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Einstellung der «Zentralschweiz am Sonntag»? «Denkbar»
  • Wirtschaft
Ein Leser studiert die «Luzerner Zeitung». (Bild: les )

Viele offene Fragen rund um die «Luzerner Zeitung» Einstellung der «Zentralschweiz am Sonntag»? «Denkbar»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 07.12.2017, 16:57 Uhr

Die Konzentration im Schweizer Medienmarkt schreitet fort. Die NZZ und damit auch die LZ schliessen ihre Regionalmedien mit den AZ Medien zusammen. Das könnte auch das Ende der «Zentralschweiz am Sonntag» bedeuten. Luzerner Politiker unterstreichen die Wichtigkeit der Medienvielfalt.

«Es gibt eine neue Nummer eins bei den Regionalmedien in der Deutschschweiz.» Mit diesen Worten kommentierte der Verwaltungsratspräsident der NZZ-Mediengruppe, Etienne Jornod, diesen Donnerstagmittag die Gründung des gemeinsamen Medienunternehmens der AZ Medien und der NZZ-Mediengruppe. Die Regionalmedien der NZZ – dazu gehört die Luzerner Zeitung – werden in ein gemeinsames Joint Venture – so nennt man eine solche Unternehmenskooperation – mit der AZ überführt (zentralplus berichtete).

«Wir bündeln die Kräfte im Regionalmediengeschäft», so Jornod, der sich mit seinen Medien einer «liberalen Grundhaltung» verpflichtet fühlt. AZ-Chef Peter Wanner ergänzte: «Wir verfolgen ähnliche publizistische Wertvorstellungen.» Man wolle Hintergründe und Einordnungen bieten. Der Medienmarkt verändere sich fundamental, deshalb müsse man sich stärker fokussieren. «Wir sind von unseren Chancen überzeugt. Wir stellen fest, dass das Bedürfnis nach lokalem Qualitätsjournalismus wächst.» In diesen wolle man investieren.

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Keine Details zur Zusammenarbeit

Interessant waren die Ausführungen von Pascal Hollenstein, derzeit ist er publizistischer Leiter der NZZ-Regionalmedien. Also der Super-Chefredaktor der LZ und des St. Galler Tagblatts. Er wird künftig die publizistische Leitung des Joint Ventures übernehmen – acht Chefredaktoren werden ihm unterstellt sein. «Eigentlich wächst damit zusammen, was zusammengehört», erklärte er mit dem abgegriffenen Slogan von 1989, als in die Deutschland die Mauer fiel und BRD und DDR eine Einheit wurden.

Stellten an einer Medienkonferenz die Pläne vor. Von links: Axel Wüstmann, Peter Wanner, Etienne Jornod und Pascal Hollenstein.

Stellten an einer Medienkonferenz die Pläne vor. Von links: Axel Wüstmann, Peter Wanner, Etienne Jornod und Pascal Hollenstein.

(Bild: Printscreen)

Noch keine zwei Jahre ist es her, seit die LZ und das Tagblatt einen gemeinsamen Mantel haben und nur noch den Regionalteil selbstständig erarbeiten. «Wir haben bewiesen, dass es funktioniert», so Hollenstein selbstbewusst. Nun kommen die AZ Medien hinzu. Künftig wird man Tageszeitung für 15 Deutschschweizer Kantone mit demselben Mantel produzieren. Man will täglich eine Million Leser erreichen.

Noch sehr vieles im Unklaren

«Ein grosser Sprung», sagt Hollenstein. Er habe Respekt und wisse, dass es nicht einfach wird. Details über die Zusammenarbeit der verschiedenen Titel konnte er keine liefern. «Wir stehen noch ganz am Anfang.» Es werde nun viele Gespräche brauchen. «Wir sind in den Details sehr unterschiedlich, alle Probleme sind jedoch überwindbar.»

An welchem Standort dieser Mantelteil – Inland, Ausland, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport – produziert wird, konnten die Verantwortlichen noch nicht beantworten. Den Vorwurf, das sei eine Sparmassnahme und es drohe mit diesem Schritt medialer «Einheitsbrei», bestreitet Hollenstein vehement. «Die Realität ist, dass kleine Redaktionen in die Abhängigkeit der Schweizer Nachrichtenagentur SDA und PR-Agenturen geraten und Meldungen nur abfüllen.» Nur mit einer «starken Redaktion» sei Vielfalt gewährleistet. So steige erstens die Schlagkraft im überregionalen Bereich und zweitens könnten die Lokalredaktionen gestärkt werden. Die «Luzerner Zeitung» soll wie alle anderen Titel auch «insbesondere bei der Kommentierung ihre Freiheit behalten».

Tele 1 und Radio Pilatus bleiben bei der NZZ – noch

Gerne hätte man auch «Tele 1» und «Radio Pilatus» in den neuen Joint Venture überführt. Aufseiten des Bundesamts für Kommunikation Bakom gibt es jedoch eine Regel, die privaten Medienhäusern untersagt, mehr als zwei konzessionsabhängige Sender zu betreiben. Deshalb bleiben die beiden vorläufig bei der NZZ. «Wenn diese Regel fällt, so integrieren wir die beiden Sender», sagte der neue CEO des Joint Ventures Axel Wüstmann.

