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Eine Rampensau – und damit ganz die Mutter
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(Bild: Zodiac Pictures/Pascal Mora)

Zugerin Lou Vogel kommt mit «Papa Moll» ins Kino Eine Rampensau – und damit ganz die Mutter

5 min Lesezeit 16.12.2017, 11:15 Uhr

Die Mutter ist eine erfolgreiche Fernsehproduzentin und Autorin, das Kind ist mit elf Jahren im Kino zu sehen. Lou Vogel, die Tochter der Luzernerin Nicole Simmen, hat die fiese Rolle in «Papa Moll» ergattert. zentralplus hat die beiden zuhause in Zug getroffen.

Es ist ein verregneter Nachmittag, die Frauen des Hauses sitzen daheim am Esstisch und basteln an den Weihnachtsgeschenken für die ganze Familie. Nicole Simmen und ihre Töchter Lou und Kim Vogel haben etwas Zeit zum Verschnaufen.

Jung ins TV – und noch jünger zum Film

Man kennt das Gesicht der Mutter. Nicole Simmen ist Kolumnistin, Texterin und vor allem Redaktorin, Autorin und Produzentin für diverse Formate im Schweizer Fernsehen. Mit erst 18 Jahren stand die Luzernerin erstmals, noch für TeleTell, vor der Kamera.

Doch nun wurde sie unterboten. Denn ihre Tochter Lou Vogel spielt im neusten Schweizer Kinofilm mit. Bei «Papa Moll» und seinen Abenteuern im Zirkus spielt sie die Rolle von Molls Chef Jackie, die Papa Molls Kindern das Leben schwer macht. Der von der Luzerner Firma Zodiac Pictures produzierte Kinofilm wurde im Sommer 2016 gedreht und kommt am 21. Dezember 2017 in die Kinos.

Die mittlerweile zwölfjährige Lou ist deshalb im Moment ständig unterwegs zu neuen Vorpremieren. Doch trotz inexistenter Wochenenden geniesst sie die Zeit. «Ich wollte schon seit Jahren in einem Film mitspielen, dass es nun wirklich geklappt hat, ist toll», sagt sie.

Die Grösse der ganzen Produktion hat Simmen zu Beginn am meisten überrascht. «Ich dachte, das ist wie Fernsehen, bloss grösser», sagt die Moderatorin. Doch sie hatte sich getäuscht. «Es waren so viele Leute am Set und jeder hatte seine Aufgaben, alles war perfekt organisiert», bemerkt auch Lou. Und auch die Detailtreue der fiktiven, an die 50er-Jahre angelehnten Welt sei unglaublich gewesen.

Ein Mal richtig böse sein

Als Nicole Simmen vor eineinhalb Jahren den grossen Aufruf für Kinderdarsteller sah, wusste sie, wem sie diesen zeigen musste. «Da wurde ein elfjähriges, kantiges, streitsüchtiges Mädchen gesucht – und ich dachte, das passt doch», neckt die 40-Jährige ihre jüngere Tochter und erzählt von dem trotzigen, angriffigen Blick, den Lou schon als kleines Kind hatte, wenn ihr etwas nicht passte. «Aber wir hätten beim ersten Casting niemals gedacht, dass sie schlussendlich wirklich vor der Kamera stehen würde.»

«Wir haben uns zu Beginn gefragt, ob wir das wirklich stemmen können.»
Nicole Simmen

Sie sei tatsächlich sehr weit von ihrer Rolle entfernt, betont Lou. «Aber es hat definitiv grossen Spass gemacht, Dinge zu tun, die einem sonst nicht erlaubt sind, und so richtig böse zu sein.» Die Schülerin hat nun Blut geleckt. «Entweder möchte ich im Bereich Schauspiel und Musical etwas machen, oder ganz in eine andere Richtung und Biologin oder Biochemikerin werden», erklärt Lou.

Natürlich brauche es zwar Talent, aber es sei auch eine grosse Portion Glück dabei, um es im Filmbusiness zu schaffen, gibt ihre Mutter zu bedenken. Auch gerade bei «Papa Moll» hätten ganz viele Faktoren den Ausschlag gegeben: «Wäre sie einen Kopf grösser gewesen, schon etwas älter und fraulicher oder ein anderer Typ, dann wäre sie gar nicht in Frage gekommen», sagt Simmen. Und gerade in der Schweiz sei der Filmmarkt nicht so gross. Es sei gut möglich, dass es eine einmalige Chance bleiben werde, erinnert sie ihre Tochter.

