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Eine Audienz beim King
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Angel Egli alias «Mimiks» im Restaurant Parterre in Luzern: «Vodka Zombie Rambogang» soll nicht sein einziges Nummer 1-Album bleiben. (Bild: mal)

50 Fragen an Mimiks Eine Audienz beim King

18 min Lesezeit 08.06.2014, 05:00 Uhr

Rums hat es gemacht und der 22-jährige Angel Egli stieg mit seinem Debut-Album «Vodka Zombie Rambogang» auf Platz 1 der Schweizer Albumcharts ein. An sich schon ein Phänomen, ein kleines Wunder. Mehr noch: Es ist eine Thronbesteigung mit Ansage. So rappt «Mimiks» im ersten Song des Albums: «Gli weiss jede i dem Land, wer de König esch.»

Dass sich der Hip Hop in Luzern sein eigenes Denkmal setzt, musste erwartet werden. Die Szene ist bunt, hält zusammen und hat einen Output, den man nicht mal in Zeitlupe mitverfolgen kann. Hinter vorgehaltener Hand wurde schon länger von diesem «Mimiks» gemunkelt, er sei das nächste grosse Ding. Nun ist es offiziell: Er IST das grosse Ding.

zentral+ hat Mimiks getroffen, im Restaurant Parterre. Starallüren hat er keine und stellt trotzdem klar, wer der King ist. 50 Fragen an den Luzerner, der die erste Nummer 1 in die Leuchtenstadt geholt hat.

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zentral+: 1. Normalerweise ist meine Lieblingsfrage «Rolling Stones» oder «Beatles». Bei dir frage ich: «Run DMC» oder «Sugarhill Gang»?
Mimiks: Eigentlich egal, aber schon eher Run DMC. Es sind zwar beide weit weg von mir, aber mit Run DMC kann ich mich mehr identifizieren, wenn auch nur theoretisch.

2. Und weil es so schön ist trotzdem: Beatles oder Rolling Stones?
Beatles.
Diese Antwort kam sehr schnell.
Die Rolling Stones spielten ja erst gerade im Letzigrund und im Radio spielten sie einige ihrer Hits. Die haben mich nicht gepackt. Die Beatles haben wir in der Schule gesungen. Allerdings haben die Rolling Stones ein sehr geiles Logo, wie Nirvana. Man könnte meinen, dass seien Logos von irgendeiner Hipstermarke.

3. Was hörte deine Mutter als du ein Kind warst?
Viel Manu Chao. Dann beginnt Mimiks zu überlegen.
Ich muss ihre Plattensammlung visualisieren. Led Zeppelin kommt mir auch noch in den Sinn. Rap fand meine Mutter immer scheisse, bis ich ihr den Stil zwangsläufig näher brachte. Ich erinnere mich, als ich in der 6. Klasse war und mir die erste Eminem Platte kaufte. Sie fand, der ist doch doof. Mittlerweile ist sie aber Rap-affin.

4. Welches sind deine musikalischen Vorbilder?
Das werde ich viel gefragt und weiss nie was sagen. Es gibt wenige Leute, die mich mit ihrer Musik faszinieren. Eher Personen, welche aus dem Nichts etwas geschaffen haben.

5. Und wie bist du zum Hip Hop gekommen?
Ähm… Mimiks überlegt lange.
Es gab da so einen Moment. Ich kam aus der Schule und war 16 oder 17 Jahre alt. Ich hatte gar nichts: Keine Ausbildung, keine Idee, keine Identität. Ich habe dann aus der Laune heraus Texte geschrieben und über runtergeladene Beats gerappt. Ich wusste dann von Anfang an, dass ich das durchziehen werde. Es gab kein Zurück mehr. Das Gefühl war anders, als wenn man ein bisschen ins Karate geht und das eine Weile macht. Ich spürte, das wird für immer.

