Brass-Oper als psychedelischer Trip durch die Wildnis
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In der Hauptrolle von «Dschungel» ist Nina Langensand als Brahma zu sehen. (Bild: Ingo Hoehn)

«Dschungel» im Luzerner Theater Brass-Oper als psychedelischer Trip durch die Wildnis

3 min Lesezeit 09.02.2020, 12:08 Uhr

Die Inszenierung «Dschungel» wurde vom Luzerner Theater gemeinsam mit der spektakulären Brassband Bürgermusik Luzern uraufgeführt. Die Oper vom jungen Entlebucher Komponisten Manuel Renggli nach einer Geschichte von Michael Fehr bringt die Bühne zum Glühen. Grossen Anteil daran hat auch der Luzerner Origami-Künstler Sipho Mabona.

Es ist das erste Mal, dass sich Manuel Renggli für die Komposition eines grossen Werks wie der Oper entschlossen hat. In diesem im Auftrag des Luzerner Theaters komponierten 70-minütigen «Dschungel» für Brassband und Synthesizer, gelang es dem Entlebucher Komponisten, verschiedene Musikrichtungen von Jazz bis Hip-Hop eindrucksvoll zu mischen.

Die nicht wenigen Leute, die – auch unter den Zuschauern der Uraufführung – noch der Meinung waren, dass eine Brassband in einer Oper nichts zu suchen hat, vergassen ihre Zweifel. Der Komponist, die international bekannte Brassband Bürgermusik Luzern und Tobias Reber am Synthesizer unter der Leitung von Michael Bach haben am Samstag bewiesen, dass die Kombination Oper-Brassband sehr spannend sein kann. Das Ensemble aus Blechbläsern kann diverse Stilarten glänzend ausführen.

Glänzend in mehreren Rollen

Die Musiker spielten präzis, raffiniert und so dynamisch und geschmeidig, dass sie allen Klängen und Farben der sehr differenzierten Partitur gerecht wurden. Blechbläser können sehr laut werden, jedoch haben sie die Sängerinnen und Sänger nie übertönt, Stimme und Text blieben verständlich. Und dies, obwohl die Partitur noch einen Synthesizer vorsieht, der einen zusätzlichen, psychedelischen Sound produziert.

Grandios war die Leistung aller Interpreten, viele in mehreren Rollen. Hervorzuheben sind jene von Diana Schnürpel als gelbe, altkluge Schlange Atlanta, Vuyani Mlinde als Roter Baron, Buju und Anführer der Hunde sowie von Hubert Wild als gefiederter Mensch.

Und natürlich glänzen Nina Langensand in der Sprechrolle der Protagonistin Brahma und Walter Sigi Arnold als Erzähler und Panther. Sehr gut war auch die Leistung des Chors des LT (Einstudierung: Mark Daver).

«Dschungel» auf der Luzerner-Theater-Bühne. (Bild: Ingo Hoehn)

Sprachlich umwerfend

Renggli vertonte für seine Oper eine dunkle, aber sprachlich umwerfende Geschichte des Berner Autors und anerkannten Spoken-Word-Künstlers Michael Fehr, der von der «Zeit» als «neuer Schweizer Literaturstar» definiert wurde.

Die Protagonistin ist hier Brahma, ein Strassenmädchen, das Drogen nimmt und nachher in den Dschungel reist, nicht zuletzt, um der Gewalt einer alkoholkranken Mutter zu entfliehen. Hier erlebt Brahma alles Mögliche und trifft verschiedene Tiere und Menschen.

Trip, Halluzination, Traum, Metapher oder Realität? Wir wollen natürlich die möglichen Interpretationen des Werks, dessen Botschaft und das Finale nicht verraten. Im Grunde lässt auch die Inszenierung des Basler Regisseurs Tom Ryser (Bühnenbild: Sipho Mabona, Kostüme: Birgit Künzler, Licht: Clemens Gorzella) diese Fragen offen, obwohl sie oft gar didaktisch wirkt. Vielleicht auch wegen der Omnipräsenz eines Erzählers. Ist ein solcher in einer Oper überhaupt notwendig?

«Dschungel» auf der Luzerner-Theater-Bühne. (Bild: Ingo Hoehn)

Origami-Dschungel wandelt sich

Ein grosses Lob verdient der vom Luzerner Origami-Künstler Sipho Mabona auf die Bühne gebrachte, sich stets verändernde Dschungel. Die Origami-Kunst besteht bekanntlich aus gefalteten Papieren, die sich zu dreidimensionalen Objekten transformieren lassen.

Klein oder gross, einfach oder kompliziert, grün oder weiss, blau oder grau erzeugen sie Neugier und Aufmerksamkeit, da sie stets den Eindruck von Bewegung und Dynamik geben. Es gäbe kaum ein besseres Konzept für eine Oper, deren Motto Verwandlung ist.

Verwandlung, Veränderung, Transformation sind überall im «Dschungel». Nicht nur beim gefiederten Menschen, nicht nur bei der Protagonistin Brahma, sondern bei allen Dingen, Tieren, Pflanzen und Personen.

Bis 3. April, Luzerner Theater

Die Brass-Oper mit der sich stetig wandelnden Bühne überzeugt. (Bild: Ingo Hoehn)

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