Plan der geplanten «Lorzenbrücke an der Schmiedstrasse». Über die Gestaltung will Cham erst 2015 informieren.
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Plan der geplanten «Lorzenbrücke an der Schmiedstrasse». Über die Gestaltung will Cham erst 2015 informieren. (Bild: Einwohnergemeinde Cham)

Calatrava baut Brücke in Cham «Eine einfache, schöne, filigrane Konstruktion»

3 min Lesezeit 19.12.2014, 15:45 Uhr

Cham will das Neubaugebiet bei der Schmiedstrasse mit einer Fussgängerbrücke aufwerten. Bauen soll sie der internationale Stararchitekt Santiago Calatrava. Dagegen regt sich Protest. Jetzt gibt die Gemeinde Details bekannt.

«Widerstand gegen Calatrava» titelte der «Blick am Abend» im November. Calatrava baue eine «Luxus-Brücke», schrieb die Boulevardzeitung. Die Grünliberalen haben eine Interpellation an die Gemeinde eingereicht, in der sie die Brücke als «absolut überrissen und finanziell kaum tragbar» bezeichneten. Der grünliberale Chamer Kantonsrat Claus Soltermann schreibt auf seiner Homepage: «Die Bauwerke von Calatrava überschreiten meistens massiv das vorgegebene Budget.»

Jetzt informiert die Gemeinde Cham, wie die Sache genau gelaufen ist. Die Gemeinde hat sechs Ingenieurbüros angefragt. Die meisten von ihnen hätten abgesagt. «Dem stand das Interesse des Ingenieurbüros Calatrava Valls SA aus Zürich gegenüber», sagt Gemeinderat Markus Baumann. «Es hat uns erstaunt, dass sich Herr Calatrava für dieses kleine Bauvorhaben interessiert hat.» Calatravas Name stehe nicht automatisch für Luxus, er realisiere auch «normale Sachen», sagt Baumann. Geplant sei eine «einfache, schöne und filigrane Konstruktion», in der die Handschrift des Architekten sichtbar sein werde.

Bund zahlt 35 Prozent

Grünliberale wollen Urnenabstimmung

Claus Soltermann, Chamer Kantonsrat der Grünliberalen, hält an der Kritik fest, sagt er auf Anfrage. Cham erhalte zwar einen Bundesbeitrag, zahle aber trotzdem eine halbe Million Franken für die Calatrava-Brücke (da sie gemäss Gemeinderat neu rund 750'000 Franken kosten wird). Soltermann spricht von einem «Trick». Die Gemeinde widerspricht dem. Cham könne sich das Vorhaben nicht leisten, die Gemeinde sei Nehmergemeinde im Finanzausgleich, meint der Grünliberale. «Es kann nicht sein, dass der halbe Kanton Zug an diese Brücke zahlt», sagt Soltermann. Viele Bürger hätten ihm gratuliert zum Vorstoss. Er will, dass das Volk über das Bauvorhaben entscheidet und nicht die Gemeindeversammlung. «Ich werde im Juni eine Urnenabstimmung verlangen», sagt der Kantonsrat.

Zu den Kosten meint Baumann: «Der Kredit wird nicht überschritten.» Die Gemeindeversammlung hat im Juni 2013 einen Kredit und ein Kostendach von 495’000 Franken für die Brücke genehmigt. Allerdings ist das ursprüngliche Projekt abgeändert worden, entnimmt man der Pressemitteilung. Das Ingenieurbüro Calatrava und die Gemeinde schlagen eine gespannte Bogenbrücke vor. Sie soll statt der ursprünglich geplanten 14 Meter 24 Meter lang sein.

Durch die längere Spannweite ergeben sich höhere Baukosten. Der Gemeinderat Cham hat an der Dezember-Gemeindeversammlung in seiner Antwort auf den Vorstoss der Grünliberalen bekannt gegeben, dass die Brücke rund 750’000 Franken kosten wird. Der Bund beteiligt sich im Rahmen des Agglomerationsprogramms mit 250’000 Franken an den Baukosten. «Durch den Bundesbeitrag können wir den ursprünglichen Kreditrahmen von rund einer halben Million Franken einhalten», sagt der Gemeinderat. Der grünliberale Kantonsrat Claus Soltermann spricht von einem «Trick» (siehe Box). Markus Baumann kann mit der Aussage nichts anfangen. «Wir legen ja alles transparent offen.»

Im Juni wird Projekt präsentiert

Die Einwohnergemeinde Cham will an der Juni-Gemeindeversammlung ein entwickeltes Projekt vorlegen. Das Büro von Calatrava habe das Projekt «mit Rücksicht auf zahlreiche Ansprüche bereinigt» und habe in den letzten Monaten verschiedene Varianten erarbeitet. Die betroffenen drei Grundeigentümer auf beiden Seiten des Flusses wurden einbezogen, ihre Rückmeldungen berücksichtigt.

Die «Lorzenbrücke an der Schmiedstrasse» verbindet die neue Wohnüberbauung «Wohnen an der Lorze» mit dem Quartier auf der gegenüberliegenden Oberlandstrasse und ist im Richtplan eingetragen. «Die längere Spannweite wirkt sich positiv auf den Flussraum aus, der dadurch kaum tangiert wird», erklärt der Vorsteher Verkehr und Sicherheit, Markus Baumann.

Gemeinderat schätzt Chancen positiv ein

Der Gemeinderat ist zuversichtlich, dass die Gemeindeversammlung im Sommer das Projekt genehmigen wird. «Ich schätze die Chancen als sehr positiv ein.» Kritik von anderen Parteien sei nicht laut geworden. Man habe an der letzten Gemeindeversammlung ebenfalls informiert. Reagiert auf die Kritik hat die Gemeinde insofern, als sie das Projekt in einer zweiten Abstimmung genehmigen lassen will. Der Kredit wurde übrigens so früh (2013) bewilligt, weil man den Bau des östlichen Brückenfundaments wegen der Überbauung «Wohnen an der Lorze» ursprünglich vorziehen wollte. Der Baugrund und die Platzverhältnisse hätten sich jedoch als unproblematisch erwiesen, schreibt die Gemeinde. So konnte darauf verzichtet werden.

Kein Bild der Brücke

Eine Visualisierung der Brücke ist nicht verfügbar, nur der abgebildete Plan. Über die Gestaltung der Brücke will die Gemeinde erst vor der Gemeindeversammlung im Frühsommer informieren. Die Grünliberalen halten an ihrer Kritik fest (siehe Infobox).

Plan der geplanten «Lorzenbrücke an der Schmiedstrasse». Über die Gestaltung will Cham erst 2015 informieren.

Plan der geplanten «Lorzenbrücke an der Schmiedstrasse». Über die Gestaltung will Cham erst 2015 informieren.

(Bild: Einwohnergemeinde Cham)

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