6. Welches Hip Hop-Klischee geht dir am meisten auf die Nerven?
Auf die Nerven? Nein, ich finde die Klischees alle lustig und sie treffen zu 90 Prozent ja auch alle zu. Wenn mich etwas nervt, dann ist es das «geyoue».
Mimiks gibt eine Kostprobe: «Ah, du machst du das? Yo, yo, yo.»
Aber man muss sich halt mit diesen Klischees abfinden. Viele Leute sind jeweils überrascht, dass ich normal sprechen kann, auch ohne Fluchwörter. Obwohl, auch das Klischee stimmt: In den USA gibt es Crews, die können keinen geraden Satz bilden.

7. Und welches Klischee trifft voll zu?
Das «Macho-Getue», das ist auch in mir tief verankert. Im Hip Hop darf man Macho sein, ohne kritisiert zu werden. Also ziehen wir das Macho-Getue auch durch. Zutreffen tut sicher auch das Klischee mit den fetten Autos, das ist so.

8. Du besingst in deinen Songs oft die «City». Was bedeutet dir Luzern?
Die City ist halt das Nest, die Heimatstätte, die Basis. Ich sehe das so, wie ein Lager im Mittelalter. Von dort aus startet man seine Angriffe. Obs an Luzern liegt, kann ich nicht sagen. Wäre ich St. Galler, wäre halt das meine City. Natürlich romantisiert man seine Stadt, es ist aber auch extrem, wie viel man in seiner City erlebt. Vor allem wenn man noch jung ist und nicht das Geld hat, in der Welt herumzureisen. Jeder Ort hier hat Geschichten zu erzählen.

9. Viele deiner Rap-Kollegen sind bekennende FCL Fans. Du?
Ähm. Ja, doch ja. Das Ding ist, dass ich keine Zeit habe, mir den Fussball reinzuziehen. Und ich möchte meine Laune nicht von einem Fussballresultat abhängig machen. Ich verfolge die Resultate, bin aber nicht der Typ, der wegen einem 0:4 eine Woche lang den Anschiss hat.

10. Der FCL schaffte bisher nur ein Meistertitel. Wird deine Nummer 1 auch einmalig bleiben?
Lustig. Diese Frage habe ich mir genau so gestellt. Ob ich es wie der FCL nur einmal auf die Eins schaffen werde. Aber nein: Ich prophezeie, dass ist nicht das einzige Mal, dass ich auf der Eins lande. Ich arbeite auch hart daran, dass das so sein wird. Musik ist ja zum Glück auch nicht abhängig von einer Tagesform. Ich habe eine ganze Saison Zeit, an meinen Songs zu arbeiten.

Mimiks ist in dieser Sache sehr bestimmt. Das ist nicht einfach so rausposaunt. Der meint das ernst.

11. Du hast gesagt: «Ich will erfolgreich Rap machen, ohne mich zu verbiegen. Eine hohe Chartplatzierung schliesst das nicht aus.» War der Charterfolg eine geplante Aktion?
Nein. Das war nicht geplant und ich habe auch nicht damit gerechnet. Als das Album dann aber herauskam, spürte ich, dass es vielleicht hoch in den Charts einsteigen kann. Auch die Leute wussten, dass die Möglichkeit da ist und haben das Album vielleicht extra in der ersten Woche gekauft.

12. Der Luzerner Rap ist mit «Geiler As Du» seit ca. 2008 «Deck im cho». Wie viel hast du von dieser Vorarbeit profitiert?
Man muss sehen, dass sie nicht viel früher begonnen haben als ich. Das geschah eigentlich parallel. Geiler As Du hatten einfach vor mir einen grösseren Output. Aber es ist schon so: Das haben wir alle zusammen geschafft. Und gerade auch Geiler As Du verdienen die mediale Aufmerksamkeit.

13. Welches sind denn so deine Luzerner Rap-Helden?
Luzi von Geiler As Du und Dave. Das sind die zwei Besten für mich.

Normalerweise tut sich Mimiks das ganze Interview schwer, wenn er Leute nennen muss. Nicht bei dieser Frage. Luzi und Dave kamen wie aus der Pistole geschossen.

