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Elektronische Busspur: Wunderwaffe gegen Stau?
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Spitalstrasse beim Schulhaus St. Karli: Vor dieser Ampel wird der vom Spital her auf der Gegenfahrbahn runterfahrende Bus wieder einscheren. (Bild: bra)

Neues Projekt für Luzerner Spitalstrasse Elektronische Busspur: Wunderwaffe gegen Stau?

5 min Lesezeit 2 Kommentare 05.01.2016, 10:58 Uhr

Stau an der Spitalstrasse ist längst Alltag. Das will der Stadtrat ändern – zugunsten der Busse, zulasten der Autofahrer. Unter anderem mit einem in der Schweiz bislang kaum erprobten System. Und: Für seine ÖV-Besucher greift auch das Kantonsspital ins Portemonnaie.

Wer zu Stosszeiten schon mal auf der Spitalstrasse zwischen Kreisel Kreuzstutz und Schlossberg unterwegs war, kennt das Problem: Stau, Stau, Stau. Egal ob VBL-Bus, Privat- oder Geschäftsauto – alles stockt. 11’000 Fahrzeuge fahren da täglich durch. Jetzt will der Stadtrat dort wenigstens den Busverkehr wieder in die Gänge bringen. Denn dieser steht mitsamt den Hunderten Passagieren oft bis zu zehn Minuten im Stau. Und dies allein auf dem 400 Meter langen Abschnitt Trüllhofstrasse bis St. Karli. Mit einem für die Innerschweiz fast noch unerprobten System soll sich diese Wartezeit «auf wenige Minuten» verkürzen, wie der Stadtrat im Bericht und Antrag an das Stadtparlament schreibt.

Elektronische Busspur als Neuheit

Konkret will der Stadtrat auf dem oben erwähnten Abschnitt in Richtung Kreuzstutz/Baselstrasse eine sogenannte elektronische Busspur realisieren. Ein Novum in Luzern und auch schweizweit eine Seltenheit.

Die elektronische Busspur funktioniert so:

− 18 Uhr, wir befinden uns im Bus auf der Spitalstrasse Richtung Kreisel Kreuzstutz. Nichts geht mehr, alles steht still. Bereits geht der Rückstau ab dem Kreisel über den Bereich St. Karli-Schulhaus hinaus.

− Nun darf der Buschauffeur per Knopfdruck die elektronische Busspur auslösen. Damit bewirkt er, dass auf dem Bereich Trüllhofstrasse bis St. Karli alle Ampeln auf rot gestellt werden – auch für den Gegenverkehr. Diese Rotphase dauert 70 Sekunden. Mit der Folge, dass sich die Gegenfahrbahn entleert.

Auf dem rot markierten Abschnitt soll die elektronische Busspur zum Einsatz kommen.

Auf dem rot markierten Abschnitt soll die elektronische Busspur zum Einsatz kommen.

(Bild: google.maps)

− Nun kann der Bus auf die linke Gegenfahrbahn wechseln, den Stau überholen und vorne beim St. Karli wieder auf die rechte Fahrbahn einfädeln. Das spart Zeit und Nerven. Zumindest für die Buspassagiere. Alle anderen kostet es Zeit und Nerven. Wobei das nicht ganz richtig ist: Für die Velofahrer gibt’s eine separate Velospur, teils muss dafür an einzelnen Stellen das Trottoir schmäler gemacht werden.

 

Hier kommt der Bus nach dem Einfädeln bei der Ampel wieder zu stehen.

Hier kommt der Bus nach dem Einfädeln bei der Ampel wieder zu stehen.

Gesamtkosten für den insgesamt 600 Meter langen Perimeter: 3,1 Millionen Franken. Ab diesem Sommer soll das Projekt umgesetzt werden. Sofern das Parlament dem Kredit zustimmt. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht, schliesslich haben schon fast alle Parteien ausser der SVP Verbesserungen für den ÖV an der Spitalstrasse verlangt. Gespannt darf man darauf warten, was vorab die bürgerlichen Parteien nun zum konkreten Vorschlag des Stadtrates sagen. Die Zustimmung der Linken ist gewiss.

