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Elektrovelos sollen in Mosambik Leben retten
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Nadine Strittmatter und Johnny Burn demonstrieren die E-Bike-Ambulanz. (Bild: Renato Regli)

Zentralschweizer Power für erste E-Bike-Ambulanz Elektrovelos sollen in Mosambik Leben retten

3 min Lesezeit 26.10.2017, 19:08 Uhr

Ab nächstem Jahr sollen in Mosambik Velos mit Elektromotoren die Gesundheitsversorgung verbessern. Das Luzerner Hilfswerk Solidarmed spannt dafür mit einem Zentralschweizer Motorenhersteller zusammen. Auch Prominente setzen sich ein.

Die Hilfsorganisation Solidarmed präsentierte am Donnerstag auf dem Mühlenplatz in Luzern bei bestem Wetter ihr neustes Projekt. Mit dabei zwei prominente Botschafter der Organisation: der Luzerner Komiker und Tuk-Tuk-Fahrer Johnny Burn und das Schweizer Topmodel Nadine Strittmatter.

Die Organisation betreibt seit zehn Jahren in verschiedenen Ländern im südlichen Afrika eine sogenannte «Veloambulanz». Damit werden Patienten auf speziellen Anhängern von weit weg in die wenigen Spitäler gefahren. Um die Versorgung zu verbessern, sollen die Velos nun zu E-Bikes aufgerüstet werden. «Für den Projektstart brauchen wir in den nächsten 60 Tagen 20’000 Franken», sagt Gross. Gesammelt wird das Geld durch ein Crowdfunding.

Extrem hohe Leistung

Von der Kraft der Elektromotoren konnte sich Topmodel Nadine Strittmatter vor Ort gleich selber überzeugen. Locker chauffierte sie Johnny Burn mitsamt dessen Sohn die Museggstrasse hinauf. Dies erstaunt nur auf den ersten Blick. «Unsere Elektromotoren haben die Kraft eines Veloprofis», sagt Jean-Paul Slenter, Leiter des Testzentrums von Maxon. Das Sachsler Unternehmen beteiligt sich mit den Motoren am Projekt.

«Was auf dem Mars funktionierte, sollte eigentlich auch in Afrika klappen.»

Benji Gross, SolidarMed

Strittmatter, die in Mosambik selber einen Augenschein nehmen konnte, ist vom enormen Potenzial der E-Bikes überzeugt. Darum engagiert sie sich zusammen mit anderen Prominenten wie Moderator Nik Hartmann und Mountainbike-Olympiasieger Nino Schurter als Botschafterin.

«Momentan muss die Veloambulanz in Mosambik Patienten mit herkömmlichen Velos transportieren. Nicht selten müssen dabei Distanzen bis 100 Kilometer zurückgelegt werden. Durch die Unterstützung des Elektromotors dauert der Weg ins Spital viel weniger lang», sagt sie.

Erste E-Bike-Ambulanz der Welt

Für die Umsetzung des Projekts möchte SolidarMed in Afrika eng mit regionalen Anbietern qualitativ hochwertiger Velos zusammenarbeiten. Die Produktion der neuen E-Bikes findet in Lusaka, Sambia, statt. «Durch die Zusammenarbeit zwischen einem Schweizer E-Bike-Spezialisten mit einem afrikanischen Velohersteller kommen die Erfahrung mit Elektroantrieben und das Wissen über die Robustheit afrikatauglicher Fahrräder zusammen», schreibt SolidarMed. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Bewältigung der Bikes von «Dust-Roads» (Schotterstrassen) gelegt. Weiter sollen die Fahrräder preislich erschwinglich und wartungsarm sein. Es würde die erste E-Bike-Ambulanz der Welt entstehen. Ziel der Organisation ist es, dass die E-Bike-Ambulanz langfristig im Gesundheitssystem Mosambiks integriert werden kann.

«Der Faktor Zeit ist in Afrika insbesondere für Schwangere sehr wichtig», so Strittmatter. Tatsächlich stirbt laut SolidarMed im abgelegenen Norden Mosambiks jeden zweiten Tag eine Frau an Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt.

Zentralschweizer Technikunternehmen als Partner

«Die Schweiz ist in den letzten Jahren zu einem E-Bike-Land geworden», sagt Benji Gross. «Hierzulande gibt es heute viele verschiedene Modelle und Entwickler und das Know-how und die Technologie entwickeln sich rasch weiter. Deshalb sind wir auf diese Projektidee gestossen», argumentiert er.

Gross zeigt sich sehr erfreut, dass man mit der Elektrovelofirma «Maxon Bike Drive» aus Sachseln einen Partner gefunden hat. Maxon wurde unter anderem durch ihr Engagement in der Raumfahrt bekannt. Maxon-Motoren haben bereits einem Marsroboter die nötige Mobilität verliehen. Nun soll die Technologie Menschen im südlichen Afrika zugute kommen. «Wir haben uns gedacht, was auf dem Mars funktionierte, sollte eigentlich auch in Afrika klappen», so Gross.

Velos werden vor Ort umgerüstet

Kern des Projekts der beiden Partner ist die Umrüstung der vor Ort bereits vorhandenen Velos der von SolidarMed vor zehn Jahren ins Leben gerufenen «Veloambulanz». «Da es insbesondere im Norden Mosambiks kaum Autos und entsprechende Strassen gibt, sind wir der Meinung, dass das Velo für viele Menschen die beste Art der Fortbewegung ist», sagt Benji Gross. Hinzu komme die Umweltfreundlichkeit. Deshalb seien im südlichen Afrika bereits viele Velos im Einsatz, führt er aus.

Die bisherige Veloambulanz im Einsatz.

Die bisherige Veloambulanz im Einsatz.

(Bild: Martin Walser)

Die Veloakkus werden mit Solarenergie aufgeladen. «Wenn es in Afrika von etwas sicher genug gibt, dann ist dies Sonne», sagt Gross. Folglich haben E-Bikes gegenüber Autos und Motorrädern einen klaren Vorteil.

Vorerst nur Testphase

In einem ersten Schritt sollen im nächsten Jahr von Maxon in Mosambik zwei Velos aufgerüstet und ab November 2018 getestet werden. «Es ist uns wichtig, das E-Bike vor Ort ausgiebig zu testen», sagt Benji Gross. «Dies haben wir bereits in der ersten Phase der Veloambulanz so gemacht. Es macht keinen Sinn, 200 E-Bikes auf einen Schlag zu verschiffen, ohne zu wissen, ob die Idee überhaupt so umgesetzt werden kann, wie wir uns das erhoffen», so Gross.

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