14. Themawechsel. Wieso hast du dich für eine Koch-Lehre entschieden?
Ich habe erwartet, dass diese Frage Mimiks nervt. Aber im Gegenteil…
Das kann ich dir ganz genau erklären. Ich bin ein extrem nervöser und zappeliger Mensch. Ich habe Mühe damit – und das nervt mich selber – still zu sitzen. Wenn ich sitzen muss, beginnt mein Hirn an alles andere zu denken, als an das, was ich sollte. Mir wird dann auch schnell langweilig.
Kochen interessiert mich, es ist weltliches Wissen, keine Theorie. Im Moment haben wir in der Berufsschule das Thema Hülsenfrüchte. Wir lernen, wie viele Proteine ein Körper pro Tag aufnehmen kann. Das ist spannend. Und der Körper interessiert mich mehr als eine Excel-Tabelle.

15. Du sagst, die Lehrstelle habe dich ins Reine gebracht. Erklär dich…
Man wird als Koch nicht träge, springt den ganzen Tag. Und wenn ich in der Küche bin, kann ich den Rest vom Leben abschalten. Probleme, Aufträge, auch die Musik kann ich dann vergessen. Das ginge im Büro nicht, da wäre ich die ganze Zeit auf Facebook. Dieses Abschalten tut mir gut.

16. Nun hat der «King scho set Tag 1» einen Lehrmeister. Wie muss ich mir das vorstellen?
Mimiks lacht. Die Frage gefällt ihm.
Ich will ja, dass andere Rapper mit mir reden, als wäre ich der King. Ich bin auch der King. Er ist aber der King – halt im Kochen, also behandle ich ihn auch so. Wir respektieren uns beide als Kings.
Mimiks grinst. Ich stelle mir gerade vor, was passieren würde, wenn der Lehrmeister dem Mimiks auch in Sachen Rap was beibringen möchte.

17. Was kochst du denn am liebsten?
Fisch. In jeglichen Formen. Das liegt mir auch gut, so ein schön melierter Fisch. Saibling, Hecht oder halt Lachs. Ich finde Fisch auch viel ästhetischer als zum Beispiel Poulet – es macht nur schon mehr Spass einen Fisch anzuschauen.
Mimiks schaut plötzlich ein bisschen hungrig. Oder sagen wir es so: Es läuft im das Wasser im Mund zusammen.
Fisch mit Limettensauce und Reis. Davon könnte ich eine Tonne essen.

18. Und was gar nicht gerne?
Salat. Ein grüner Salat ist einfach extrem langweilig. Ich koche gerne etwas, wo ich immer wieder dazwischen probieren kann, bei Salat ist das ja immer gleich. Und Frittieren mache ich auch nicht so gerne, egal ob normale Kartoffeln oder Pommes Frites. Das liegt vielleicht daran, weil ich beides eh nicht gern habe.

19. Du bist 22 Jahre und hast eine starke Meinung. Auch in der Politik?
Nein. Und zwar aus einem radikalen Grund. Ich habe das Gefühl, Politik ist nur Seilziehen von zwei Seiten, welche beide ähnlich stark sind. Ab und zu geht’s ein wenig nach rechts, das nächste Mal ein wenig nach links. Und dann ist man wieder an der gleichen Stelle. Wie soll das uns weiterbringen?

20. Kannst du das noch ein bisschen genauer erklären? Was genau nervt dich an der Politik?
Es ist ja so. 50 Prozent sind links, 50 Prozent sind rechts. Also kannst du es nie allen recht machen. Und ich möchte Andersdenkenden ja auch gar nichts vermiesen. Politik bewirkt nichts. Das ist wie im Fussball: Mal gewinnt der, das nächste Mal der andere – bringen tut es aber gar nichts. Es nervt mich, dass man so gar nie dahin kommt, etwas zu verbessern. Das ist für mich ein grosses Systemproblem.