Normale Busspur ist zu teuer

Das Ganze tönt aber reichlich kompliziert. Warum nicht einfach eine normale Busspur bauen? Antwort: zu teuer. Denn diese müsste mit einer drei Meter hohen Stützmauer gesichert werden, was Zusatzkosten von einer Million Franken generieren würde. Ein weiterer Vorteil der elektronischen Busspur ist zudem laut Stadtrat, dass diese nur dann zum Einsatz kommt, wenn wirklich Stau herrscht. Der Kanton Zug habe als einer der wenigen Kantone in der Schweiz mit einer elektronischen Busspur gute Erfahrungen gemacht. Diese wurde letztes Jahr in Betrieb genommen, und zwar auf der Kantonsstrasse aus Richtung Walchwil.

20 Sekunden warten pro Busstopp

Realisiert werden soll direkt vor dem Spital-Parkhaus etwas, was dem ACS und der SVP regelmässig die Zornesröte ins Gesicht treibt: Eine Fahrbahnhaltestelle. Die Fahrbahnhaltestelle ersetzt ja in und um Luzern immer öfters die alten Busbuchten. Vorteil für die Busse: Sie können mitten auf der Strasse halten, der restliche Verkehr muss hinten warten, das beschert den Bussen ein schnelleres vorankommen.

Pro Stopp blockiert der Bus laut Stadtrat im Schnitt 20 Sekunden lang den Verkehr. Ergibt bei zwölf Stopps pro Stunde vier Minuten Wartezeit. Davon profitieren im Schnitt täglich über 1200 Buspassagiere. «Diese Verbesserungen tragen dazu bei, dass die Nutzenden des Kantonsspitals vermehrt mit dem Bus anreisen», ist der Stadtrat überzeugt. Man könnte handkehrum auch sagen: Diese Verschlechterungen für den Autoverkehr tragen dazu bei. Auch bei der vis-à-vis vom Parkhaus liegenden Haltestelle halten die Busse auf der Strasse.

Verkehr wird ständig zunehmen

Dass mit der elektronischen Busspur Autos benachteiligt werden, hält der Stadtrat für vertretbar. Er bezieht sich dabei nicht nur auf überwiesene politische Vorstösse, die ihm die Legitimation dazu geben. Er verweist auch auf die Zukunft. Diese sieht einen deutlichen Bus-Mehrverkehr auf der Spitalstrasse vor. Nicht zuletzt, weil das Kantonsspital ständig mehr Angebote schafft. Konkret soll ab 2018 im Rahmen des Projekts AggloMobil ein neue Buslinie 18 von Littau via Kantonsspital nach Ebikon Bahnhof verkehren. Und zwar im 15-Minuten-Takt. Zudem soll auf Dezember 2018 der heutige 15-Minuten-Takt der «Kantonsspital-Linie» 19 auf einen 7,5-Minuten-Takt halbiert werden.

Kantonsspital verbessert Zugang

Interessant sind auch die Pläne, welche das Kantonsspital mit seinen 4500 Mitarbeitern direkt betreffen. Dieses generiert heute 6000 bis 7000 Autofahrten pro Tag, was regelmässig für Verkehrsprobleme sorgt. Um den Spitalbesuchern und -mitarbeitenden vermehrt die ÖV-Nutzung schmackhaft zu machen, werden die VBL-Busse die Haltestelle beim Spital doppelt so häufig anfahren wie bisher.

So soll die Passaraelle mit dem neuen Lift vor dem Kantonsspital-Parkhaus aussehen. Der Bus hält neu direkt davor.

So soll die Passaraelle mit dem neuen Lift vor dem Kantonsspital-Parkhaus aussehen. Der Bus hält neu direkt davor.

Zudem soll bereits ab diesem Frühjahr der Zugang zum Spital ab Spitalstrasse verbessert werden. Dazu wird die Bushaltestelle Fahrtrichtung Kreuzstutz, die heute links vor dem Spital platziert ist, auf die rechte Seite direkt vor das Parkhaus verschoben. Dort soll eine der umstrittenen Fahrbahnhaltestellen entstehen (siehe Box & Bild). Vom gedeckten Unterstand soll eine neue Liftanlage direkt zur angepassten Passerelle führen. Damit verkürzt sich der Fussweg der mit dem ÖV anreisenden Spitalbesucher von heute 200 auf noch 100 Meter. Kosten fürs LUKS: zwei Millionen Franken.

Die alte Bushaltestelle links vom Parkhaus wird aufgehoben und durch eine neue direkt vor dem Parkhaus ersetzt. Bisher mussten die Besucher den längeren roten Weg zum Spital gehen. Neu gehts mit dem grünen Weg nur noch halb solang.

