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Eine Fährtenlegerin aus dem Bilderbuch
  • Kultur
Die Autorin Monika Mansour – eine Tagträumerin, wie sie selbst gerne zugibt. (Bild: jav )

Die Luzerner Krimi-Autorin Monika Mansour Eine Fährtenlegerin aus dem Bilderbuch

5 Min 05.07.2018, 14:05 Uhr

Die Autorin Monika Mansour hat sich dem Krimi verschrieben. Oder besser: der Spannung. Diese kann so gross werden, dass Mansour im Alltag vor lauter Fantasiewelt Chaos verbreitet. Wir haben die ehemalige Tätowiererin und Viehtreiberin, deren Handlungen jeweils in Luzern oder Zug spielen, getroffen.

In eine Schublade lässt sich diese Frau nicht stecken. Experimente und neue Wege gehören zu ihr, wie die langen, bunt und kunstvoll bemalten Fingernägel. «Ich tue nichts deshalb, weil es Gewohnheit und gemütlich ist», sagt Monika Mansour.

Wir sitzen auf dem sonnigen Mühlenplatz, und die Autorin geniesst den Trubel der Stadt. Eine nette Abwechslung, doch langfristig würde sie ihr Landleben niemals aufgeben – die Natur, die Nähe, die Intimität. Auch wenn sie auf dem Weg in die Stadt von Reihen von Traktoren aufgehalten wurde.

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Farbenfroher Lebenslauf

Das bekennende Landei hat zwischen ihrer fast kitschigen Kindheit im ländlichen Zürich und ihrem heutigen Zuhause im beschaulichen Egolzwil einige Reisen hinter sich. Die 44-jährige Autorin machte ihre Ausbildung als Optikerin in Luzern, war Piercerin, Tätowiererin, führte eine eigene Whiskybar. Sie arbeitete beim Check-in am Flughafen Zürich, in Australien auf einem Viehtrieb und hat ihr eigenes Studio als Nageldesignerin.

«Ich lebe eigentlich mit meinen Figuren zusammen.»

Doch gefunden hat Mansour ihren Platz erst mit der Schriftstellerei. Sie hat bisher fünf Krimis, einen Ratgeber und eine Kurzgeschichten-Sammlung aus der «111»er-Reihe veröffentlicht. Weitere zwei Bücher sind bereits abgeschlossen. Mit ihren Krimis, die in Luzern und Zug spielen, hat sich die Autorin mittlerweile einen Namen gemacht. «Was wirklich nicht einfach ist», betont sie. Die Verkäufe laufen von Jahr zu Jahr besser. Vom Schreiben leben zu können, sei im Moment jedoch noch kein Thema.

Als Kind und mit Kind – das Schreiben zieht sich durch

Mit dem Schreiben richtig angefangen hat die Mutter eines elfjährigen Sohnes gleich nach seiner Geburt. Er sei ein einfaches Kind gewesen, habe viel geschlafen und sie habe plötzlich die Zeit und die Inspiration gefunden, diese neue Karriere in Angriff zu nehmen. Ihr Mann, den sie in Ägypten kennenlernte, und mit dem sie nun 14 Jahre verheiratet ist, habe sie dabei immer unterstützt.

Doch Mansour ist auf dem Land aufgewachsen, ganz idyllisch – auf einem Bauernhof mit ihren Eltern und einer jüngeren Schwester. Mit einem Bilderbuch vergleicht sie ihr Leben damals gerne. Bodenständig und behütet, mit Pferden, Kälbern und Katzen. Doch auch ganz in der Nähe einer psychiatrischen Klinik, eines Asyl-Auffanglagers und einer Entzugsklinik für Jugendliche.

Die perfekte Krimi-Kombination eigentlich: Idylle und Brennpunkte der Gesellschaft. Eine Kindheit, die die Fantasie anregte. «Schon in der Schule schrieb ich immer ellenlange Aufsätze, was nicht alle Lehrer gleichermassen schätzten», so Mansour lachend.

