Eine Luzerner Doku zeigt das Plastikproblem in Fernost
  • Gesellschaft
(Bild: Corina Rainer)

Macherinnen über Projekt «Hoffnung» Eine Luzerner Doku zeigt das Plastikproblem in Fernost

3 min Lesezeit 24.01.2021, 19:00 Uhr

Ein neuer Dokfilm, den das Luzerner Kulturmagazin Frachtwerk am Samstag veröffentlichte, zeigt, wie eine Insel in Indonesien dem Plastik den Kampf ansagt. Die zwei jungen Filmemacherinnen erzählen, wie sie die Dreharbeiten erlebt haben.

Weite Strände, romantische Sonnenuntergänge und eine warme Brise – so stellt man sich eine Reise nach Indonesien vor. Dem war nicht ganz so, als die beiden jungen Filmemacherinnen Corina Rainer und Somara Frick ihre Reise in den Fernen Osten in Angriff nahmen. Und auch deren Mission ist für zwei junge Frauen Mitte zwanzig nicht ganz üblich: Sie haben sich nämlich mit Kamera und Mikrofon auf den Weg gemacht, um das Leben mit dem Plastikmüll zu dokumentieren.

Für ihr Projekt, das den Namen «Hoffnung» trägt, flogen die zwei Frauen auf die indonesische Insel Medang: «Dort bedrohen Unmengen an angeschwemmtem Plastik die Gesundheit von Mensch und Natur. Doch Medang scheint eine vielversprechende Lösung gefunden zu haben: eine Pyrolyse-Maschine», erklärt Rainer auf Anfrage. Eine solche Maschine soll Altplastik zu Benzin, Diesel und Kerosin umwandeln. Ob und wie das funktionieren soll, damit beschäftigten sich Rainer und Frick auf ihrer Reise. «Wir begleiteten die Umweltschützerin Lisa und den indonesischen Lehrer Amir bei ihrem Projekt, das Schicksal einer Insel zu wenden», führt Rainer aus.

Kulturunterschied war gewöhnungsbedürftig

Die Botschaft der Dokumentation ist klar: «Für das Plastikproblem in Indonesien und auf der ganzen Welt gibt es keine Universal-Lösung. Aber der erste Schritt zu jeder Art von Lösung ist es, einfach einmal anzuerkennen, wie dringlich die Situation ist und dass wir handeln müssen», so Rainer. Dabei betont sie: «Wenn wird auch nur eine Person dazu gebracht haben, ihren eigenen Plastikkonsum und das Verhältnis zur eigenen Müllentsorgung zu überdenken, finde ich das toll.»

Die Reise war für beide nicht immer ganz einfach: «Einmal wurden wir unterwegs von johlenden Punks überrascht, die unser Auto kaperten», erzählt Rainer und meint weiter: «Doch was uns anfänglich ein Schrecken eingejagt hat, erwies sich später als ganz normal und nichts Negatives dortzulande.» Als besonders faszinierend und berührend empfanden die zwei Filmemacherinnen die Gastfreundschaft der Menschen auf der indonesischen Insel.

«An einem Drehort war es unglaublich heiss, es gab kein fliessendes Wasser und nur acht Stunden Strom pro Tag.»

Corina Rainer

Eine grosse Herausforderung, der sich beide stellen mussten, waren die dort herrschenden Drehbedingungen: «An einem Drehort war es unglaublich heiss, es gab kein fliessendes Wasser und nur acht Stunden Strom pro Tag», erklärt Rainer. Auch kulturell sei es immer wieder eine grosse Herausforderung gewesen, mit dem Dreh des Filmes voranzukommen. Häufig waren sie nämlich mit Sprachbarrieren konfrontiert: «Es war für uns ein spezielles Gefühl, auf einer Insel zu sein, die Sprache der Leute nicht zu sprechen und nicht genau zu wissen, wie man wieder nach Hause kommt. Aber es hat ja schliesslich alles super geklappt.»

Entstanden ist die Dokumentation im Rahmen einer Serie beim Luzerner Kulturmagazin Frachtwerk. Das auf Kultur und Musik ausgerichtete Magazin mit Sitz auf der Zwischennutzung NF49 am Seetalplatz veröffentlicht in seinem Format «Docks» in regelmässigen Abständen Kurzdokus, die von Macherinnen des Magazins produziert wurden.

Dokus müssen nicht perfekt sein

Maurice Koepfli ist gemeinsam mit Corina Rainer in der Co-Leitung des Formats Docks und meint: «Docks ist ein durch das Kulturmagazin frachtwerk ins Leben gerufenes Label für Dokumentarfilme. Im Gusteau von ‹do it yourself› werden unter diesem Label eigene Dokus produziert und die Werke anderer Filmemacherinnen präsentiert.» Dabei bestehe auch nicht der Anspruch, technisch perfekte Dokus zu veröffentlichen. Und auch die Formalitäten und Produktionsbudgets seien zweitrangig, die persönliche Note des Machers sei viel wichtiger.

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