Stellenabbau ja, Entlassungen nein

Beim Thema Sonntagszeitung liessen die Verantwortlichen Interessantes durchblicken. Das Flaggschiff der AZ Medien ist die «Schweiz am Wochenende». Man wolle in diesem Bereich ausbauen, erklärte Peter Wanner, der umtriebige Patrik Müller bleibt deren Chefredaktor. Heisst das, es gibt eine einzige Sonntagszeitung für die gesamte Deutschschweiz und vor allem für unsere Region interessant: Wird die «Zentralschweiz am Sonntag» eingestellt? «Es ist denkbar, aber nicht beschlossen», so Pascal Hollenstein. Ende Sommer waren Gerüchte aufgetaucht, die NZZ plane sowieso, die Sonntagsausgaben ihrer Regionalmedien zu kippen (zentralplus berichtete). Dieser Prozess könnte nun beschleunigt werden.

Insgesamt wird es einen Stellenabbau geben, jedoch keine Entlassungen. Synergien nutzen heisst auch, dass «Doppelbesetzungen» vermieden werden. Aber auch hier sei es noch viel zu früh, konkrete Entscheide zu nennen. Der Markt befindet sich dermassen im Umbruch, dass ein grosser Player bessere Chancen habe und deshalb auch den Angestellten bessere Chancen bieten könne, erklärte NZZ-Vertreter Jornod.

Zum Thema Finanzen: Die Verantwortlichen vermieden es, von einer Sparübung zu sprechen. Man passe sich den Veränderungen der Branche an. Mit der neuen Stärke seien auch Investitionen besonders in die Digitalisierung besser umsetzbar. Man will vom gegenseitigen Technologie-Know-how profitieren.

«Brutale Strukturbereinigung»

Wie reagieren Luzerner Bundespolitiker auf den Entscheid? Schliesslich wird die Bundespolitik künftig im Mantel und damit in fast allen Deutschschweizer Kantonen identisch abgebildet.

SVP-Nationalrat Franz Grüter sagt zum Entscheid: «Mein erstes Gefühl war, dass die Medienvielfalt schon wieder zurückgeht.» Doch nachdem er sich ein Bild der Situation machte, kam er zum Schluss: «Im Medienbereich ist eine brutale Strukturbereinigung im Gange. Dieser Prozess ist unaufhaltsam.»

Inhaltlich erwartet er keine grossen Veränderungen. Bundesgeschäfte seien ja bisher bereits zentral für St. Gallen und Luzern produziert worden. «Die Bevölkerung interessiert sich doch am allermeisten für die Geschehnisse in ihrer Wohngemeinde. Hier haben nur rein lokale Medien Zukunft.» Grüter nennt in diesem Zusammenhang zentralplus, die Surseer Woche, den Willisauer Boten oder auch die Blocher-Medien.

Berichtet der Regionalteil über Bundespolitik?

FDP-Ständerat Damian Müller bedauert, dass die Medienvielfalt im Printbereich in den letzten Jahren stetig abgenommen hat. «Andererseits gibt es mit der Zusammenlegung der Regionalausgaben neue Chancen, insbesondere im digitalen Bereich.» Er ist der Meinung, dass mit dem Joint Venture das Kerngeschäft der regionalen Medien gestärkt wird. «Ich bin überzeugt, dass der Wettbewerb spielen wird. Hier sehe ich Chancen – etwa für zentralplus.»

Für Bundespolitiker ist es attraktiv, wenn die Regionalzeitung auch über nationale Themen berichtet. Müller dazu: «Ich gehe davon aus, dass die Arbeit in Bundesbern vermehrt im regionalen Teil abgebildet wird. Das hat die Luzerner Zeitung in den letzten Monaten stärker praktiziert.» Die Berichterstattung aus Bern erfolge bisher schon von der Bundeshausredaktion – das werde so bleiben.

«Die Medienlandschaft steht unter einem enormen Kostendruck. Solche Konzentrationen sind die Folge davon», kommentiert CVP-Ständerat Konrad Graber. «Die Medienberichterstattung wird damit nicht vielfältiger, sondern es entsteht eine Monokultur. Auf der anderen Seite stärkt dies möglicherweise etwa das Regionaljournal (Radio) und vor allem Onlinemedien wie zentralplus. Die nationale Berichterstattung werde sich auch künftig national ausrichten. Wo dies verarbeitet werde, sei zweitrangig. «Wer etwas zu sagen hat, findet weiterhin Gehör», hält Graber fest.

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1 Kommentare
  1. Kurt Heller, 11.12.2017, 16:19 Uhr

    Ein Steilpass für ein klares Nein zu NoBillag!
    Sonst erhalten wir nur noch den Einheitsbrei der gleichgeschalteten Regionalzeitungen und -Radios!