Tagträumerin mit chaotischem Einschlag

Sie liebe es, Fantasiewelten aufzubauen, sich auszuklinken und in Tagträumen zu verlieren. Während des Schreibens habe sie das Gefühl, die Figuren immer besser kennenzulernen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. «Ich lebe eigentlich mit meinen Figuren zusammen.» Da kann es auch vorkommen, dass, ganz klischeemässig, der Schlüssel im Kühlschrank landet. «Routinierte Handgriffe werden mit Tagträumen in Verbindung zu Chaosstiftern», sagt Mansour, und ihre braun-grünen Augen verraten, dass sie auch gerade kurz in eine andere Welt verschwunden ist.

Besonders «schlimm» sei es in den Sommerferien gewesen, als ihre beiden Männer für zwei Wochen nach Ägypten gefahren seien. Da habe sie eines Morgens beim säuberlich notierten Termin einiges an Verwirrung ausgelöst, bis klar wurde: Sie sass bei der falschen Versicherung im Büro. «Es ist gut, holt mich meine Familie immer wieder zurück in die reale Welt», sagt die Autorin und lacht.

«Egal, welches Genre, Spannung ist das Wichtigste.»

Die echte Welt, die ist bei Mansour durch die schweizerisch-ägyptische Familie, ihre Reisen und die vielen unterschiedlichen Karrieren eine mulitikulturelle Welt. Etwas, das sich auch in ihren Krimis – nicht nur durch den Luzerner Ermittler Cem Cengiz – abbildet und ihr auch im Alltag ein Anliegen ist. Ebenso wie die Spannung. «Egal, welches Genre, Spannung ist das Wichtigste», sagt Mansour. Sie reize am Krimi nicht das Blut, nicht der Horror oder die düstere Stimmung, sondern die Hintergründe, was die Menschen zur Tat bringe.

Monika Mansour hat sich dem Krimi verschrieben. Inspiration für ihre Bücher hat sie schon zuhauf in ihrem Leben gesammelt.

Monika Mansour hat sich dem Krimi verschrieben. Inspiration für ihre Bücher hat sie schon zuhauf in ihrem Leben gesammelt.

(Bild: jav)

Spannung statt Blutrausch

Das Wichtigste sei ihr jedoch, Geschichten zu erzählen. «Ich habe eine ganze Liste voller spannender Fakten, absurder Dinge und ungewöhnlicher Geschichten», die sie irgendwo aufgeschnappt habe – manchmal auch in den eigenen Gehirnwindungen. Oft müsse sie sich selbst bremsen, wenn sie zu viele Themen in einem Buch vereinen wolle. Auch bei den Recherchen sei es nicht einfach, das Mass zu finden. «Ich vertiefe mich gerne vollkommen in ein Thema – so landen schlussendlich vielleicht zehn Prozent des Gelernten im Buch.»

Monika Mansour ist eine Autodidaktin. An ihrem ersten Buch schrieb sie fünf Jahre lang und las stapelweise Schreibratgeber. Es wurde 800 Seiten dick und existiert bis heute nur in Manuskriptform. «Das war mein Lehrstück», sagt Mansour über den Thriller. Sie habe gelernt, ganz genau zu planen und falsche Fährten zu legen, was sie leidenschaftlich gerne mache.

Gelernt hat Mansour aber auch, dass man als unbekannte Autorin mit einem solchen «Schinken» schwerlich verlegt wird. Mit ihrem ersten Schweizer Krimi hingegen ging es plötzlich ganz schnell: 2014 gab es «Liebe, Sünde, Tod». Seither hat Mansour mit dem Schreiben nicht mehr aufgehört. «Doch ich hatte oft Zweifel, ob meine Sprache gut genug ist», gibt Mansour zu.

Mittlerweile habe sie ihren Stil gefunden – bildhaft und doch schlicht. So, dass der Leser in die Geschichte eintauchen könne und die Sprache dabei vergesse. Wie sie selbst, wenn sie ihren Figuren wieder mal im Alltag nachhängt.

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