Die alte Bushaltestelle links vom Parkhaus wird aufgehoben und durch eine neue direkt vor dem Parkhaus ersetzt. Bisher mussten die Besucher den längeren roten Weg zum Spital gehen. Neu gehts mit dem grünen Weg nur noch halb solang.

(Bild: Stadt Luzern)

Noch fährt der Bus durch: An dieser Stelle ist der neue Bus-Stopp geplant.

Noch fährt der Bus durch: An dieser Stelle ist der neue Stopp geplant.

All diese Massnahmen gehören zur ersten Etappe. Diese soll aufgrund ihrer Dringlichkeit zügig bis Herbst 2017 umgesetzt werden.

Parkplätze aufheben, Busse bevorzugen

Die zweite Etappe umfasst noch nicht klar deklarierte Massnahmen ab Spital bis Einmündung Friedentalstrasse.

Auf diesem 350 Meter langen Abschnitt soll ein Betriebs- und Gestaltungskonzept aufzeigen, was möglich und sinnvoll ist. Geklärt werden sollen etwa eine Temporeduktion, eine Busbevorzugung sowie bessere Veloverbindungen. Und: Aufhebung von Quartierparkplätzen. «Damit Rad- und Busbevorzugung überhaupt möglich werden», wie der Stadtrat im Bericht ans Stadtparlament schreibt. Dieses Projekt soll bis Ende Jahr vorliegen, 2017 soll das Parlament den noch unbekannten Kredit bewilligen, gebaut werden könnte frühstens ab 2018.

Die Etappen eins und zwei auf der Spitalstrasse sollen zeitversetzt realisiert werden. Grün eingezeichnet sind die Abschnitte mit Busbevorzugungsmassnahmen. Blau markiert sind Abschnitte für Veloförderungsmassnahmen.

Die Etappen eins und zwei auf der Spitalstrasse sollen zeitversetzt realisiert werden. Grün eingezeichnet sind die Abschnitte mit Busbevorzugungsmassnahmen. Blau markiert sind Abschnitte für Veloförderungsmassnahmen.

(Bild: Stadt Luzern)

Hinweis: Ein ausführliches Interview zu diesem Thema mit Stadtrat Adrian Borgula finden Sie hier.

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2 Kommentare
  1. Jules Gut, 06.01.2016, 01:23 Uhr

    aus meiner sicht ist es unverschämt ein Trottoir für Schulkinder entlang einer stark befahrenen strasse auf 1.50 aktiv zu reduzieren. heute sind die kids gerade mal 4 bis 4.5 jahre alt im ersten kindergartenjahr…

  2. Christian Schmid, 05.01.2016, 22:37 Uhr

    Wenn das Schule macht dann Gute Nacht.Es tragisch wie Autofahrer überall gegängelt werden.Diese Rot-Grünen machen alles um den Individual Verkehr zu Lähmen.Wie ich Adrian Borgula einschätze wäre es ihm am Liebsten Von bis Kriens bis Emmenbrücke Elektronische-Busspuren einzuführen.
    Zu den Parkplätzen: Ist sich diese Partei überhaupt im klaren wer den ÖV,Parkpätze subventioniert?? Genau die unbeliebten und geduldeten Autofahrer!!!!
    Diese Schön-Träumer kommen sicher noch ins Grübeln wenn nach und nach alle Geschäfte dichtmachen,außer natürlich Bucherer.Es ist nun mal Tatsache,dass kein Auto weniger herum fährt. Sie meiden dann die Stadt.
    Im Moment natürlich großes Frohlocken der Verhinderer-Partei Schlussentlich wird es wie in Basel kommen,dass zuletzt Gratis Parking angeboten wird,dass überhaupt noch Kunden kommen.Nur diese Rechnung wird nie aufgehen der Kunde kauft ein wo er bequem ohne Parking sorgen seine Besorgungen erledigen kann. Wenn der potentielle Kunde mal weg ist wird er nicht so schnell die Gewohnheiten ändern. .
    Es gibt genügend andere Einkaufs Center. Im Emmen-Center sogar gratis Parkplätze.
    Mit einer solchen Politik wird im Moment für Gewisse Kreise die Saat aufgehen auf Dauer aber kaum. Die große Ernüchterung wird folgen dann ist es zu spät.