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Eine Überdosis Max Küng, bitte!
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Die besten seiner besten Texte las Max Küng im Luzerner Kleintheater. (Bild: jal)

Der Kolumnist im Kleintheater Luzern Eine Überdosis Max Küng, bitte!

3 min Lesezeit 01.12.2017, 12:32 Uhr

Keiner hält den Alltag so detailreich und humorvoll fest wie Max Küng, langjähriger Kolumnist bei «Das Magazin». Im Kleintheater Luzern las er am Donnerstag seine besten Texte – und widerlegte sich gleich selber.

Kann das gut kommen: ein ganzer Abend voller Texte von Max Küng? Nicht, weil er inzwischen selber solchen Kultstatus hat, dass er die hohen Erwartungen fast nicht erfüllen kann. Sondern vielmehr, weil der Kolumnist von «Das Magazin» selber vor einer Überdosis warnt.

In der Gebrauchsanleitung seines neusten Buches «Die Rettung der Dinge», das seine besten 100 Kolumnen vereint, hält er nämlich fest: «Lesen Sie dieses Kolumnenbuch nicht allzu hoch dosiert, sondern massvoll.» Was das heisst, legt er sogleich fest: «Lesen Sie höchstens zwei Kolumnen am Stück.» Ein Hinweis wie aus einer Packungsbeilage: Mag ja stimmen, aber es hält sich sowieso niemand dran.

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Küng’sche Souvenire: Kiloweise Sticker

Das Publikum schwärmte am Donnerstagabend nämlich in Scharen ins Kleintheater. Auf der Bühne lediglich ein schwarzer Holztisch, der allerdings nicht lange leer blieb. Einen Stapel mit all seinen Werken schleppte der gebürtige Basler mit. Dazu: 5,7 Kilogramm Sticker, die er auf Tutti.ch erworben habe und deren Schwerpunkt zufälligerweise Luzern war. Luga-Sticker, Werbekleber eines Bräunungsstudios oder das Sujet einer Guggenmusik: Nach der Lesung durfte jeder Besucher eines der Stücke mit nach Hause nehmen. 

Max Küng rettet wahrlich Dinge:  


 

Es sind so kleine Dinge wie Abziehbilder, die oft am Anfang von Max Küngs Kolumnen stehen. Eine Beobachtung aus dem Alltag, ein stinknormales Ereignis, das im Kopf von Max Küng wie durch eine Filtermaschine rauscht, um am Ende als humorvoller Extrakt ausgespuckt zu werden.

Sei es der Ärger über die Warteschleifen der Telekommunikationsfirma, die Mühen des Älterwerdens oder eine Frau, die am Nebentisch im Restaurant lautstark über den ach so guten Ofenfleischkäse palavert: Es sind oft vermeintlich banale Situationen, wie sie jeder kennt, deren Bedeutung den meisten ohne Max Küng indes verwehrt bliebe. Wobei das schon zu schwerfällig klingt: Küng ist ein Philosoph der Nebensächlichkeiten.

Charmant erzählte Anekdoten

Das Publikum im Kleintheater liess sich gerne auf diesem luftig-lockeren Teppich durch den Abend tragen. Mit viel Charme garnierte Max Küng seine Texte mit auf Schweizerdeutsch erzählten Anekdoten zur Entstehung oder den Hintergründen seiner Kolumnen. Beispielsweise, wie es dazu kam, dass er seinem Nachbarn eine gute Flasche Wein stehlen musste – und dass die Identität des Bestohlenen bis heute sein gut gehütetes Geheimnis geblieben ist.

Der Wahlzürcher umgarnte das Luzerner Publikum auch mit einer Portion Lokalkolorit. Nicht nur mit den Klebern, sondern auch durch eine Aufzählung seiner Kontakte zu und in Luzern, etwa das Treffen mit einem Kosmonauten im Verkehrshaus oder sein Porträt eines ehemaligen FCL-Spielers.

Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Denn Max Küng verstand es – mit fortschreitender Dauer der Lesung immer besser –, sich auf die Wirkung der Pointen in seinen Texten zu verlassen und auf theatralisches Brimborium zu verzichten. Das Publikum war bestens unterhalten. Wohl auch, weil Max Küng sichtlich Spass an der Lesung hatte und man spürte, dass er seine Texte liebt. Ja, gar eine ausgesprochen enge Beziehung zu ihnen führt.

Auf dem Rückweg, so erzählte er gegen Ende des Abends, würden sich immer jene Texte bei ihm beschweren, die er nicht gelesen habe. Um seine Liebsten zu besänftigen, kehrte er für drei Zugaben zurück auf die Bühne. Und widerlegte sich damit selber: Seine Kolumnen sind sehr wohl dazu geeignet, in grosser Menge konsumiert zu werden. 

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