Schauspiel-Talent fällt weit vom Stamm

Woher Lou und auch die 14-jährige Kim ihr Talent fürs Singen oder Schauspielern hätten, sei den Eltern ein Rätsel, sagt Simmen. Beide kamen durch Simmens Freundin Nikol Camenzind zu den «Schwiizergoofe» und anschliessend fingen sie bei der Chamer Musicalschule «Voice Steps» an. «Ich kann hingegen überhaupt nicht singen, und auch Schauspiel ist nicht mein Bereich», sagt die Moderatorin. «Aber Lou und ich sind beides Rampensäue. Da sind wir uns sehr ähnlich.»

Die Tochter gibt zu, dass sie nicht unglücklich darüber ist, dass ihre Mutter weiss, dass sie nicht singen kann. «Auch tanzen kann sie nicht. Das sieht einfach so peinlich aus», betont die Zwölfjährige.

Mutter und Tochter auf dem heimischen Sofa.

Mutter und Tochter auf dem heimischen Sofa.

(Bild: jav)

Ein Thema, das Nicole Simmen nur zu gut kennt. Hat sie sich doch im Blog einer Freundin über das Peinlichsein als Mutter ausführlich geäussert. «Mit zwei pubertierenden Töchtern ist man plötzlich so viel weniger cool als zuvor.» Die Mutter soll bitte keine Selfies machen, nicht tanzen und singen und schon gar nicht über Smartphones und Apps sprechen, sind sich die beiden Teenie-Töchter einig.

Zwei Monate Ausnahmezustand

Für die ganze Familie war die Drehzeit eine ziemliche Herausforderung. Denn bei den Dreharbeiten war stets ein Elternteil mit dabei, in Bad Zurzach, an der polnischen Grenze, in Köln. Und daneben musste auch zuhause der Alltag weitergehen. Denn bei Kim ging normal die Schule wieder los und beide Elternteile arbeiten 70 bis 100 Prozent.

«Überall haben die Leute gestarrt.»
Lou Vogel

«Wir haben uns zu Beginn gefragt, ob wir das wirklich stemmen können», doch Nicole Simmen konnte vieles bei ihrer Arbeit auch im Homeoffice erledigen und auch ihr Mann konnte es sich für die Zeit einrichten. «Wir haben halt zwei Monate aneinander vorbeigelebt, aber das ist jetzt nicht so tragisch», sagt Simmen. Von der Schule wurde Lou für die paar Wochen nach den Sommerferien ohne Probleme dispensiert. Das gab zwar einiges an Aufgaben nach den anstrengenden Drehtagen und auch anschliessend viele Prüfungen nachzuholen, aber dafür habe Lou viel anderes gelernt, so Simmen. Sie habe bei den langen Wartezeiten am Set viel Geduld beweisen, trotzdem immer zuverlässig und bereit sein müssen. Zudem habe sie mit so vielen verschiedenen Menschen über Wochen intensiv und eng zusammengearbeitet – da komme einiges zusammen.

«400 andere Kinder waren beim Casting und ich hatte am Schluss die Möglichkeit mitzuspielen», betont Lou hier. Deshalb habe sie immer versucht, ihr Bestes zu geben, und auch an den brütend heissen Tagen im Zirkuszelt «gern» auf das Schwimmen in der Badi nebenan verzichtet.

Ganz orange in Paris

Und doch seien die Kinder am Set so gut umsorgt worden, dass sich Simmen Gedanken darüber machte, wie es werden würde, wenn Lou wieder im Alltag und der Schule, als eine von vielen, ankommen würde.

«Wir haben schon bei den Dreharbeiten klar gesagt: Es kann sich jetzt nicht alles um Lou drehen.» Ihre Schwester Kim durfte daher entscheiden, wohin es in den Ferien ging. Paris war ihr Wunsch und die Familie hoffte, dass Lous orangene 50er-Jahre-Frisur mit Riesen-Pony in der Stadt der Mode weniger auffallen würde. «Falsch gedacht. Nicht nur in Paris, überall haben die Leute gestarrt», sagt Lou und streicht sich glücklich über das wieder blonde Haar.

Ein Blick hinter die Kamera bei den Dreharbeiten.

Ein Blick hinter die Kulissen bei den Dreharbeiten zum Kinofilm.

(Bild: Zodiac Pictures /Pascal Mora)

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