Eine Parallelwelt unterm mexikanischen Restaurant
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Der Geschäftsführer Raphael Märki ist mit seinem ersten eigenen Klub, der Kegelbahn, vor zwei Jahren ins kalte Wasser gesprungen. (Bild: jav)

Zwei Jahre «Klub Kegelbahn» Luzern Eine Parallelwelt unterm mexikanischen Restaurant

5 min Lesezeit 20.11.2015, 11:55 Uhr

Wie die Jungfrau zum Kinde kam Raphael Märki zum «Klub Kegelbahn». Doch der Schritt hat sich gelohnt. Nach zwei Jahren kann der Geschäftsführer positiv zurück und nach vorne schauen. Auch wenn er einige Turbulenzen und schwierige Phasen erlebte.

Vor zwei Jahren sprang Raphael Märki ins kalte Wasser und eröffnete in der alten Kegelbahn unter dem mexikanischen Restaurant Crazy Cactus in der Baselstrasse seinen ersten eigenen Klub. «Wenn ich zurückdenke, dann habe ich gleichzeitig das Gefühl, ich hätte gerade erst begonnen, und andererseits ist in den zwei Jahren so viel passiert.» Nun freut er sich auf das Jubiläums-Wochenende (siehe Box).

Plötzlich war er da

Der Nidwaldner hat eigentlich Industrieelektriker gelernt. Doch bald schon war er als DJ unterwegs und veranstaltete Konzerte und Partys in Luzern und Nidwalden. Lustigerweise habe er damals zu einem Freund gesagt: «Ich werde einmal einen kleinen Kellerklub in der Baselstrasse schmeissen.» Aber wirklich geplant habe er es nie.

Der 33-Jährige hatte gerade eine Ausbildung zum Tontechniker absolviert und ganz andere Pläne, als die Kegelbahn in sein Leben trat. «Aus dem Nichts heraus war plötzlich die Möglichkeit da, diesen Klub aufzuziehen, und ich konnte nicht anders», so Märki.

«Natürlich lebt man teilweise in einer Parallelwelt.»
Raphael Märki, Geschäftsführer Klub Kegelbahn

Am Anfang habe er turbulente Zeiten erlebt – nicht nur mit den neuen Aufgaben, sondern auch im eigenen Alltag. «Den Rhythmus zu finden war zu Beginn nicht leicht», gibt Märki zu. Doch mittlerweile habe er den Ausgleich zwischen dem Leben tagsüber unter der Woche und dem Leben in der Nacht am Wochenende gefunden. «Natürlich lebt man teilweise in einer Parallelwelt. Gerade wenn man am Freitag, Samstag mit Freunden zu Abend isst und anschliessend zur Arbeit statt weiter in den Ausgang geht.»

Wird nie ein Selbstläufer

Die Kegelbahn hat durch seine Grösse und die eigenwillige musikalische Ausrichtung einen ganz eigenen Charme. «Es hat etwas Intimes und gleichzeitig Anonymität.» Gerade wenn am Wochenende richtig getanzt werde, sei das die perfekte Mischung. Auch die für einen Klub etwas seltsame Raumaufteilung ist kein Nachteil: Da es sich tatsächlich um eine alte Kegelbahn handelt, ist das Lokal mit 15 Metern Länge viel länger als breit. «Die DJs sind bei uns mittendrin, die Leute tanzen praktisch um sie herum.»

Märki schwärmt richtig von der ungewöhnlichen Location. «Die Atmosphäre und der Ort sind grossartig. Es hat eine sehr urbane Ausstrahlung. Der Eingang gleich neben dem Grillstand des Crazy Cactus, dann die schmale dunkle Treppe hinunter, die wie eine Schleuse wirkt – auf einen anderen Planeten.» Und auch der Klub selbst habe in den letzten zwei Jahren immer mehr Gestalt angenommen. Immer wieder werden kleine Arbeiten gemacht. «Es wird sich auch ständig weiter verändern. So soll es sein.»

«Wir werden immer kämpfen müssen.»

