Eine Impfpflicht kommt für Luzerner Hotels nicht infrage
  • Wirtschaft
Conrad Meier ist Direktor des Grand Hotel Europe und Präsident von Hotellerie Suisse Sektion Luzern. (Bild: zvg)

Betriebe setzen auf Eigenverantwortung Eine Impfpflicht kommt für Luzerner Hotels nicht infrage

3 min Lesezeit 11 Kommentare 04.08.2021, 11:56 Uhr

Allmählich wagen sich wieder Touristen aus dem In- und Ausland in die Ferien und damit in Hotels. Trotz steigender Zahlen und einer stockenden Impfkampagne. Von einer Impfpflicht will man bei den Luzerner Hoteliers aber noch nichts wissen. Hier setzt man auf Eigenverantwortung und das GGG-System.

Vielerorts kehrt langsam wieder Normalität ein – obwohl die Corona-Infektionen in den vergangenen Tagen wieder stetig ansteigen. Und die Impfkampagne im Kanton Luzern kommt weiterhin nicht so richtig in Fahrt. Von anfänglich rund 2’000 Anmeldungen pro Tag, sind es zurzeit weniger als 300. Stand Ende Juli sind knapp 40 Prozent der Luzerner Bevölkerung vollständig geimpft (zentralplus berichtete).

Mit der Normalität kehrt auch langsam – sehr langsam – wieder etwas Leben in den Tourismus zurück. Vielerorts gilt das GGG-System, also «Geimpft, Genesen, Getestet». Für Vertreter des Schweizer Tourismus ist auf längere Sicht aber nur die Impfung eine gangbare Lösung, wie sie neulich in der Presse verlauten liessen.

«Die Impfung ist unser Weg für sichere Ferien und gesunde Betriebe», sagte Jürg Domenig, Geschäftsführer von Hotellerie Suisse Graubünden gegenüber der «Sonntagszeitung». Momentan würden Massnahmen wie Abstände einhalten, desinfizieren und die Maskenpflicht einen hohen Aufwand verursachen – für Gäste und Angestellte. Auch Sport- und Wellnessanlagen seien nur beschränkt nutzbar. «Mittelfristig ist die Impfung deshalb das Eintrittsticket für Hotels», so Domenig.

Luzerner Hotels setzen auf persönliche Verantwortung

Dass diese Idee heikel ist, ist man sich auch beim Dachverband Hotellerie Suisse bewusst. Wie dieser im Presseartikel betont, könnte ein grosser Teil der Stammgäste durch ein Impfobligatorium abgeschreckt werden – eine Ansicht, die man auch in Luzern teilt.

«Uns ist aktuell kein Hotel bekannt, welches eine Impfpflicht für Mitarbeiter und Gäste andenkt», erklärt Conrad Meier, Präsident Hotellerie Suisse Sektion Luzern, auf Anfrage. «Der Tenor geht in die Richtung, dass jeder frei entscheiden soll, ob er sich impfen will oder nicht.» Allerdings würden die Mitarbeitenden sensibilisiert und informiert, damit «eine hohe Impfquote erreicht werden kann», so Meier.

«Wir sehen diese Thematik neutral und sind gespannt, was auf uns zukommt.»

Gian Walker, Geschäftsleitungsmitglied Hotel Schweizerhof

Das sieht man auch beim Hotel Schweizerhof so. «Wir sehen diese Thematik neutral und sind gespannt, was auf uns zukommt. Grundsätzlich freuen wir uns über jeden Gast – egal, ob geimpft oder nicht», sagt Gian Walker, Mitglied der Geschäftsleitung, gegenüber zentralplus.

Meier, der höchste Luzerner Hotelier, ist sich sicher, dass eine Impfpflicht einen Teil der Gäste definitiv abschrecken, gleichzeitig aber von einem anderen Teil befürwortet werden würde. Bis auf Weiteres bleibt man in Luzern also beim GGG-System. Gemäss Meier seien die Erfahrungen damit sehr gut. «Die meisten Veranstaltungen finden mittlerweile als ‹Covid-Zertifikat-Veranstaltung› statt.» Hilfreich seien ausserdem die neuen Teststationen in Luzern, die für spontane Anfragen auch abends und am Wochenende geöffnet haben (zentralplus berichtete).

Wetter macht nicht mit

Grundsätzlich läuft es für die Hotels im Kanton «ähnlich oder leicht besser» als noch im Vorjahr. Conrad Meier stellt aber fest, dass wieder vermehrt internationale Gäste – hauptsächlich aus den USA, den Arabischen Emiraten und Deutschland – in Luzerner Hotels einkehren. «Diese gleichen die fehlenden inländischen Gäste aus, welche nun vermehrt im Ausland Sommerferien machen.» Beim Hotel Schweizerhof liegt die Auslastung momentan «leicht über den Erwartungen für den Sommer 2021».

Besonders viele Gäste werden gemäss Meier für den kommenden Grossanlass, das Lucerne Festival, erwartet, das am 10. August beginnt und bis am 12. September dauert (zentralplus berichtete). Hier wird laut Meier nämlich ein «deutlicher Anstieg der Belegungszahlen» verzeichnet.

Davon profitieren aber nicht alle Hotels im Kanton. Beim Seehotel in Kastanienbaum beispielsweise liegt die Zimmerauslastung ungefähr auf Vorjahresniveau, einen Einbruch habe man aber bei der Gastronomie verzeichnen müssen, wie Dominik Grossenbacher, Mitinhaber des Seehotels, auf Anfrage erklärt. «Seehotels sind sehr stark auf das Wetter angewiesen. Und das schlechte Wetter der letzten Wochen hat sich sehr auf den Gastro-Betrieb ausgewirkt.»

