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Eine dreckige Vorgeschichte
  • Wirtschaft
Mall of Switzerland: Wurde Druck auf Politiker ausgeübt? Düstere Vorgeschichten kommen wieder ans Licht. (Bild: halter.ch)

Vorwürfe zur «Mall of Switzerland» Eine dreckige Vorgeschichte

5 min Lesezeit 2 Kommentare 04.05.2015, 09:00 Uhr

Für das gigantische Einkaufszentrum «Mall of Switzerland» verkaufte der Schindler-Konzern in Ebikon viel Land. Daran ist an sich nichts auszusetzen. Doch nun kommen alte Vorwürfe erneut hoch. Es geht um angebliche Einschüchterungsversuche. 

Die Vorwürfe sind gravierend. In der Wochenzeitung «WOZ» wird die ehemalige SP-Fraktionsschefin Silvana Beeler (Ebikon) zitiert. Vor Jahren sei es am Rande des Abstimmungskampfes zur damaligen «Ebisquare», dem Vorgängerprojekt der «Mall of Switzerland», zu Einschüchterungsversuchen gekommen: «Ich wurde von einem Werbeprofi zu einem Gespräch eingeladen. Er sprach von einer drohenden Dreckkampagne gegen mich, in der Privates ausgeschlachtet werden sollte.» Silvana Beeler-Gehrer gehörte damals wie heute zu den Kritikern der «Mall of Switzerland».

«Ich wurde von einem Werbeprofi zu einem Gespräch eingeladen. Er sprach von einer drohenden Dreckkampagne gegen mich, in der Privates ausgeschlachtet werden sollte.»

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Silvana Beeler, SP-Politikerin

Gegner sollten mundtot gemacht werden? Silvana Beeler steht heute noch zu ihrem Wort, wie sie auf Anfrage sagt. Und ein Fachmann für politische Kampagnen, der namentlich nicht genannt werden möchte, bestätigt am Telefon, es habe im Abstimmungskampf tatsächlich solche Absichten aus den Befürworterkreisen gegeben. Man hat also beabsichtigt, einer vehementen Gegnerin von «Ebisquare» persönlich zu schaden. Das hört sich alles andere als sauber an.

Zurzeit wird kräftig gebaut

Ein Blick nach Ebikon: Seit letztem Sommer wird dort kräftig gebaut. Nach über zehnjähriger Projektphase legen die Baumaschinen das Fundament für die «Mall of Switzerland». Ein Mega-Shoppingcenter mit 46’000 Quadratmetern Verkaufsfläche, das zu einem der grössten Einkaufszentren der Schweiz wird. Das Grundstück gehörte der Firma Schindler. Sie steigerte im Jahr des Landverkaufs den Gewinn um 75 Millionen Franken.

Die Baustelle im Zeitraffer:

Ebenfalls brisant: Silvana Beeler sei vom damaligen Schindler-Finanzchef Stephan Jud zu einem persönlichen Gespräch eingeladen worden. Es seien keine substanziellen Diskussionen gewesen, sagt sie. «Es war eine Machtdemonstration. Ich habe mich mit Leib und Seele gegen das Shoppingcenter eingesetzt. Es ist frustrierend, dass der jahrelange Kampf den Wahnsinnsbau nicht verhindern konnte. Ich musste lernen, dass der befiehlt, der das Geld hat.»

«Ich musste lernen, dass der befiehlt, der das Geld hat.»

Silvana Beeler, SP-Politikerin

Exfrau angefragt

Das Millionen-Projekt

Die Investitionskosten für den Shopping- und Freizeitbereich belaufen sich auf rund 450 Millionen Franken. Weitere 100 Millionen sind für einen Hotel- und Wohnbereich geplant. Für den Bau verantwortlich ist die Zürcher Firma Halter AG, die in Luzern bereits die Swissporarena auf der Allmend entwickelt und realisiert hat. 

Das Shoppingcenter wird aus rund 140 Geschäften bestehen. Es umfasst neben einem Multiplex-Kino mit zwölf Sälen einen Fitness-, Wellness- und Spa-Bereich sowie Räumlichkeiten für Anlässe im Tourismus- und Gastronomiebereich. Die Kinosäle bieten Platz für insgesamt 2200 Personen. Läuft alles nach Plan, soll die «Mall of Switzerland» im Herbst 2017 eröffnet werden. Zum gleichen Zeitpunkt sollen auch die rund 140 Wohnungen und das 3-Sterne-Hotel fertiggestellt werden.

Ein anderer politischer Gegner der Shopping-Mall, der inzwischen verstorbene SVP-Gemeinderat Peter Mühlemann, sei auf ähnliche Weise angegangen worden. «Das Magazin» berichtete im Jahr, nachdem Mühlemann seine kritische Meinung in einem Interview mit dem «Rigi-Anzeiger» kundgetan hatte. «Man fragte seine frühere Ehefrau, ob sie nicht bereit wäre, einen negativen Artikel über mich zu veröffentlichen.» 

