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«Einen Dresscode gibt es bei uns nicht»
  • Politik
Der Vorstand der neu gegründeten JGLP Luzern. Präsident Mario Cozzio als Vierter von links. (Bild: zvg )

Junge GLP will in Luzern durchstarten «Einen Dresscode gibt es bei uns nicht»

6 min Lesezeit 03.11.2016, 11:58 Uhr

In Luzern wurde eine neue Partei gegründet: die Jungen Grünliberalen. Präsident Mario Cozzio sagt, was dahintersteckt und warum es nicht nur ums Trinken geht. Zudem nimmt er zum Vorwurf Stellung, die Mutterpartei sei eine Windfahne. Wo die Jungpartei aber selbst politisch Schwerpunkte setzen will, verrät er noch nicht.

zentralplus: Mario Cozzio, die Junge GLP ist bereits zu Kantonsrats- und Nationalratswahlen angetreten. Nun haben Sie eine offizielle Partei gegründet. Warum?

Mario Cozzio: In erster Linie wollen wir unsere Strukturen stärken – wozu wir einen elfköpfigen Vorstand gewählt haben. Weiter erhoffen wir uns mit diesem Schritt als eigenständige Partei wahrgenommen zu werden und so unseren Einfluss nach aussen zu stärken.

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zentralplus: Gibt es ein Bedürfnis nach dieser neuen Jungpartei?

Cozzio: Ja, das wurde spätestens bei den Nationalratswahlen offensichtlich, als die JGLP das beste Resultat aller Jungparteien erzielte. Natürlich werden wir das Parteienspektrum nicht revolutionieren. Wir wollen es aber komplettieren und für junge Polit-Interessierte als Anlaufstelle dienen.

Die Jungen Grünliberalen waren bei den Nationalratswahlen die stärkste Jungpartei:

 

zentralplus: Die GLP befindet sich in Luzern eher auf dem absteigenden Ast: Nationalratsmandat verloren, auch die Kantonsratsfraktion musste bluten. Hat die Partei eine Zukunft?

Cozzio: Verluste sind nie schön. Ich denke, das allgemeine politische Umfeld zum Zeitpunkt der Wahlen war für die GLP ungünstig. Seither lässt sich allerdings auf nationaler Ebene festhalten, dass es für die GLP wieder besser läuft. Unsere Wähleranteile blieben zudem äusserst stabil. Zudem hat sich die Mitgliederanzahl der kantonalen Partei seit den Nationalratswahlen 2015 um 15 Prozent erhöht.

zentralplus: Was setzt sich die JGLP Luzern für Ziele?

Cozzio: Als Partei wollen wir selbstverständlich wachsen und aktive Mitglieder für unsere Politik akquirieren. Dann gilt es unsere interne Organisation aufzubauen. Wir wollen unsere Mitglieder motivieren, bei Wahlen anzutreten. Sei es für den Kantonsrat, ein Exekutivamt oder einen Kommissionssitz auf Gemeindeebene. Politisch wollen wir auf Sachthemen setzen. Wo wir unsere Schwerpunkte setzen, erarbeiten wir derzeit.

zentralplus: Würden Sie nicht besser die Kräfte gemeinsam mit der Mutterpartei bündeln?

Cozzio: Bei den Wahlen passiert dies dank Listenverbindungen automatisch. Ansonsten wollen wir als Jungpartei eigene Themen behandeln. Das heisst aber keinesfalls, dass wir vorhaben, die Mutterpartei zu konkurrenzieren. Wir wollen eng zusammenarbeiten. Nichtsdestotrotz gibt es Themen, wo wir unterschiedlicher Auffassung sind – etwa beim Büpf (Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs).

Gründungspräsident der JGLP Luzern Mario Cozzio.

Gründungspräsident der JGLP Luzern Mario Cozzio.

zentralplus: Die GLP sieht sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, eine politische Windfahne zu sein. Wofür steht die Partei?

Cozzio: Wir sind, gerade im Kanton Luzern, eine sehr liberale Mittepartei. Es stimmt, dass wir uns schlecht auf einem links-rechts oder konservativ-progressiv Schema einordnen lassen. Ich persönlich sehe dies als Stärke, da wir situativ auf Themen eingehen können.

zentralplus: Aber damit kauft der Wähler ja praktisch die Katze im Sack.

Cozzio: Nein, wir kommunizieren unsere Entscheide und Positionen ja dementsprechend. Unser Grundsatz ist zudem eindeutig. Wir wollen eine umweltfreundliche, aber auch wirtschaft- und gesellschaftsliberale Politik betreiben. Daher auch die Bezeichnung «grünliberal».

«Es ist leider als politische Partei nicht einfach, Leute zur Mitarbeit zu gewinnen.»

zentralplus: Und wo wollen Sie als Jungpartei Schwerpunkte setzen?

Cozzio: Die Digitalisierung ist uns zum Beispiel sehr wichtig. Bevor unsere Positionspapiere erarbeitet sind, möchte ich jedoch nicht zu stark ins Detail gehen. Klar ist, dass wir eine sehr zukunftsorientierte Politik anstreben.

zentralplus: Man hört immer wieder, dass Junge Angst vor einem Parteistempel hätten. Was sagen Sie dazu?

