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«Eine verschwindende Minderheit hört auf meine Texte»
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Luzerner Band Monotales mit neuem Album am Start «Eine verschwindende Minderheit hört auf meine Texte»

6 min Lesezeit 21.09.2016, 09:29 Uhr

Kaum eine Schweizer Band hat den Americana-Sound so verinnerlicht wie Monotales. Doch dann: Krach in der Band, Schicksalsschläge in der Familie und ein neues Album in weiter Ferne. Nun hat sich die Band aufgerappelt. Monotales sind in neuer Form und mit neuem Album zurück. Sänger Mauro Guarise hat darauf neue Themen gefunden.

Auf dem Cover des neuen Albums liegt ein junges Paar zärtlich umschlungen auf dem Bett – es ist die Verbildlichung des Titels «Weekend Love». Vier Jahre sind ins Land gezogen seit dem letzten Monotales-Album. Aber man erkennt die Band sofort wieder: der erdige Americana-Sound, die sehnsüchtigen Balladen, Melodien, welche die Freiheit atmen, dazu der lässige Groove und Mauro Guarises stilsicherer Gesang. Nicht viele Luzerner Bands können mit solch einer Charakterstimme auftrumpfen.

zentralplus: Mauro Guarise, ist «Weekend Love» das Album für die kommenden Herbst- und Wintertage?

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Mauro Guarise: Die Regung, die man am meisten mit Herbst verbindet, ist die Melancholie. Und viele Leute hören die aus unserer Musik heraus. Ich mag es, wenn Musik gleichzeitig schön und traurig ist – vielleicht sogar lustig und traurig. Richtig deprimierende Nummern haben wir, glaube ich, selten. «It Ain’t You», das zweite Lied auf dem Album, hat für mich so eine idealtypische Mischung, die ich bei Musik sehr mag: zwischen der Schwere und dem Tröstenden, das einen positiv stimmt.

Und so tönt der Song:

 

Die Monotales-typischen Songs wie «It Ain’t You» oder «Finley Street» prägen das neue Album. Sie rollen locker dahin und versprühen eine unbekümmerte und gemächliche Stimmung, ziehen dann merklich an und warten im Refrain mit einer Melodie auf, die man kaum mehr aus dem Kopf kriegt. Es sind noch immer die traditionellen amerikanischen Einflüsse – Folk, Rock, Country –, die Monotales prägen.

Das ist «Finley Street» (mit Text!):

 

Man findet kantige Nummern wie «You Can’t Get Out», die den Gitarren viel Platz lassen. Und was wären Monotales ohne die melancholischen Balladen, etwa das Titelstück «Weekend Love» oder das wunderbare «Must Have Been Someone Else». Mauro Guarise singt sie mit einer seltenen Intensität. Und was wäre schliesslich die Band ohne die Duette, diesmal wieder mit Heidi Happy auf «And They Call It Summer». Danach ist die kleine Welt einfach in Ordnung, wie sie ist.

Und hier: «And They Call It Summer»:

 

2010 die Hoffnung, 2014 der Krach

Verlosung: Gratis an die Plattentaufe

Neues Album von Monotales: «Weekend Love» (Irascible). Konzert: FR, 23. September, 20 Uhr, Madeleine Luzern. Mit Gastsängerin Heidi Happy.

Monotales sind: Mauro Guarise (voc), Kuno Studer (guit), Urs Müller (guit), Andi Schnellmann (bass), Arno Troxler (drums)

zentralplus verlost 2x2 Tickets für das Konzert im Madeleine (hier geht's zur Verlosung).

Das erste Monotales-Album erschien 2010 und hiess «Call Me a Stealer, Call Me a Thief». Die Band machte sich schnell einen Namen als eine der interessantesten Americana-Bands des Landes. 2012 legten sie mit «Hidden Thrills» nach, das einen etwas poppigeren Touch hatte. Jetzt, mit «Weekend Love» geht’s zurück zu den Roots.

Im Sommer 2014 kamen Monotales zusammen, um für das neue Album zu proben. Die Idee war, dieses im Frühling oder Sommer 2015 herauszubringen. «Doch wir haben schon in der ersten Probe gemerkt, dass es Differenzen gab, wie es so schön heisst», sagt Guarise und schmunzelt. «Es ist dann immerhin relativ schnell eskaliert, das ist die positive Seite», erinnert er sich. Es funkte nicht mehr und die Band musste zwei Abgänge verkraften: Gitarrist Ernst David Hangartner und Drummer Simon Britschgi verliessen das Schiff.

Dass es mit dem neuen Album länger dauerte als geplant, ist aber nicht nur den Abgängen geschuldet. Es waren allgemein die «erschwerten Bedingungen», unter denen es entstand. Es war für Mauro Guarise eine Zeit mit Hochs und Tiefs.

Das Cover des neuen Albums.  (Bild: zvg)

Das Cover des neuen Albums.  (Bild: zvg)

Todesfälle in der Familie rissen den Sänger aus der Bahn – und ganz im Kontrast dazu war sein zweites Kind unterwegs. Und auch zur Band stiessen zwei Neue, und sie erwiesen sich als Glücksfälle: Gitarrist Urs Müller und Schlagzeuger Arno Troxler. Die beiden haben das neue Album stark geprägt. Troxler bildet nun mit dem Bassisten Andi Schnellmann ein kompetentes Groove-Duo, das den 13 Songs dezent, aber bestimmt seinen Stempel aufdrückt.