21. Und was würde deine Partei «Vodka Zombie Rambogang» (kurz: VZR) als erstes ändern?
Sie würde ändern, …
Mimiks wollte eigentlich sofort antworten, bricht dann aber ab und wird nachdenklich.
Soll ich jetzt ernst oder blöde antworten? Ich muss mir das kurz überlegen.
Die Partei würde Primakov-Wodka an bestimmten Stellen in der Stadt gratis ausschenken. Und sie würde auch noch: Keine Ahnung.
Mimiks überlegt wieder.
Ehrlich: Es wäre eine Scheiss-Partei und würde nichts auf die Reihe bringen.

Das Interview wird unterbrochen. Ein Ende 30iger Mann aus der eher alternativen Kulturszene kommt auf Mimiks zu und möchte gerne ein Selfie mit ihm machen. Sein Sohn sei ein grosser Fan von ihm, der werde durchdrehen, wenn er das Foto sehe. Und ja, ihm selbst gefalle die Musik auch. Der King geniesst das Kompliment und hält für das Selfie hin. Somit ist auch die Frage 21 abgehandelt, was Mimiks nicht weiter zu stören scheint.

22. Dein erstes Mixtape hatte den Titel «Jong ond hässig». Auf was bist du gerade jetzt hässig?
In letzter Zeit bin ich eigentlich gar nicht mehr so hässig, höchstens auf mich selber. Vielleicht taufe ich mein zweites Mixtape dann einfach «Jong & hässig auf mich selber». Aber wenn man soweit ist, dass man nur noch auf sich selber hässig ist, ist man eigentlich auf einem guten Weg.
Plötzlich startet Mimiks durch. Und plötzlich wirkt er richtig genervt.
Doch, da ist etwas, das macht mich richtig hässig. Ich muss mit meinem Ex-Vermieter vor Gericht. Das ist so ein bekannter Immobilienmensch, ihm gehört so ziemlich die halbe Altstadt. Der wäre eigentlich pensioniert, macht das aber immer noch. Der hat sicher Millionen auf dem Konto und zieht nun wegen 4’700 Franken gegen uns vor Gericht. Jetzt muss ich mich auch noch darum kümmern. Musik, Lehre, Freundin: Ich habe gar keine Zeit für eine solche Schlacht um eine Wohnung. Ich glaube der Typ hat einfach Freude daran, uns Jungen über den Tisch zu ziehen.

23. Ugur Gültekin von der TV-Sendung «Joiz in the hood» nennt dich den vielversprechendsten Rapper der letzten zehn Jahre. Was sagst du dazu?
Ich sage, ich bin der Motivierteste, der Risiko-Bereiteste und der, der sich den Arsch am meisten aufgerissen hat. Man muss nicht viel versprechen, sondern viel machen. Das tat ich.

24. Geht dir diese regelrechte Heiligsprechung nicht auf den Sack?
Nein. Das ist da, wo alle hinwollen. Rap ist meine Religion und irgendwie will doch jeder ein Heiliger in seiner Disziplin sein. Ich höre erst dann auf zu rappen, wenn jeder einen Mimiks-Altar zu Hause hat und mich davor pro Tag mindestens zwei Mal huldigt.

25. Wie viele «neue» Freunde hast du seit deiner Nummer 1?
Es gibt schon neue Freunde. Doch je mehr kommen, desto mehr weiss ich, wer meine echten Freunde sind. Leute, die jetzt neu dazukommen, können mich gar nicht mehr anders als einen Rapstar sehen. Die bejahen alles, meine Freunde sollen genau das nicht tun.

26. Die Luzerner Hip Hop Szene 2014 kommt wie eine grosse Familie rüber. Alles nur Schein oder ist dieser Haufen wirklich so verschwört?
Nein, der Schein trügt nicht: Das ist eine sehr grosse Familie. Bestes Beispiel: Mario «Emm» Wälti und wie er sich für mich ins Zeug legte. Nicht nur musikalisch, auch im Leben. Damals hing ich mit Gleichaltrigen rum, die akzeptierten alle mein Verliererdasein. Er nicht. Er nahm mich mal mit in den Ausgang mit seinen Freunden. Da traf ich Leute, die alle schon was gerissen hatten. Das zeigte mir andere Optionen auf. Und gelingt mir etwas nicht, dann reisst Emm mir den Arsch auf. Er hilft mir jetzt aber auch vor Gericht wegen dieser Wohnungssache. Er ist ja schliesslich Anwalt.  