Das habe er auch von Anfang an gewusst. «Dieser Klub wird nie ein Selbstläufer wie eine Bar am Bahnhof zum Beispiel. Wir müssen die Leute durch das Booking und den Ort dazu bringen, sich hierher zu bewegen. Wir werden immer kämpfen müssen.» Trotzdem laufe es gut, sagt Märki. «Wir sind sehr klein, das ist perfekt so. Wären wir grösser, würde es wahrscheinlich in einer Stadt wie Luzern nicht funktionieren.» Auch das Team sei sehr eingespielt: «Stefan Bernasconi und Gregory Gornik sind beide fast seit Beginn dabei und gehören zum harten Kern des Lokals.»

Der Anfangshype jedoch hat sich gelegt – unglücklich darüber ist das Kegelbahn-Team darüber nicht wirklich. «Das ist immer dasselbe, geht etwas Neues auf, ist etwas Underground, dann sind zu Beginn immer dieselben Leute da.» Das lege sich jedoch nach einigen Monaten wieder und es etabliere sich das Publikum, welches sich wirklich dort zu Hause fühle und die Musik ernsthaft interessiere.

Mit dem Restaurant hat Märki keine Probleme: «Wir haben mittlerweile ein schönes Verhältnis aufgebaut. Zu Beginn konnten sie mich nicht so richtig einschätzen und waren teilweise skeptisch. Aber wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können.»

Eigene Richtung gefunden

Der Klub hat in der Szene mittlerweile einen Ruf aufbauen können. «Wir werden wahrgenommen, über kantonale Grenzen hinweg, und auch geschätzt.» Und es habe sich in den zwei Jahren eine ganz eigene Dynamik entwickelt. «Wir haben fixe Veranstalter und Resident DJs, die selbst wieder DJs einladen.» Diese Veranstalter seien alle extrem unterschiedlich in ihren Stilrichtungen, «aber irgendwie passt auch alles zusammen».

«Wir sind Underground.»

Die Kegelbahn war von Beginn an für verschiedenste Musikrichtungen offen. «Wir haben uns mit der Zeit noch mehr geöffnet. Was aber bleibt: Wir sind Underground.» Kein Unterhaltungssound, sondern immer mit Gefühl, betont Märki.

Das Jubiläum im Klub Kegelbahn

Am Freitag, 20. November ab 23 Uhr
90s Hip Hop; in Zusammenarbeit mit THE STRAIGHT AND NARROW
Mos Tief (CH; Schlechter Einfluss)
King Gin (CH)
Special Ed-in (CH; NjoyMusic, THE STRAIGHT AND NARROW)
Insidious Sid (CH; THE STRAIGHT AND NARROW)

Am Samstag 21.  November ab 23 Uhr
Rave, Techno, Bliss; in Zusammenarbeit mit zweikommasieben
Aïsha Devi (CH; Danse Noire, Houndstooth) live
Mr. Peña (CH; Acc-Ess)
Danse Noire DJs (CH; Danse Noire)
Martin Meier (CH; Korsett Kollektiv, zweikommasieben)
Light of the Miracle (CH; TWOETS, zweikommasieben)

«Wir erhalten extrem viele Anfragen, es ist sensationell.» Aber die Kegelbahn ist wählerisch. «Ein richtig guter DJ für die Kegelbahn braucht drei Sachen: Er muss die Tanzfläche lesen können, er braucht die Technik und die richtige Musik.»

Das Thema Drogen ist gegessen

Doch das Team erlebt auch immer mal wieder einen Dämpfer. Konzerte unter der Woche würden zum Beispiel selten funktionieren. «Jeder spricht von Subkultur, aber wenn man etwas bringt, dann kommt keiner», bedauert Märki.

Man wisse bei solchen Experimenten nie, was einen erwarte. «Es ging schon richtig ab, aber wir standen auch schon mal alleine da.» Das Tolle sei aber, dass man sich mit dieser Klub-Grösse solche Versuche leisten könne.

Ein Thema habe ihnen zwischenzeitlich Probleme gemacht: Drogen. «Es gab eine Phase, in welcher wir ziemlich hart durchgreifen mussten, da der Konsum bei eingen Leuten offensichtlich wurde. Aber wir reagieren sofort, wenn wir bemerken, dass es jemand übertreibt», so Märki. Man könne es schliesslich niemandem verbieten, aber wenn es unangenehm werde oder jemand im Klub selbst etwas konsumiere, dann höre der Spass auf. «Das Thema ist zum Glück aber mittlerweile gegessen.»

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