Neue Themen halten Einzug

zentralplus: Die Bandabgänge, die familiären Geschehnisse, wie hat das auf die Musik abgefärbt?

Guarise: Klar, wenn man Vater wird, verändert das die Sicht auf die Welt und entsprechend die Texte. Es verändert das Leben und damit das, worüber man schreibt. Viele Gedanken und Themen hatte ich beim ersten Album noch nicht: das Dealen mit verschiedenen Faktoren, die das Leben anspruchsvoll machen – sei das die Familie, der Job, der Tod. Das beschäftigt mich und ist in den Songs präsent.

«Ich will allen Musikern Freiraum geben, das sind alles Leute, die diese Musik checken, denen muss ich nichts mehr erzählen.»

Mauro Guarise

zentralplus: Die Lieder haben aber keinen negativen Grundton.

Guarise: Ich weiss nicht, ob’s überhaupt einen Grundton hat. Was finden Sie denn?

zentralplus: Es hat für mich zwei Seiten: eine tröstliche, melancholische – und auf der anderen Seite ein trotzige.

Guarise: Ich habe diese trotzige Seite, die sagt: Doch, genau so ziehen wir das durch, auch wenn’s einfacher ginge. Aber auch die andere Seite, die anderen Mut machen soll mit Liedern. Das braucht’s in schwierigen Phasen. Zwischen diesen Polen federt es wohl hin und her.

Monotales 2016 – von links nach rechts: Urs Müller, Arno Troxler, Mauro Guarise, Andi Schnellmann (sitzend) und Kuno Studer.  (Bild: zvg)

Monotales 2016 – von links nach rechts: Urs Müller, Arno Troxler, Mauro Guarise, Andi Schnellmann (sitzend) und Kuno Studer.  (Bild: zvg)

10 Tage Ferienlager

Die Vorgeschichte des neuen Albums mag länger gewesen sein, anstrengender auch. Aber jetzt, kurz vor der Plattentaufe, ist Mauro Guarise ziemlich entspannt. «Ich höre das neue Album wohl so oft wie keines unserer Alben bisher, ich bin wirklich extrem zufrieden.»

Die Aufnahmen sind innert zehn Tagen entstanden, Ende Juni 2015 bei Marco Jencarelli in den Krienser Soundfarm-Studios. Es sei für ihn eine Auszeit gewesen, wie ein Ferienlager. Gerade auch, weil es privat eine strenge Zeit war. «Die zehn Tage im Studio waren mega easy, wir hatten eine lockere Aufnahmesession und arbeiteten extrem schnell und spielten viel live ein, was wir zuvor nicht gemacht hatten», erzählt er.

Es ist ein Bandalbum geworden

zentralplus: Sie haben den Instrumenten mehr Raum gelassen: viel Rhythmus, viel Gitarre. Ist es auch stärker ein Bandalbum als zuvor?

Guarise: (schnell) Ich finde, ja, es ist viel stärker ein Bandalbum geworden. Ich habe riesiges Glück, dass ich mit diesen Leuten Musik machen kann. Wir sind alle besser geworden, alle hatten super Tage bei der Aufnahme und wir hatten wenige Diskussionen. Ich will allen Musikern Freiraum geben, das sind alles Leute, die diese Musik checken, denen muss ich nichts mehr erzählen.

«Ich versuche, die bestmöglichen Texte zu den Songs zu schreiben. Wenn jemand reagiert, ist gut. Und wenn nicht, ist es halt so.»

zentralplus: Ihr seid beim dritten Album angelangt und habt eine Bewährungsprobe hinter euch. Wo stehen Monotales jetzt?

Guarise: Schwierig (überlegt lange). Ich bin jetzt einfach extrem froh, wenn es wieder mit Konzerten losgeht. Es war so eine lange Vorgeschichte, es gab so viele Verzögerungen … ich warte jetzt recht lange darauf. Ich habe nur schon in den Proben «uhueren» Freude, wie noch nie zuvor. Es ist paradox, aber wir sind viel gefestigter als zuvor.

zentralplus: War es eigentlich immer klar, dass ihr mit den traditionellen amerikanischen Stilen weitermacht? Oder wäre auch etwas anderes möglich gewesen?

Guarise: Ich habe mir auch schon überlegt, schweizerdeutsch weiterzumachen. Oder ein ganz klassisches Countryalbum zu machen. Schweizerdeutsch reizt mich auch, weil ich ein Textmensch bin. Es nähme mich wunder, wie’s ankommt, wenn die Sprachbarriere wegfiele. Aber ich habe im Moment nicht die Zeit für etwas Zusätzliches.

zentralplus: Sind es wenige Leute, die auf englische Texte achten?

Guarise: Eine verschwindende Minderheit, ja. Selbst Musiker, es ist wirklich erstaunlich. Wenn du schweizerdeutsch singst, wäre das anders … Gestern habe ich immerhin seit drei Alben die erste Anfrage eines Journis erhalten, ob ich die Songtexte beilegen könne.

zentralplus: Haben für Sie Texte einen höheren Stellenwert, weil Sie keine Instrument spielen?

Guarise: Ja, ich bin kein Musiker, auf der Bühne ist es das Einzige, das ich mache. Ich versuche halt einfach, die bestmöglichen Texte zu den Songs zu schreiben. Wenn jemand reagiert, ist gut. Und wenn nicht, ist es halt so.

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