Die Firma Schindler weist jegliche Vorwürfe zurück, wie eine Pressesprecherin erklärt. Solche Vorkommnisse seien nicht bekannt. Ein Interview mit dem heutige CEO Rainer Roten sei nicht möglich, da dieser zur damaligen Zeit seinen Posten bei Schindler noch gar nicht innehatte.

Und was sagt der ehemalige Finanzchef von Schindler und späterer Verwaltungsratspräsident von «Ebisquare», Stephan Jud, heute zu den Vorwürfen? Nichts. Er will sich am Telefon partout nicht äussern. Er verweist am Telefon vehement an die Pressestelle von Schindler und spielt den Ball zurück.

Volk will die Mall

Das grosse Bild zur «Mall of Switzerland» zeichnet sich wie folgt: In der Gemeinde Ebikon befürwortet man die Shoppingmall mehrheitlich und freut sich auf die versprochenen rund 1’200 Arbeitsplätze. Das Stimmvolk, Politikerinnen und Politiker und auch das Gewerbe haben mehrmals Ja gesagt: Zwischen 2004 und 2008 gewann das Abstimmungskomitee drei kommunale Abstimmungen. Die «Creafactory» machte dazu die Werbekampagnen (siehe Bildstrecke). Das Prokomitee wurde von der Firma Schindler unterstützt. 

Gewerbe fürchtet die Konkurrenz

Kritische Stimmen zur «Mall of Switzerland» waren in letzter Zeit vor allem aus Wirtschaftskreisen zu vernehmen. Detailhändler aus der Stadt Luzern und Umgebung fürchten die Konkurrenz, ein drohendes Überangebot und dass die Kundschaft in naher Zukunft nach Ebikon abwandern wird (zentral+ berichtete).

Die Projektverantwortlichen bei der Mall of Switzerland sehen die Zukunft anders: «Im Zeitraum zwischen 2000 und 2020 wird das Marktpotenzial des Detailhandels um rund 1,7 Milliarden Franken gewachsen sein», steht in der Mitteilung der Firma Halter AG, welche das Grossprojekt realisiert. Als Hauptmieterin wird die Migros Luzern einziehen, wie im Dezember 2014 bekannt wurde. Die Migros wird einen Super-, einen Fachmarkt sowie Fitness, Wellness- und Spa-Flächen betreiben.

Geld spielt keine Rolle

In Ebikon ist die politische Opposition gegen das Shoppingcenter verstummt. Silvana Beeler und weitere Kritikerinnen sind weggezogen. Sie befürchten, ob der allgemeinen Befürwortung als schlechte Verlierer zu gelten. Und die örtliche SP und auch die SVP sagen, die Sache sei gelaufen.

Die Finanzierung der «Mall of Switzerland» wird gestemmt von der «Tamweelview European Holdings SA». Dahinter steht eine Tochtergesellschaft der Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), die in ganz Europa grossformatige Investitionen tätigt. Zeit und Geld scheint für den aus Öl-Milliarden bestehenden Staatsfonds keine Rolle zu spielen. Gesamtvolumen: 550 Millionen Franken. Ähnlich grosse Summen aus dem weltweiten Ölgeschäft werden derzeit auch auf dem Bürgenstock investiert. Dort entsteht ein Luxus-Hotel-Projekt, finanziert durch den katarischen Staatsfonds. Es sollen schlussendlich 485 Millionen Franken investiert werden. 

Mehrverkehr wird befürchtet

Gestritten wird beim Mega-Projekt Mall of Switzerland vor allem um den befürchteten Mehrverkehr. Man rechnet mit zusätzlichen 8’000 bis 11’000 Autofahrten täglich. Im Rontal selber sind die Bedenken gross. Der Autobahnzubringer Buchrain sei heute schon überlastet, sagt etwa der Gemeindepräsident von Root, Heinz Schumacher. Er befürchtet einen Rückfall in den alten Zustand vor dem Verkehrsausbau, weil Besucher dann, von Zürich oder Aarau her kommend, über Root ins neue Einkaufszentrum fahren.

Zudem seien die Kosten für den Autobahnzubringer Rontal der öffentlichen Hand entglitten. Sie waren in den vergangenen Jahren mehrmals Gegenstand von Diskussionen im Kantonsparlament. Das ganze Strassenbauprojekt, inklusive Autobahn-Zubringer und flankierender Massnahmen, kostet die öffentliche Hand rund 170 Millionen Franken.

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Plakate Abstimmungen «Ebisquare»

 

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2004.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2005.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2005.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2006.

Abstimmungs-Plakat von Creafactory im Jahr 2006.

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2 Kommentare
  1. Aniko Abächerli, 04.05.2015, 09:17 Uhr

    Wieder einmal ein “Kommunikationsprofi” der unserer ganzen Branche schadet. Übrigens der Livestream der Baustelle zeigt “404 not found” an.

    1. Alain Brunner, 04.05.2015, 09:39 Uhr

      Der Link hat inzwischen gewechselt. Wir haben nun statt den Live-Stream den Zeitraffer verwendet.