27. Dein Karriere-Startschuss war ein zufälliger: Bei einem Radio 3FACH-Battle hatten die zu wenige Rapper am Start. Du bist schlussendlich noch reingerutscht und hast alle übertroffen. Stimmt diese Geschichte so?
Stimmt so halb. Das war kein Battle, sondern ein Work-Shop zu einer Anti-Gewalt-Kampagne. Radio 3FACH hatte keine Teilnehmer. Ich und mein bester Freund haben dann teilgenommen, Gimma zeigte uns, wie man rappt. Ich habe mir den wirklichen Rap dann aber später selber beigebracht.
Mimiks lacht schelmisch. Klar, wenn schon, dann lernt der Gimma vom King. Aber sicher nicht umgekehrt.

28. Ganz allgemein: Ein paar Worte zu Radio 3FACH. Was denkst du über den Sender?
Ich finde Radio 3FACH ist ein mega wichtiger Teil der Luzerner Jugend. Mit hohem Selbsteinsatz und wenig Gewinn setzen sie sich für krasse Events, wie zum Beispiel das Funk am See, ein. So etwas könnte Luzern ohne 3FACH gar nicht auf die Beine stellen. Und es ist krass, welchen Status dieser Sender hat, man kennt die Station ja in der ganzen Schweiz. Und jeder Kulturkopf in der Stadt hatte in seiner Vergangenheit etwas mit dem 3FACH zu tun. Ich selber moderierte zwei Jahre die Reimstunde.

29. Wie gut warst du eigentlich als Schüler?
Allerniedrigste Stufe. Vom Hirn her gings noch, damit machte ich viel wett. Ab der 2. Klasse habe ich aufgehört, Hausaufgaben zu machen. Es ist nie was passiert deswegen. Ich habe selten gelernt, und wenn dann Geschichte, Geografie oder Biologie. Alles andere – Deutsch, Französisch, Mathematik – war ein richtiger Anschiss. Ich streckte nie, ich brachte mich nie in den Unterricht ein. Ich hatte alles im Kopf – nur die Schule nicht. Ich konnte ja schon damals nicht still sitzen. Ich versuchte es, aber es wollte nicht.
Mimiks macht eine kurze Pause. Er scheint sich gerade zu überlegen, ob das ein Fehler war und er sich mehr Mühe hätte geben sollen.
Aber es ist ja nicht schlecht, so wie es war: Ich bin so geworden, wie ich heute bin. Zum Glück. Vielleicht bin ich genau deswegen heute hier.

30. Welches Fach bereitete dir denn am meisten Kopfzerbrechen?
Mathematik. Auch heute noch. Wir hatten kürzlich in der Berufsschule Prozentrechnen. Zwei Wochen später geht’s schon nicht mehr. Dann will ich jeweils nur noch nach Hause. Ich habe auch Mühe damit, einen Gedanken festzuhalten und bin total unstrukturiert. Bekomme ich ein Blatt, beginne ich irgendwo in der Mitte zu lesen, aber sicher nicht oben.

31. Sprechen wir über zwei Hip Hop-Extreme. Als erstes: «Bligg». Rap oder marktkonforme Swissness-Übung?
Zweites. Schwierig. Auf der einen Seite respektiere ich seine Möglichkeit, als Musiker zu leben. Aber: Sind die Leute, welche seine Musik hören, wirklich die Menschen, mit denen er abchillen will? Seine Welt? Er macht Musik für eine Welt, die er selber nicht ist. Das könnte ich nicht.

32. «Kutti MC»: Rap oder Kunst für Kunstversteher, die nur so tun, als ob sie es verstehen?
Beides. Erstens ist es Rap, weil er rappt und macht, wozu er Lust hat. Er überlegt sich nicht, ob er damit Erfolg hat – hat er auch nicht. Aber es gibt auch viele Leute, die meinen das ist DER Rap. Die verstehen dann aber nicht einmal meine Wortspiele.