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11 Kommentare
  1. retep rennaw, 05.08.2021, 13:10 Uhr

    Ich hör sie schon, die Aufschreie, wenn öffentlich zugängliche Gebäude nur noch von «UN – geimpften betreten werden dürfen. Wie war das denn, mit der Zweiklassen Gesellschaft resp. der Drittenklasse. Wo nur, sind wir gelandet.
    LAZY

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  2. Armando, 04.08.2021, 21:09 Uhr

    Solange in Schweizer Hotels ungeimpfte Gäste Zutritt haben, sehen die mich nicht. In D, I und F haben nur Gäste mit Impfzertifikat Zutritt, das ist auch richtig so.

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  3. Paul Bründler, 04.08.2021, 20:12 Uhr

    Ich verstehe wirklich nicht, wie man noch voll auf diese Impfstoffe setzen kann.
    Jeden Tag kommt ein neues Problem damit ans Licht.
    z.B. heute «Lambda zeigt sich resistent gegen Impfstoffe».

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    1. Stefan Imholz, 04.08.2021, 21:03 Uhr

      Sie haben die Begriffe «möglicherweise resistent» und «Neuen Untersuchungen zufolge könnte die Variante den Impfschutz mindern» weggelassen. Sowas wie Ihr Zitat nenne ich bewusstes Irreführen und ist höchste unlauter. Es waren ein paar japanische Forscher, die das behaupten, die Studie ist nicht geprüft. Glauben Sie alles, was irgendjemand sagt?

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      1. Paul Bründler, 04.08.2021, 21:27 Uhr

        Ich zitiere nur die 20 Minuten Headline von heute. (TX Group vormals Tamedia)
        Darf man das jetzt auch nicht mehr glauben?
        Bezüglich Irreführung können Sie sich ggf. bei 20 Minuten beschweren.

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      2. Stefan Imholz, 04.08.2021, 23:16 Uhr

        Nein, ich beschwere mich bei ihnen, Herr Bründler. Halten Sie es tatsächlich für seriös und sachdienlich, den verkürzten Titel eines Boulevard-Blattes als Tatsache verkaufen zu wollen, wenn im Artikel etwas ganz anderes steht? Oder lesen Sie etwa nur die Titel eines Artikels? Das würde es erklären…

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      3. Paul Bründler, 05.08.2021, 09:08 Uhr

        Ich glaube, Sie steigern sich da gerade in etwas Persönliches gegen mich hinein.
        Wenn eine Zeitung mit ziemlich grosser Reichweite so etwas in die Headline schreibt, haben Sie kein Problem damit, aber wenn ich im Leserkommentar unter «z.B. heute» diesen Satz zitiere, ist das ein Riesending für Sie und Sie wollen in die Details gehen?
        Mir geht es doch gar nicht um diese eine Studie sondern darum, dass diese Impfstoffe allzu oft als «Allheilmittel» dargestellt werden, was sie anscheinend nicht sind, insb. gegen Delta, Lambda..
        Das sagt ja z.B. auch zusammenfassend Hendrik Streek:
        „Der Schutz durch den Impfstoff wird überschätzt“ Virologe Hendrik Streeck sieht mit den derzeitigen Impfstoffen keine Herdenimmunität in naher Zukunft.

        Ich sage ja nicht, dass man sich nicht impfen lassen soll, aber ich denke auch, dass ein Plan B notwendig wird.

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      4. Stefan Imholz, 05.08.2021, 13:15 Uhr

        Keineswegs, Herr Bründler. Ich schätze ihren sachlichen Ton hier und das Forum generell., wenn auch als Leser Gerade aus diesem Grund wehre ich mich dagegen, dass ein falscher Titel eines Boulevard-Blattes hier als Wahrheit gepostet wird, vor allem, wenn der Inhalt des dazu gehörenden Textes dem wiederspricht.

        Dasselbe gilt für das eine Zitat oben von Hendrik Streek. Ich halte es einfach nicht für korrekt, einen Satz ohne Kontext als Fakt zu bringen. Eben diesem Hendrik Streeck zufolge „wisse man, dass Impfstoffe und Hygiene-Maßnahmen gegen die neue Variante genauso gut helfen würden, wie gegen die Urform des Virus. Alle Schreckensmeldungen und Warnungen erzeugen beim Bürger nur unnötige Angst“, beschwichtigt Streeck.
        Das wäre das genaue Gegenteil ihrer ursprünglichen Aussage. Sie sehen, solche Auszüge kann man so verwenden – oder auch anderst. Sie sagen nichts aus.

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      5. Paul Bründler, 05.08.2021, 14:05 Uhr

        > «Alle Schreckensmeldungen und Warnungen erzeugen beim Bürger nur unnötige Angst“, beschwichtigt Streeck.»

        Das klingt mir aber eher nach Politik, denn nach Wissenschaft.
        Aufgrund ihrer Verantwortung und Sichtbarkeit, können solche Leute nicht frei reden bzw. der Politik in der Rücken fallen, das ist in einem gewissen Masse verständlich.
        Umso mehr muss man zwischen den Zeilen lesen und wenn dann solche Sätze, wie den von mir zitierten «durchrutschen» nehme ich das durchaus ernst, zumal dies in einem «Qualitätsmedium» zu lesen war.

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    2. Celine Amstutz, 05.08.2021, 07:57 Uhr

      Das wäre dann wohl klassisches Framing…

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  4. MikeLeon, 04.08.2021, 18:22 Uhr

    Eine Impfpflicht für Hotelgäste muss nicht per se schlecht sein. Im Gegenteil, es kann Gäste anziehen, die sich dadurch sicherer fühlen und sich sonst ferngehalten hätten.

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