Eine Rakete für den Klimawandel: Luzern erhält neues Wandbild
  • Regionales Leben
  • Kunst
Eine blaue-weisse Rakete prangt bald am Kauffmannweg 11 in der Stadt Luzern. (Bild: zvg)

Am Kauffmannweg in der Neustadt Eine Rakete für den Klimawandel: Luzern erhält neues Wandbild

4 min Lesezeit 11 Kommentare 19.02.2021, 11:30 Uhr

Auf einer grossen Fassade in der Luzerner Neustadt realisieren zwei Tessiner Künstler ein Wandbild zum Thema Klimaschutz. Sie haben sich in einem Wettbewerb gegen die lokale Streetart-Prominenz durchgesetzt.

Das Projekt ist Teil der aktuellen Klimaschutzkampagne der Stadt Luzern. «Wir leben Klimaschutz» wurde im August 2020 lanciert. Das Streetart-Projekt am Kauffmannweg ist dabei per Zufall Teil der Kampagne geworden.

Der Quartierverein Hirschmatt-Neustadt hatte die alte Hausfassade am Kaufmannweg 11 nämlich schon länger für ein Streetart-Projekt im Auge. Im März 2020 gelangte er mit dieser Idee an die Stadt. Man habe das Potenzial erkannt, das Projekt in die Kommunikation für die Klimawandelkampagne einzubauen, heisst es in einer Mitteilung der Stadt vom Freitag.

Die Katholische Kirche Stadt Luzern als Hausbesitzerin stellt die 21 Meter hohe Wand gratis zur Verfügung und unterstützt das Projekt ideell.

Raketenglace in blau-weiss und gefährdete Tierarten

Für das Projekt wurde in der Folge ein Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sieben Kunstschaffende teilnahmen. Daraus gingen die Tessiner Streetart-Künstler Nevercrew als Sieger hervor. «Ihr Raketenglace symbolisiert einerseits den Entdeckungsdrang der Menschheit», heisst es in der Würdigung der Jury. Die alte Feuertreppe werde als Startrampe treffend ins Bild integriert. «Die Rakete ist aber auch eine Glace aus Eis, welche als Folge der vom Mensch verursachten Aktivitäten schmilzt», heisst es weiter.

Folgende Ideen sind beim Wettbewerb eingereicht worden:

Die Natur stellt Nevercrew verwundbar dar, dem Menschen ausgeliefert: Die Tierwelt wird auf einen winzigen Teil des Bildes zurückgedrängt. Das Feuer am Stiel der Raketen-Glace gefährdet den letzten Lebensraum der Pinguine. Das brennende Streichholz löst laut der Jury den Impuls aus, die Flamme ausblasen zu wollen – und konfrontiert den Betrachter mit der eigenen Verantwortung in der Klimakrise. «Klimaschutz braucht einen Raketen-Schub von uns allen», sagt Peter Schmidli, Projektleiter Klimaschutz bei der Stadt Luzern.

Jurymitglied und Street-Art-Experte David «Chromeo» Kümin sagt: «Der Vorschlag von Nevercrew überzeugt mit seiner formalen wie inhaltlichen Präzision. So gelingt es den beiden Künstlern, einen thematisch sehr schweren Inhalt kritisch und zugleich charmant in die Sprache der Street-Art zu übersetzen und auf den Punkt zu bringen.»

Gross ist auch die Freude beim Quartierverein Hirschmatt-Neustadt. «Wir freuen uns schon jetzt darauf», sagt Co-Präsident Markus Schulthess, der ebenfalls in der Jury sass.

Der Facebook-Post der Stadt stiess innerhalb kurzer Zeit auf grosses Interesse. Auch wenn sich ein Nutzer die Frage erlaubte: «Raketenglacé in blau?»

Kosten von rund 25’000 Franken

Das Werk soll im Frühsommer 2021 realisiert werden, zurzeit läuft das Bewilligungsverfahren. Die Umsetzung dauert ein bis zwei Wochen. Die Kosten für die Stadt belaufen sich auf 20’000 bis 25’000 Franken. Den gleichen Anteil zahlt die Albert Koechlin Stiftung. Das Wandbild bleibt solange bestehen, bis die Katholische Kirche das Gebäude einer neuen Nutzung zuführt.

«Sehr gerne stellen wir eine Wand für dieses inspirierende Kunstwerk zur Verfügung.»

Karin Weber, Katholische Kirche Stadt Luzern

Mit diesem Projekt verbunden ist auch eine optische Aufwertung des etwas in die Jahre gekommenen Areals. Zudem wird damit die Kunstform Street-Art gefördert – das entspricht dem Willen der Politik. So hielt der Stadtrat nach einem Vorstoss der SP fest, dass die Stadt die Bedeutung von Street-Art als Beitrag zur Aufwertung des öffentlichen Raums anerkennt und bereit ist, diese wie bis anhin zu unterstützen.

