Eklat im Emmer Sozialdepartement
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Jacqueline Chopard arbeitet ab sofort nicht mehr im Emmer Gemeindehaus. (Bild: Claude Hagen)

Abrupter Abgang Eklat im Emmer Sozialdepartement

3 min Lesezeit 2 Kommentare 12.05.2015, 20:00 Uhr

Nur gut einen Monat nach ihrem Start hat die Leiterin Soziales der Gemeinde Emmen ihren Job schon wieder hingeschmissen. Im Interview mit zentral+ erklärt der zuständige Gemeinderat Thomas Lehmann, wie es zum Zerwürfnis kam und was das für Folgen hat.

Da hats gerappelt in der Kiste. Die Leiterin Soziales der Gemeinde Emmen, Jacqueline Chopard, wirft den Bettel hin. Dabei hat sie ihre neue Stelle erst vor gut einem Monat, am 1. April 2015 angetreten. Der Grund liegt laut Mitteilung der Gemeinde von diesem Dienstag «in unterschiedlichen sozial- und personalpolitischen Auffassungen. Frau Chopard kam insbesondere zum Schluss, dass mit den beschränkten personellen Ressourcen die geplante strategische Neuausrichtung des Sozialdepartementes nicht realisiert werden kann.»

zentral+ hat den Emmer Gemeinderat Thomas Lehmann, Direktor Soziales und Gesellschaft, über die Hintergründe des abrupten Abgangs befragt.

zentral+: Thomas Lehmann, bei Personalabgängen aus der Verwaltung heisst es normalerweise: Wir haben uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt. Sie aber weisen in der Medienmitteilung grob auf die Gründe hin. Das ist ungewöhnlich.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Thomas Lehmann: Wir haben ja lange eine Leitung für diese Stelle gesucht und waren der Meinung, dass wir eine gute Lösung gefunden haben. Nun, nach der Trennung, kommen natürlich Fragen über die Hintergründe auf. Wir haben uns deshalb entschlossen, pro-aktiv darüber zu informieren.

zentral+: Wann beendet Frau Chopard ihre Arbeit?

Lehmann: Sie hat ihre Arbeit bereits nieder gelegt. Ihre Kündigungsfrist in der Probezeit beträgt sieben Tage.

zentral+: Frau Chopard hat ihre Stelle erst am 1. April angetreten. Nun, nach nur etwas mehr als einem Monat, geht sie wieder. Haben Sie im Bewerbungsverfahren komplett aneinander vorbeigesprochen?

Lehmann: Nein, dieser Meinung sind wir nicht. Im Gegenteil. Wir waren der Meinung, dass wir eine gute Lösung gefunden haben. Vielleicht waren ihre Vorstellungen von der neuen Stelle nicht deckungsgleich mit unseren.

zentral+: Als Grund wird angegeben, dass Frau Chopard die in Emmen zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen zu gering waren, um die Ziele zu erreichen. Waren ihr die personellen Ressourcen nicht gut genug bekannt?

Lehmann: Sie war sich schon darüber bewusst. Ich kann hier nur mutmassen. Vermutlich hatte sie eigene Vorstellungen, wo sie hin wollte. Seitens der Gemeinde aber sind wir finanziell in einem engen Korsett und können uns nicht alles leisten, was wir gerne hätten. Aus diesen Überlegungen hinaus kann es sein, dass sie sich gesagt hat, so kann ich nicht weiter arbeiten.

zentral+: Wie sähe die strategische Neuausrichtung des Emmer Sozialdepartements eigentlich aus?

Lehmann: Eine so wahnsinnig grosse Neuausrichtung gibt es gar nicht. Das Sozialdepartement haben wir ja grundsätzlich per 2014 neu definiert. Daran ändert sich nichts. Wir haben uns aber die Frage gestellt, wie wir den Arbeitsaufwand mit den beschränkten personellen Ressourcen bewältigen können und wo man diese Ressourcen am besten einsetzt. Hier kam es dann zu unterschiedlichen Auffassungen zwischen Frau Chopard und uns.

zentral+: Um welche Themen ging es konkret?

Lehmann: Um die wirtschaftliche und persönliche Sozialhilfe. Mit mehr personellen Ressourcen könnte die Möglichkeit bestehen, die Sozialhilfeempfänger enger zu begleiten – und sie schneller aus der Sozialhilfe heraus zu führen. So könnten Kosten gespart werden. Aber eine Personalaufstockung liegt wie erwähnt nicht drin.

zentral+: Frau Chopard ist als Expertin der Meinung, dass Emmen dieses Ziel gar nicht erreichen kann. Sie?

Lehmann: Ich bin schon der Meinung, dass wir das schaffen. Mein Auftrag ist klar: Ich muss mit den bestehenden Ressourcen auskommen. Aber wenn ich aus dem vollen Schöpfen könnte, würde ich natürlich gerne mehr realisieren. 

Abgang kostet Emmen eine Stange Geld

Über die finanziellen Folgen des Abgangs von Jacqueline Chopard gibt der Emmer Gemeinderat Urs Dickerhof, Verantwortlich für Finanzen und Personelles, Auskunft. Er sagt: «Wir haben mit Frau Chopard eine etwas weitergehende Abgangs-Vereinbarung getroffen, die auch Aspekte wie die Pensionskasse und das Kindergeld betrifft. Das ist in solchen Fällen üblich.» Kommt das die Gemeinde Emmen teuer zu stehen? «Nein, der Abgang selber nicht. Genaue Zahlen kann ich keine nennen. Aber der ganze Evaluationsprozess war natürlich nicht günstig. Den müssen wir jetzt wiederholen.»

zentral+: Muss die Gemeinde Lehren aus dieser missglückten Zusammenarbeit ziehen?

Lehmann: Wir werden uns sicher Gedanken machen. Das machen wir bei jedem derartigen Fall.

zentral+: Wer ist für die Anstellung verantwortlich?

Lehmann: Das war ich.

zentral+: Gabs unter Ihrer Führung noch weitere ähnliche Fälle?

Lehmann: Nein.

zentral+: Nun müssen Sie die Stelle neu ausschreiben und das Bewerbungsverfahren durchführen. Bis Sie eine neue Person gefunden haben, können gut fünf, sechs Monate verstreichen.

Lehmann: Wir werden die Vakanz intern überbrücken. Ob es so lange geht, bis wir eine neue Person gefunden haben? Es gibt ja immer auch Glücksfälle, wos schneller geht.

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2 Kommentare
  1. Peter Estermann, 13.05.2015, 16:58 Uhr

    Parkbänke lassen sich in der Stadt Luzern gratis hinstellen, da Handwerker dafür gratis arbeiten. Emmen wollte eine ”Neuausrichtung des Sozialdep.”, ohne es finanzieren zu wollen.
    Ist es politisches Kalkül, die Neuausrichtung des Amtes in ein mehr Service-orientiertes Amt zu versprechen, um dann umso mehr zusammenzustreichen, da wegen Sparwahn nicht finanzierbar?

    Und wer fragt am Schluss, was die Uebung unter dem Strich gekostet hat?

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  2. André Bühlmann, 12.05.2015, 23:52 Uhr

    Herr Lehmann:
    Es gäbe ja die Möglichkeit bei den Gemeinderäten, und speziell beim ihrem Parteikollegen (FDP) Gemeindepräsident Herr Born, zu sparen? Der bekanntlich mehr als der Luzerner Stadtpräsident verdient.
    Aber, ist natürlich einfacher wenn immer die anderen sparen müssen!

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