33. Andere Spielwiese: zentral+ berichtete kürzlich über die Indie Rock-Szene in Luzern. Gibt es da einen Act, der dir besonders gefällt?
Ich konnte damit noch nie was anfangen. Ich bin zu faul, um andere Stile zu hören. Früher machte ich das noch, heute nicht mehr. Aber es gibt schon ein paar, welche mir auffallen. Johnny Burn macht den Eindruck als wäre er fresh, ein cooler Typ.
Ich habe aber auch Mühe mit so Bands, nicht weil ich sie scheisse finde, sondern weil es schwierig ist, eine Band zusammen zu halten. Ich bin alleine, merke es bei mir selber. Wie schwierig muss es sein, sechs Leute ständig zu motivieren?

34. Und mit wem würdest du gerne mal ein Featuring machen?
Ich würde gerne einen Song mit…
Mimiks wollte schnell antworten, stockt aber plötzlich.
…mit… weiss nicht…
Mimiks windet sich.
Wenn ich andere Leute nennen muss, weiss ich nie was sagen. Ich bin so faul, andere Musik zu hören, dass ich diese Frage im Moment echt nicht beantworten kann.

35. Reden wir über die Stadt: Hast du einen Luzerner Lieblingsplatz?
Der Pavillon. Auf der friedlichen Seite der Stadt Luzern, die Altstadt ist ja eher ruhig. Beim Pavillon starten viele unserer Stadtverwüstungstouren. Es ist unser Vorsaufplatz. Das Vorsaufen ist sowieso das Beste am Ausgang. Geht man dann in die Clubs, verliert man sich relativ schnell. Das finde ich dann nicht mehr so lustig.

36. Lido-Badi oder Ufschötti – wo trifft man dich?
Eher Lido. So viele Leute wie in der Ufschötti kann ich fast nicht ertragen.

37. Apropos baden… wie hast du es mit dem Sport?
Bei mir gibt es zwei Extreme. Eines hasst Sport und jegliche Form von körperlicher Ertüchtigung. Im zweiten Extrem bin ich gerade: Vier mal Training pro Woche, ich springe und spiele Fussball. Momentan bin ich in einer Phase, wo ich keinen Alkohol trinke. Dann brauche ich etwas, dass mich lebendig hält. Sport ist auch eine Beziehung von sich zu seinem Körper. Und ich beginne vielleicht wieder mit Kampfsport, damit ich alle meine Haters verhauen kann.

38. Die WM in Brasilien steht vor der Tür. Wer ist dein Favorit?
Ich bin nun mal ein Spanier, daher bin ich für Spanien. Aber Favorit? Favorit sind die Spanier nicht. Das beste Team im Moment ist wohl Deutschland.

39. Und wie weit kommt die Schweiz?
Die Schweiz gewinnt das erste Spiel, verliert das zweite und macht ein Unentschieden im dritten. Dann fliegen sie im Achtelfinale gegen Belgien raus. Etwa so.

40. Du sagst in einem Song, du kaufst dir die ganze FIFA. Dein Statement zu Sepp Blatter?
Er hatte noch nie ein Nummer 1-Album.

41. Ist es richtig, im Schwellenland Brasilien eine WM durchzuführen?
Die Politik würde natürlich sagen, dass das gut ist. Den Fussball sollte man aber im Grunde in Frage stellen. Da fliesst so viel Geld, nicht nur in Brasilien, überall. Schlussendlich ist Fussball einfach Brot und Spiele für das Volk. Und da spielt es auch keine Rolle ob die WM in Brasilien oder Schweden stattfindet. Es geht einfach viel Geld drauf, damit die Leute meinen, da geht was.

42. Du beschreibst in einem Song das Gefühl, nie zufrieden zu sein. In einem Interview hast du gesagt, dass du nicht wieder in das «Suchen» zurückfallen willst. Ist Suchen so schlimm, denn wer sucht, der findet…
Ja, das ist so. Wer sucht, der findet. Wenn du aber gefunden hast und trotzdem weiter suchst, dann bringt dich das auch nicht weiter. Ich könnte alles erreichen und wäre nicht zufrieden. Obwohl ich im Moment schon zufriedener bin als auch schon. Ich habe jetzt ein Nummer 1-Album und frage mich, was mach ich jetzt? Wie kann ich das toppen? Soll ich mit dem nächsten Album Gold holen?