Folgen weitere Bilder in Luzern?

Es ist folglich wünschenswert, dass dieses Projekt als Türöffner für weitere Street-Art-Projekte dient. «Für die Katholische Kirche Stadt Luzern sind Klima- und Umweltschutz zentrale Anliegen. Unter dem Stichwort ‹Bewahrung der Schöpfung› setzen wir uns schon seit Jahrzehnten dafür ein. Sehr gerne stellen wir eine Wand für dieses inspirierende Kunstwerk zur Verfügung», sagt Karin Weber, Fachbereichsleiterin Nachhaltige Entwicklung und Jurymitglied.

Street-Art könne eine Aufwertung in einer Stadt bedeuten. «Beim Wandbild von Nevercrew sind wir überzeugt, dass dies der Fall sein wird. Botschaft und Gestaltung überzeugen.» Weitere Street-Art-Projekte würde man sehr begrüssen.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

11 Kommentare
  1. Adamsapfler, 22.02.2021, 07:14 Uhr

    Hauptsache Aussenwirkung, Hauptsache Aktionismus, Hauptsache Sendungsbewusstsein.
    Dieses Geld könnte sicherlich sinnvoller für tatsächlichen Klimaschutz und nicht für blosse Klimaschutz-PR eingesetzt werden…

  2. Michelle Bianchi, 19.02.2021, 14:37 Uhr

    Die Stadt hegt offensichtlich die Ambition, ein zweites Bern zu werden. Mini-Reitschulen gibts ja auch schon ein paar. Nachdem der Tourismus und alles, was dranhängt, am Boden liegen, haben städtisch finanzierte Kulturprojekte bestimmt ein enormes Steuerpotenzial. Aus der Kirche bin ich längst ausgetreten und werde immer wieder aufs Neue bestätigt. Dies, obwohl keineswegs Atheistin.

    1. D.K., 19.02.2021, 15:29 Uhr

      Was heisst hier «hegen». Wir befinden uns längst in der lift-up-Phase!

  3. Cyrill Studer Korevaar, 19.02.2021, 14:30 Uhr

    Coole Sache, ich freue mich!

  4. Lotto im Säli, 19.02.2021, 14:09 Uhr

    Ich hätte den Bündner Bane, den ehemaligen Drogensüchtigen, für dieses Projekt gewählt. Passt inhaltlich bestens zum Gebäude, welches den Schalter 20 und das Wohnhuus beheimatet – grossmehrheitlich von Drogensüchtigen genutzt. So schlösse sich der Kreislauf. Und geschlossene Kreisläufe braucht der Klimaschutz der Zukunft ja schliesslich!

  5. Andy Bürkler, 19.02.2021, 12:23 Uhr

    Ach ja, aus der römisch-katholischen Kirche wollte ich dieses Jahr auch noch austreten.
    Gut, erinnert sie mich gleich selber daran.
    Wenn die Kirche sich aufführt wie eine politische Partei, dann darf sie sich nicht wundern, wenn man sie auch abwählt wie eine politische Partei.

    1. Fitz, 19.02.2021, 13:39 Uhr

      Wenn Sie finden, dass sich eine religiöse Gemeinschaft nicht für Umweltthemen engagieren darf, dann sind Sie dort nur ein Klotz am Bein. Tschüss.

    2. Melchior von Mühlenen, 19.02.2021, 14:40 Uhr

      Wohlgemerkt, ich bin schon vor zwanzig Jahren ausgetreten. Aber die Idee, dass eine Kirche zu wichtigen Themen keine Haltung einnehmen dürfe, die finde ich sehr absurd. Eine Kirche ohne jegliche Standpunkte, wozu sollte man da Teil von sein wollen? Ohne bestimmte Werte – die sich naturgemäss irgendwann in Haltungen äussern – wäre sie ja komplett obsolet.

    3. Andy Bürkler, 19.02.2021, 18:40 Uhr

      @Fitz und Melchior: Ich sehe das anders.
      Es geht mir auch nicht direkt und nur um dieses Rakete, aber z.B. um die Konzernverantwortungsinitiative.
      Religion bedeutet für mich Spiritualität. Mit dem hier und jetzt hat das nicht viel zu tun.
      Wenn die Kirche meine (Tages-)politischen Gegner unterstützt, statt unpolitisch für alle da zu sein und einen höheren Sinn zu vermitteln, dann hat sie für mich keinen Wert mehr.
      Dann möchte ich nicht mehr dazugehören.

    4. Freie Religion, 22.02.2021, 06:52 Uhr

      @Andy – Kirche ist hauptsächlich nur ein Märchen. Genau wie Wilhelm Tell, Max und Moritz etc.

    5. Hugo Ball, 22.02.2021, 10:42 Uhr

      Märchen wie bei Marx & Moritz…

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF