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Volle Zustimmung für die SP-Kandidatin Felicitas Zopfi. «Nicht ohne uns Frauen», war das Credo am Dienstagabend im Luzerner Kantonsratssal. (Bild: Jakob Ineichen)

Frauenpower für Felicitas Zopfi Eine für alle, und alle für eine

4 min Lesezeit 2 Kommentare 21.04.2015, 22:12 Uhr

Eine Luzerner Regierung ohne Frauen? Geht gar nicht! So war der laute Sopran von rund 200 Frauen zu hören, die am Dienstagabend im Kantonsratssaal für die Unterstützung von Felicitas Zopfi einstimmten. Eine unerwünschte Aktion heizte die Atmosphäre noch zusätzlich an. 

Für drei junge Männer wurde es am Dienstagabend im Luzerner Kantonsratssaal ungemütlich. Ihre Aktion kam nicht sehr gut an. Gleich zu Beginn der Veranstaltung hielten sie ein Transparent in die Höhe auf dem stand: «Qualität vor Quote.» Sofort schlug ihnen eine geballte Ladung Frauenpower entgegen. Die drei Männer hielten es mit ihrer Botschaft denn auch nur für ein paar Sekunden auf den Zuschauerplätzen aus. Sie merkten selber ziemlich schnell, dass es Zeit war, zu gehen. Dicke Luft.

Die Plakataktion dauerte nicht lange.

Die Plakataktion dauerte nicht lange.

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(Bild: jakob ineichen)

Etwas über 200 Frauen haben sich am Dienstagabend im Luzerner Kantonsratssaal eingefunden, um die SP-Kandidatin Felicitas Zopfi zu unterstützen. Eine regelrechte Frauenbewegung. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Motto des Anlasses: «Der Luzerner Regierungsrat kann nicht ohne Frauen sein.»

Die Botschaft kam von einem überparteilichen Gremium, «nicht ohne uns», aus politisch engagierten Frauen. Der Protest richtete sich gegen jene Komitees und Parteien, die eine rein bürgerliche Regierung wollen, und somit auf ihrem Wahlvorschlag ausschliesslich Männer zur Unterstützung notiert haben.

«Mich hat die kalte Wut gepackt»

Die Schriftstellerin Lisa Bachmann machte den Anfang und war nach der anfänglichen Plakataktion «ziemlich geladen», wie sie sagte. Sie begrüsste die Menge mit «mich hat die kalte Wut gepackt». Nach einer erzählten Glosse heizte sie dem Publikum ein, sie fragte: «Sind wir jetzt wieder so weit wie vor 40 Jahren? Mögt ihr euch erinnern an das Plakat von damals: Frauen gehören ins Haus? Sind wir jetzt wieder gleich weit?» Gespannte Stille im Saal. «Nein. Es geht nur mit uns.» Tosender Applaus. 

«Sind wir jetzt wieder so weit wie vor 40 Jahren?»
Lisa Bachmann, Schriftstellerin

Die reine Quote sei in der Politik kein stichhaltiges Argument, so Bachmann weiter. «Aber wenn ich in diesen Saal schaue: Der Mann irrt sich.» Wiederum Applaus. Mit im Publikum sassen unter anderen die frühere Regierungsrätin Brigitte Mürner, die frühere Nationalratspräsidentin Judith Stamm, Katharina Meile (Kantonsrätin Grüne Luzern), Michèle Graber (Kantonsrätin GLP) oder Prisca Birrer Heimo (SP-Nationalrätin). Gaby Schmid führte durchs Programm. 

Frauenfrage im Zentrum 

Nach den Voten fand ein Podiumsgespräch mit Felicitas Zopfi und anderen Frauen statt. Geleitet wurde das Gespräch von Barbara Stöckli. Für 30 Minuten stand die Frauenfrage im Zentrum. Dabei musste niemand mehr überzeugt werden. Bürgerliche Gegenredner etwa, wagten sich keine in die Höhle des Löwen.

Felicitas Zopi sagte: «Ich habe schon das Gefühl, es habe sich in den letzten 40 Jahren etwas bewegt. Aber noch zu wenig. Ich hoffe, der Anlass hier wird uns neuen Schub geben, und wir Frauen werden uns für die Wahlen mehr engagieren.»

 

Musste für einmal keine politischen Gegner überzeugen: Felicitas Zopfi.

Musste für einmal keine politischen Gegner überzeugen: Felicitas Zopfi.

(Bild: jakob ineichen)

Auf die Frage, warum es denn Frauen in der Regierung brauche, antwortete Zopfi diplomatisch: «Ich bin überzeugt, Frauen denken anders als Männer. Und Frauen führen anders als Männer. Es braucht beide Sichtweisen, um in der Politik die Probleme umfassend anzugehen.» 

Stolz darauf, keine andere Angriffsfläche zu bieten

Häufig kritisiert werde Zopfi von politischen Gegnern mit dem Argument, ihr fehle als Primarlehrerin die nötige Führungserfahrung für das Regierungsratsamt. «Ich habe vielleicht keine Unternehmung geleitet. Aber ich habe unter anderem Erfahrungen als Kantonsratspräsidentin und als Fraktionsschefin.» Und ehrlich gesagt sei sie stolz drauf, dass ihre Gegner nichts anderes gefunden hätten, als dieses Argument. Applaus. «Und ist eine Führungserfahrung als Frau nicht mindestens so wertvoll, wie die Führungserfahrung, die man als Mann macht?» Noch mehr Applaus. 

«Felicitas muss an meinen Platz sitzen. Und vorher geben wir nicht auf.»

Regierungsrätin Yvonne Schärli

Das Publikum war auf Zopfis Seite. Sie bedankte sich für die Unterstützung. «Es tut gut, dass viele Leute spontan auf mich zukommen und sagen, ‹Viel Glück, Sie müssen einfach in diese Regierung›.»

Und zum Schluss bekräftigte die amtierende Regierungsrätin Yvonne Schärli, dass es in der Regierung nicht ohne Frauen gehe: «Felicitas muss auf meinem Platz sitzen. Und vorher geben wir nicht auf.» Applaus. Eines ist klar: Dieser Anlass, der volle Kantonsratssaal, hat mit Sicherheit zur zusätzlichen Mobilisierung der Frauen beigetragen. 

(Bild: jakob ineichen)

 

Stimmen vom Land werden gebraucht

Geplant sind von «nichtohneuns» auch weitere Aktionen. «Wir möchten uns sicher auch auf der Landschaft bemerkbar machen», heisst es von den Organisatorinnen. Es bestehe in Luzern ein politischer Röstigraben zwischen Stadt und Land, den es zu durchbrechen gelte. Man brauche auch ländliche Stimmen für Felicitas Zopfi.

Beim zweiten Wahlgang am 10. Mai geht es um zwei Regierungsratssitze. Es stehen noch die drei Kandidaten Marcel Schwerzmann (parteilos, bisher), Felicitas Zopfi (SP, Kandidatin für die abtretende Yvonne Schärli) und Paul Winiker (SVP, Krienser Gemeindepräsident) zur Wahl.

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2 Kommentare
  1. Alain Brunner, 25.04.2015, 09:19 Uhr

    Nein, das Thema wurde an der Versammlung nicht angeschnitten.

  2. Sam Pirelli, 23.04.2015, 11:05 Uhr

    Wurde die Möglichkeit des Gangs in die Opposition überhaupt diskutiert?