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Eine kleine Reise nach Kroatien ans Meer
  • Kultur
  • Rezension
Mare im gleichnamigen Spielfilm (Bild: cinefile.ch)

«Mare» und cinefile.ch begeistern Eine kleine Reise nach Kroatien ans Meer

4 min Lesezeit 04.04.2020, 07:55 Uhr

Die Kinosäle sind geschlossen, die Programme vorläufig ohne Höhepunkte und die Sitzplätze unbesetzt. Trotzdem bleibt uns der Zugang zu aktuellen Kinofilmen nicht verwehrt.

Das Bourbaki Kino Luzern verweist auf die Streaming-Plattform cinefile.ch, auf welcher unter anderem der neue Film der Luzerner Regisseurin Andrea Štaka von zu Hause aus geschaut werden kann.

Der Film «Mare» ist eine Collage aus vielen unterschiedlichen und doch miteinander verbundenen Blitzlichtern in den Alltag der mit dem Filmtitel gleichnamigen Protagonistin. Mare meistert den gewöhnlichen Alltagstrott mit ihrem Mann und den drei Kindern im kroatischen Dubrovnik mit einer Gleichgültigkeit gegenüber allen Herausforderungen, die ihr gestellt werden. Trotzdem zeigt sie Durst nach Veränderung. Da begegnet sie Piotr, der ihrem Wesen eine vorher nie dagewesene Leidenschaft verleiht.

Trailer zum Film «Mare»

«Mare» (Regie: Andrea Štaka) ist zum Streamen verfügbar unter cinefile.ch.

Durch den gewöhnlichen Alltagstrott

Die ganze Familie kommt ins Bad, während sie auf der Toilette sitzt, sie erwischt ihren Sohn beim Rauchen, auf dem Herd verbrennt das Essen, der Lärm des nahegelegenen Flugplatzes überschallt die Gespräche. Mare sieht über diese kleinen Mühseligkeiten hinweg und hält die Familie mit der Liebe für ihre Kinder zusammen. Trotzdem wird deutlich, dass ihr etwas Spannung, Abwechslung und vor allem Freude im alltäglichen Leben fehlt.

Dem nahegelegenen Flugplatz wird eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Die in die Luft abhebenden Flugzeuge stehen quasi symbolisch für Mares Sehnsucht und Lust nach Freiheit und Veränderung. Ausgerechnet an diesem Ort schafft es der polnische Gastarbeiter Piotr, sie in einer ersten kurzen Begegnung zu einem herzhaften Lachen zu bringen. Er erweckt in ihr eine Leidenschaft, der sie nicht zu widerstehen vermag. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Affäre.

Die Betrachtenden erzählen

Andrea Štaka erschafft mit ihren Bildern keinen gewöhnlichen Spannungsaufbau. Die Handlung ist von Anfang an absehbar und würde in Klischees zu verfallen drohen, wäre da nicht Štakas besondere Art, eine Geschichte zu erzählen. Die dargestellten Szenen werden unerwartet abgebrochen und in einer dazu in starkem Kontrast stehenden folgenden Szene fortgesetzt. Dazwischen sind die Betrachtenden aufgefordert, die Verbindungen selbst zu erzählen. Es ist also weniger die Handlung an sich, die zum Aufbau einer Spannung führt, sondern die Art und Weise, wie sie erzählt wird.

Mare meistert den Alltag mit allen kleinen und grösseren Widerständen. (Bild: cinefile.ch)

Der analoge 16-mm-Film, mit der Kameramann Erol Zubčević filmt, gibt den Bildern einen ganz besonderen Charakter. Das Bildformat und die abgerundeten Ecken sind Merkmale des Films. Die Farben sind sehr kräftig und der körnige Charakter des Films bildet das Meer und die Landschaft Kroatiens sehr rein und pur ab. Die wacklige Kameraführung verleiht dem Film etwas Reportagenähnliches. Die Kamera ist nah an den Darstellenden dran. Mares wilde, rotbraune Kurzhaarfrisur und ihr mit Sommersprossen bedeckter Nacken stehen immer wieder im Zentrum des Bildes und prägen sich im Kopf der Betrachtenden ein. Ebenso setzen sich die authentischen Geräusche des Alltags fest, die immer wieder in Kontrast zum Dröhnen der abhebenden Flugzeuge gestellt werden.

Wer nach Action und einer packenden Spannung sucht, greift mit «Mare» definitiv zum falschen Film. Andrea Štaka überzeugt nicht mit ihrer Geschichte. Sie überzeugt mit einem Sinn für Ästhetik, der besonderen Montage und dem Einsatz einer kraftvollen, bodenständigen Frau als Protagonistin. Mares starke Persönlichkeit und ihr Lachen, das wir nur selten, aber dafür umso kräftiger und herzlicher zu hören bekommen, gibt unserem eigenen Alltagstrott etwas Frische.

Die Begegnung mit Piotr eröffnet Mare eine neue Welt. (Bild: cinefile.ch)

«Mare» und mehr Filme auf cinefile.ch

Wer «Mare» sehen möchte, kann dies auf der Streamingplattform cinefile.ch tun. Cinefile bietet eine Übersicht auf das Kinoprogramm einer Anzahl von Schweizer Kinos und zu jedem Film eine Inhaltsangabe, den Trailer und eine kurze Kritik. Vor allem ermöglicht die Plattform aber das Streaming einiger neuer Kinofilme. Neben aktuellen Kinofilmen wird der Zugang zu einer grossen Auswahl auserlesener Klassiker, Dokumentarfilme und Kurzfilme, die laufend erneuert wird, gewährt. Ergänzt wird das Angebot mit Filmbesprechungen, Videoessays, Interviews und weiterführendem Hintergrundwissen über die Welt der Filme. Mit dem Star der Stunde werden von der Plattform immer wieder neue Filme hervorgehoben und empfohlen, was einen davor bewahrt, viel Zeit mit der Auswahl eines passenden Films zu verlieren. Kinos wie das Bourbaki schlagen gleich selbst sehenswerte Filme vor. Zurzeit steht neben «Mare» auch der Schweizer Film «Baghdad in My Shadow» von «Samir» im Fokus. Auf der Bourbaki Cinefile-Seite finden alle Film- und Kinofans noch viel mehr.

Auf die Kinofilme kann mit einer Einzelmiete zugegriffen werden. Für jene, die mit einem Film nicht genug haben, gibt es Stream99, das Flatrate-Abo. Für 9 Franken im Monat können über das ganze Jahr verteilt 99 Langspielfilme und zusätzlich 49 Kurzfilme gestreamt werden.

Das ganze Angebot gibt es nicht erst, seit wir wegen der Corona-Krise nicht mehr ins Kino dürfen, und es wird auch danach bestehen bleiben (auch wenn wir vielleicht dann vorerst froh sind, Filme ausserhalb unserer eigenen vier Wände zu schauen). Aber was spricht dagegen, auf dem Lieblingssessel und in der Trainerhose zu Hause gute Filme reinzuziehen? Und ausserdem wird mit dem Mietpreis oder dem Abonnement die Schweizer Verleih- und Kinobranche unterstützt.

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