafts- oder Fachmittelschule wurden solche Dienste genutzt. In Unterägeri wurden im letzten Jahr 40 Dolmetscherdienste in Anspruch genommen. Das kostete rund 4’000 Franken.

Appell an die Eigenverantwortung

«Die SVP appelliert damit an die Eigenverantwortung, dies ist per se nicht schlecht», sagt SP-Kantonsrat Zari Dzaferi. Gleichzeitig müsse man aber bedenken, wie wichtig es bei der Schulbildung sei, dass Schule und Elternhaus am selben Strick ziehen.

Deshalb müsse man klar miteinander kommunizieren können. «Wie ich höre, machen die Schulen gute Erfahrungen, wenn sie Dolmetscher einsetzen», sagt Dzaferi. Er ist deshalb nicht überzeugt von diesem Vorstoss.

Rüffel von der Rechten

Er stört sich besonders daran, dass die SP-Fraktion nicht selten einen Rüffel von der SVP erhalte. Seit Jahren setze sich die SP dafür ein, dass Zugezogene schnellstmöglich die Sprache und die hiesige Kultur lernen.

Dies sei jedoch nicht Aufgabe des Staates und die Menschen sollten mehr Eigenverantwortung beim Erwerb der Landessprache übernehmen, werfe ihnen die SVP vor. «Die gleiche Partei beschwert sich nun über Dolmetscherdienste. Das finde ich etwas kontrovers», so der SP-Kantonsrat.

«Einige müssen nicht Deutsch sprechen, weil in ihrem Umfeld fast niemand Deutsch spricht.»

Zari Dzaferi, SP-Kantonsrat

Dzaferi vermutet aber in Hinblick auf die Wahlen im Herbst auch strategische Gründe für den Vorstoss der SVP. Es sei zu bedenken, dass 2019 ein nationales Wahljahr ist und die Ausländerpolitik zugunsten der Klimathematik in den Hintergrund gerückt sei.

«Mit solchen Vorstössen möchte man natürlich gezielt auch wieder das Ausländerthema in den Vordergrund rücken», so Dzaferi. Das gleiche Thema wurde auch in Form einer Anfrage an den Baarer Gemeinderat gerichtet und sei durch Leserbriefe «medial» aufgebaut worden.

Zari Dzaferi ist Gemeinderat von Baar – als mazedonischstämmiger Secondo.

Zari Dzaferi ist Gemeinderat von Baar – als mazedonischstämmiger Secondo.

(Bild: Piripixx)

Trotz allem, Dzaferi sieht auch gutes in dem Vorstoss, er werde eine spannende Diskussion anregen. «Ich persönlich werde den Vorstoss überweisen, weil mich auch die Haltung des Regierungsrats sowie der anderen Parteien interessiert.»

Der Vorstoss wird am Donnerstag im Kantonsrat behandelt. Dann wird sich herausstellen, ob der Rest des kantonalen Parlaments das Postulat genau wie Dzaferi und Werner ebenfalls überweisen wollen.

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