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«Eine goldene Krone gewinnt man als Parteipräsident nicht»
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Der Stadtluzerner Kantonsrat Dieter Haller soll die städtische SVP in die Zukunft führen. (Bild: zvg)

Der designierte SVP-Präsident der Stadt Luzern «Eine goldene Krone gewinnt man als Parteipräsident nicht»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 22.01.2018, 12:00 Uhr

Am 2. Februar wird die SVP der Stadt Luzern ihren neuen Präsidenten wählen. Für die Nachfolge von Peter With schlägt die Parteileitung nur einen Kandidat vor: Kantonsrat Dieter Haller. zentralplus hat dem Sportler, Unternehmer und Fasnächtler vorab den Puls gefühlt.

Nun ist klar, wer Peter With beerbt. Der neue Mann an der Spitze der städtischen SVP heisst voraussichtlich Dieter Haller. Die Parteileitung der SVP Stadt Luzern hat den Littauer Kantonsrat einstimmig für das Amt vorgeschlagen, wie die Partei mitteilt.

Der Vorschlag ist mit einiger Spannung erwartet worden, weil die Zahl der möglichen Kandidaten sehr überschaubar war – und die SVP bekanntlich immer wieder Mühe hat, für wichtige Positionen gutes Personal zu finden (zentralplus berichtete). Der jetzige Präsident Peter With gibt sein Amt im Mai 2018 nach sechs Jahren ab, weil er neuer Präsident des kantonalen Gewerbeverbands Luzern werden möchte (zentralplus berichtete).

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Sofern kein Sprengkandidat auftaucht, wird Dieter Haller am 2. Februar zum neuen SVP-Präsidenten gewählt. Was der 43-Jährige mit der Partei vorhat, wie er zur Spange Nord und zum Carparking steht und wie er all seine Ämter unter einen Hut bringt, erzählt er im Interview.

zentralplus: Dieter Haller, die SVP hat in der Stadt nicht gerade den einfachsten Stand. Was motiviert Sie, das Präsidium zu übernehmen?

Dieter Haller: Ich bin grundsätzlich nicht einer, der Ämter sucht, denn ich habe bereits genug um die Ohren (siehe Box). Aber nachdem bekannt wurde, dass Peter With zurücktritt, sind diverse Leute auf mich zugekommen, sowohl aus der Politik als auch aus der Wirtschaft, und haben mich dazu motiviert.

zentralplus: Sie mussten also überzeugt werden: Ist es in Ihren Augen ein undankbarer Job?

Haller: Nein, das würde ich nicht sagen. Es ist eine ehrenvolle Aufgabe, eine Partei dieser Grösse zu führen. Aber das Amt ist mit Aufwand verbunden, klar – und eine goldene Krone gewinnt man damit nicht.

«Die Spange Nord braucht es unbedingt.»

zentralplus: Was wollen Sie als SVP-Präsident erreichen, sofern Sie am 2. Februar gewählt werden?

Haller: Mein Ziel ist, den unternehmerischen und bürgerlichen Kurs zu optimieren – zusammen mit der Parteileitung und den Mitgliedern. Denn aus meiner Erfahrung aus dem Schwingsport weiss ich: Das geht nur zusammen, alleine ist man niemand.

Er coacht die Schwingerkönige

Beruflich arbeitet Dieter Haller als Partner einer Personaldienstleistungsfirma. Der frühere Spitzensportler – Haller wurde mit dem Ringerclub Willisau mehrfacher Schweizermeister – tanzt auf vielen Hochzeiten. Der 43-Jährige ist Wey-Zünftler, Präsident der Gönnervereinigung Luzerner Stadtlauf, Mitglied beim Info-Forum freies Unternehmertum, Mitglied in der Bürogruppe des kantonalen Gewerbeverbandes und Kantonsrat.

Zudem ist er seit mehreren Jahren Coach beim Berner Kantonalen Schwingerverband. Dort schaut Dieter «Didi» Haller, dass die Schwingerkönige Matthias Sempach, Kilian Wenger, Matthias Glarner und ihre Teamkollegen nicht auf den Rücken gelegt werden.

Politisch hat er bereits Erfahrung in mehreren Parlamenten. Haller war zwischen 2005 und 2009 im Einwohnerrat Emmen sowie zwischen 2014 und 2015 im Grossen Stadtrat in Luzern. Seit 2015 politisiert er für die SVP im Kantonsrat. Mit seiner Frau lebt Dieter Haller in Littau.

zentralplus: Wo liegen thematisch Ihre Schwerpunkte?

Haller: In der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Ich bin Unternehmer und klar der Meinung: Man kann alles bewerkstelligen, wenn man es am Ende des Tages bezahlen kann.

zentralplus: Nehmen wir einige konkrete, wichtige Themen der Stadtpolitik. Wie stehen Sie zur Spange Nord?

Haller: Die Spange Nord braucht es unbedingt. Die Umfahrung kommt nur zum Tragen, wenn man Bypass und Spange Nord ausführt. Zwar sieht das die Stadtregierung anders als der Kanton. Aber man darf die Stadt nicht als isolierte Einheit betrachten, das wäre engstirnig, sondern muss die ganze Agglomeration einbeziehen. Dort bringt die Spange Nord eine enorme Entlastung.

zentralplus: Wie soll Luzern das Carproblem lösen?