Cozzio: Wir erleben, dass die Jungen uns gegenüber sehr offen reagieren. Es ist leider per se als politische Partei nicht einfach, Leute zur Mitarbeit zu gewinnen. Wer uns aber positiv gesinnt ist, soll doch einfach mal vorbeikommen. Unsere Treffen verlaufen sehr unkompliziert und gesellig. Wir kennen kaum Hierarchien und haben eine offene Gesprächskultur, wo alle willkommen sind.

zentralplus: Wie wichtig ist das Gesellschaftliche? Sie werden wohl kaum auf dem Trockenen sitzen.

Cozzio: Klar ist das wichtig. Aber wir wollen nicht nur Trinken, sondern auch etwas leisten.

Ein eigenes Bier – oder zumindest eine eigene Ettikette – haben die Grünliberalen bereits:


 

zentralplus: Was für Leute sind bei der JGLP dabei?

Cozzio: Wir haben eine bunte Durchmischung: Von der Schreinerin und den Bürogummis über den Winzer bis hin zu Studenten ist alles dabei. Einen Dresscode gibt es bei uns nicht, wenn Sie darauf hinauswollen.

zentralplus: Was für ein Ziel haben Sie sich bezüglich der Mitgliederzahl gesetzt?

Cozzio: Momenten nehmen 20 bis 25 Personen aktiv an unserem Parteileben teil. Ein konkretes Ziel haben wir nicht, freuen uns aber sicherlich über jedes einzelne Mitglied.

An der Gründungsversammlungen waren rund 20 Mitglieder anwesend.

An der Gründungsversammlungen waren rund 20 Mitglieder anwesend.

(Bild: zvg)

zentralplus: Wie sind Sie zur Politik gekommen? Und was hat CVP-Nationalrätin Andrea Gmür damit zu tun?

Cozzio: Ich komme aus einer politisch stark engagierten Familie. Mein Vater war CVP-Gemeinderat von Geuensee und zwei Onkel sind im Kanton sowie der Stadt St. Gallen für die CVP aktiv. Deshalb hat mich Politik schon früh interessiert. 2011 fand an der Kantonsschule Sursee ein Sondertag zum Thema Politik statt. An einem Podium trat Frau Gmür auf und hat mich dabei sehr überzeugt. Sie war es, die mir den schlussendlichen Ansporn gegeben hat, selber aktiv zu werden. Diesen Schritt habe ich dann 2014 gemacht.

CVP-Nationalrätin Andrea Gmür brachte Mario Cozzio zur Politik:


 

zentralplus: Warum dann nicht bei der CVP?

Cozzio: Weil die Partei aus meiner Sicht ein Positionsproblem hat. Man weiss nicht so recht, in welche Richtung sie sich bewegt. Noch viel wichtiger ist für mich: sie ist zu wenig liberal. In Wirtschaftsfragen kann man sich vielleicht darüber streiten, aber gesellschaftspolitisch ist sie eindeutig zu konservativ.

zentralplus: Dazu passt: Sie engagieren sich stark für die LGBTI-Bewegung (lesbisch, schwul, bisexuell, Trans* und Intersex). Besteht nicht die Gefahr – weil Sie als Aushängeschild für die JGLP fungieren – dass die Partei als thematisch einseitig wahrgenommen wird?

Cozzio: Ich denke nicht, denn es geht bei der JGLP Luzern nicht um meine Person, sondern um die Partei als ganzes. Mein Engagement in dieser Frage ist zudem eher eine nationale Angelegenheit.

«Um die aktuellen Schwierigkeiten zu überbrücken, befürworte ich die angedachte allgemeine Steuerfusserhöhung.»

zentralplus: Wie wollen Sie verhindern, dass alle Arbeit der Jungpartei an Ihnen hängenbleibt?

Cozzio: Da habe ich keine Bedenken. Bei unseren flachen Hierarchien haben auch bisher all jene Mitglieder etwas gemacht, die Kapazität haben. Zudem: Ich mache diese Arbeit gerne. Es ist eine Ehre JGLP-Gründungspräsident zu sein. Und Politik ist immer mit viel Freiwilligkeit verbunden.

zentralplus: Zu guter Letzt: Was ist das dringendste Problem in der Luzerner Politik?

Cozzio: Momentant mit Sicherheit die Finanzen. Hier gilt es wirtschaftsfreundliche Lösungen zu finden. Mit der Halbierung der Unternehmenssteuern haben wir, das Luzerner Volk, einen grossen Schritt gemacht. Davon abzukehren wäre aus meiner Sicht völlig falsch. Um die aktuellen Schwierigkeiten zu überbrücken, befürworte ich allerdings die angedachte allgemeine Steuerfusserhöhung. Es wäre denkbar unvernünftig, sich nun im Konkurrenzkampf gegenüber anderen Kantonen selbst auszuschalten. Der Kanton Luzern soll meiner Meinung nach genau so attraktiv für KMU und generell Unternehmen bleiben, wie er es momentan ist.

 

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