«Eine solche Ammoniumnitrat-Explosion wäre in der Schweiz nicht möglich»
  • Gesellschaft
Die Firma Bugano stellt in Neudorf Feuerwerk her. (Bild: Google maps)

Luzerner Experte Toni Bussmann zu Explosion in Beirut «Eine solche Ammoniumnitrat-Explosion wäre in der Schweiz nicht möglich»

3 min Lesezeit 05.08.2020, 20:06 Uhr

In Beirut ist es am Dienstag zu einer gewaltigen Explosion gekommen, bei der Dutzende Menschen ums Leben kamen und Tausende verletzt wurden. Schuld könnte Ammoniumnitrat sein, das zur Herstellung von Feuerwerk verwendet wird. In der Schweiz wäre das Szenario aber nicht möglich, so Bugano-Chef Toni Bussmann.

Die Detonation im libanesischen Beirut brachte am Dienstag ganze Gebäude zum Einsturz. Eine rötliche, pilzförmige Wolke stieg über dem Hafen auf. Dutzende Menschen verloren ihr Leben – die genaue Zahl ist noch nicht klar. Tausende wurden bei der Explosion verletzt, die beschädigten Spitäler sind überfüllt.

Die Regierung vermutet, dass Ammoniumnitrat zur Explosion führte. Es handelt sich um ein Salz aus Ammoniak und Salpetersäure, das oft zur Herstellung von Dünger oder Sprengstoff – und damit auch Feuerwerk – verwendet wird. Im Hafen von Beirut sollen fast 3’000 Tonnen der Substanz gelagert worden sein. Es soll von einem Schiff stammen, das 2013 wegen Mängeln in Beirut hängengeblieben war. Das Schiff wurde schliesslich aufgegeben, die Ladung wurde in einem Lagerhaus untergebracht.

Hier gibts klare Vorschriften, was die Lagerung anbelangt

Einer, der sich mit explosiven Substanzen auskennt, ist Toni Bussmann, Inhaber der Feuerwerksfabrik Bugano AG in Neudorf. Auch er hat die Nachrichten aus dem Libanon verfolgt. Anhand der Bilder lässt sich jedoch nur spekulieren, was am Schluss tatsächlich zur Explosion führte. «War es ein vorausgegangenes Feuer? Oder wurde das Ammoniumnitrat durch Feuerwerk entzündet? Auf den Aufnahmen sind kurz vor der Explosion Sternfunken zu sehen, was für Letzteres sprechen würde.»

«Mehrere tausend Tonnen so zu lagern, wäre in der Schweiz nicht vorzustellen.»

Toni Bussmann, Inhaber Bugano AG

In der Schweiz wäre ein solcher Vorfall nicht möglich, stellt Bussmann klar. «Wir haben ganz klare Vorschriften, was die Lagerung von Ammoniumnitrat anbelangt. Mehrere tausend Tonnen so zu lagern, wäre in der Schweiz nicht vorzustellen.»

Erdwälle sollen Explosionen dämpfen

Firmen, die Ammoniumnitrat verwenden, würden dieses in 5- oder 25-Kilo-Säcken lagern. Käme es bei einem solchen Sack zu einem Vorfall, wäre dieser relativ harmlos, erklärt Bussmann. «Es gäbe eine Stichflamme, mehr nicht.»

In der Bugano AG selbst lagert man kein Ammoniumnitrat. Die Firma verwendet Salpeter, das geringe Mengen der Substanz enthält. Diese seien harmlos, so Bussmann.

Trotzdem: In einer Feuerwerksfabrik sind explosive Substanzen vorhanden. Die Bugano AG hat deshalb etwa Gebäude, die von Erdwällen umgeben sind, damit im Falle einer Explosion die Umgebung geschützt ist. In den Gebäuden wird das Schwarzpulver nach der Verarbeitung getrocknet, bevor die Feuerwerkskörper für den Verkauf abgepackt werden. Kommt das trockene Pulver in Kontakt mit Strom oder Feuer, kann es sich entzünden. Doch auch dann wäre die Sprengkraft nicht im Entferntesten mit jener zu vergleichen, die am Dienstag Beirut erbeben liess.

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