Haller: Das Problem ist nicht neu, aber dummerweise hat die Bevölkerung die Inseli-Initiative angenommen, ohne dass es für die Cars eine Alternative gäbe. Die Stadt darf nicht meinen, sie könne das Carproblem an Kriens und Horw abschieben, sondern muss selber anpacken. Beim Musegg-Parking war ich nicht Feuer und Flamme, weil das den Verkehr nicht aus der Stadt rausbringt. Schade fand ich, dass man das Metro-Projekt so schnell abgewürgt hat. Ich bin der Meinung, für die Zukunft muss man mutig sein und die grossen Würfe denken. Als der Bahnhof vor 150 Jahren gebaut wurde, war das auch ein mutiger Schritt – in solchen Dimensionen muss man denken, wenn man den Verkehr weiterentwickeln will.

zentralplus: Muss die Stadt das Gewerbe in der Innenstadt besser unterstützen?

Haller: Ja, die Stadt macht zurzeit nicht genug. Insbesondere für jenes Gewerbe, das auf Parkplätze angewiesen ist. Auch wenn die Zahl der Parkplätze gleich geblieben ist: Den Geschäften im Zentrum nützt es nichts, wenn die in Littau stehen. Woran man ebenfalls arbeiten muss, sind die Ladenöffnungszeiten. Ich sage nicht, dass wir auch so lange offen haben müssen wie in manchen Nachbarkantonen, aber es braucht eine Flexibilisierung. Eigentlich müsste man es dem Unternehmer selbst überlassen, wie lange er geöffnet haben will.

«Luzern ist gar keine Stadt, sondern ein Dorf – allerdings das schönste Dorf der Welt.»

zentralplus: Sie wohnen in Littau – wie der abtretende SVP-Präsident Peter With auch. Zufall?

Haller: Ich stamme ursprünglich aus dem Aargau und bin durch den Sport über Willisau und Emmen nach Luzern gekommen. Ich war 2008 mehrere Monate in Toronto und als ich zurückkehrte, wurde mir klar: Luzern ist gar keine Stadt, sondern ein Dorf – allerdings das schönste Dorf der Welt.

Sportaffin und fasnachtsfreudig: Dieter Haller wird es nicht langweilig.

Sportaffin und fasnachtsfreudig: Dieter Haller wird es nicht langweilig.

(Bild: Facebookseite Dieter Haller)

zentralplus: Die SVP hat zuletzt den Einzug in den Stadtrat mehrmals verpasst. Wie wollen Sie da Gegensteuer geben?

Haller: Das ist sicher ein Ziel bei den Wahlen 2020. Dafür muss die Partei noch geschärft und gestärkt werden. Das heisst, wir müssen uns noch mehr als Wirtschaftspartei profilieren und Charakterköpfe portieren. Aber zuerst kommen die kantonalen Wahlen 2019, wo wir in der Stadt Luzern einen fünften Sitz anstreben.  

zentralplus: Ist eine eigene Stadtratskandidatur Ihr mittelfristiges Ziel?

Haller: Nein, keinesfalls, das wäre zu einschneidend. Ich bin Unternehmer und will das auch bleiben.

zentralplus: In der Stadt haben SP, Grüne und GLP seit 2016 eine Mehrheit. Wie wollen Sie die bürgerlichen Anliegen einbringen?

Haller: Die Bürgerlichen müssen zusammenhalten. Wir können unsere Anliegen nur mit viel Glück durchbringen, etwa wenn auf der anderen Seite jemand fehlt. Zudem hoffe ich, dass auch bei den Grünliberalen in Zukunft wieder ein bürgerliches Denken stattfinden wird.

zentralplus: Sie sind Unternehmer, Fasnächtler, Sportcoach, Kantonsrat – und womöglich bald Parteipräsident. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Haller: Das musste ich natürlich mit meiner Frau anschauen, weil ich bereits jetzt nur wenige Abende zu Hause verbringe. Ich bin keiner, der wahnsinnig viel Schlaf braucht, und während intensiven Phasen viel arbeiten kann. Aber ich werde 2019 – nach dem Eidgenössischen in Zug – sicher das Amt des Schwingercoaches abgeben – hoffentlich mit dem Schwingerkönigtitel (lacht).

Schweisst die Schwinger zusammen: Dieter Haller, Coach beim Bernisch-Kantonalen Schwingerverband.

Schweisst die Schwinger zusammen: Dieter Haller, Coach beim Bernisch-Kantonalen Schwingerverband.

(Bild: Facebookseite Dieter Haller)

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1 Kommentare
  1. Hansjörg Kaufmann, 22.01.2018, 12:36 Uhr

    Dieter Haller meint das Volk habe dummerweise die Inseli Initiative angenommen. Meinen Sie das Volk sei dumm? Wie meinen Sie das, den Verkehr in der Stadt entwickeln? Und jetzt sind Sie plötzlich Feuer und Flamme für das Musegg-Parking, warum? Machen Sie den grossen Wurf und unterstützen Sie das Metro-Projekt.