43. Warum fragst du mich das? Was planst du denn mit dem nächsten Album?
Ein Gold-Album.
Mimiks antwortet schnell und unterstreicht mit dieser Antwort, wie ernst er das mit dem Gold-Album in der vorherigen Antwort meinte.
Ein Gold-Album, das würde ich gerne machen. Mit 10’000 verkauften Albums braucht es heute auch gar nicht mehr so viele, um den Gold-Status zu erreichen.

44. Dank deines Charterfolges kommen diverse Radios nicht darum herum, deine Songs in der Hitparade zu spielen? Spürst du Schadenfreude, dass die Stationen nun deine Kraftwörter spielen müssen?
Die machen das geschickt. Wir haben ja keine offizielle Single. Und so nehmen die halt den Song, den sie am wenigsten schlimm finden. In dieser Sache hat die Schweiz halt schon einen Stock im Arsch. In die Rotationen der Kommerzradios schafft es meine Musik nicht. Ich will aber keine Radios haten. Ich frage mich einfach: Ist das normal oder müssten die Radios einen Schritt auf die Künstler zu machen? Man könnte ja dafür einmal weniger «Final Countdown» spielen, den habe ich erst heute wieder im Radio gehört.

45. Was mir noch aufgefallen ist: Du singst, du cruist durch die City. Hast aber noch keinen Check. Wie geht denn das?
Ich fahre meinen Lamborghini trotzdem. Auch ohne Billett.
Mütter, nehmt eure Töchter ab der Strasse!

46. Falls du den Check hättest, welches Auto würde dir gefallen?
Ein uralter Pontiac. In den würde ich dann aber einen Porsche Motor reinbauen.

47. Hast du ein iPhone oder Android?
Ein Samsung-Android.
Der Marathon der 50 Fragen scheint Mimiks zugesetzt haben. Die Antworten werden etwas kürzer. Trotzdem: Warum kein iPhone?
Ich brauchte ein Handy und das Samsung war mit einem Abo nur 40 Stutz.
Da haben andere Leute mehr Mühe, sich für etwas zu entscheiden. Ziemlich pragmatisch, der Junge.

48. Hörst du Musik ab Platte oder lädst du dir das Zeug runter?
Beides. Schweizer Musik kaufe ich mir auf CD, ich lade aber auch viel Musik runter. Ich bin da vielleicht aus einer anderen Generation: Mich macht das nicht hässig, wenn Leute das Zeug gratis runterladen. Für mich ist das normal.

49. Roger Federer oder Stan Wawrinka?
Schon Roger Federer. Er ist so ein Ausnahmemensch. Wie viel Arbeit dahinter steckt, das ist unvorstellbar. Er bewegt sich ja seit etwa zehn Jahren auf dem höchsten Fitnesslevel. Sein Körper ist eine Maschine: Stark, schnell, explosiv. Das ist so extrem, da kannst du dir nichts erlauben. Er hat seinen Plan zu 99 Prozent durchgezogen. Das ist der Punkt: Das ist der einzige Weg der ganz nach oben führt: Wer Talent hat, braucht das gleiche Mass an Disziplin.

50. Wir sind bei der Frage 50. Was haben wir noch nicht gefragt, was wir hätten fragen sollen?
Du hast mich noch nicht gefragt, …
Mimiks überlegt.
Frage mich, welches mein Lieblings Cartoon-Charakter ist.
Ich frage also Mimiks, welches sein Lieblings Cartoon-Charakter ist…
Das ist «Son Goku» von der Serie «Dragon Ball». Er hat die gleiche Art wie ich, durch das Leben zu ziehen. Er hat sein ganzes Leben verschrieben und will darin immer besser werden. Und er ist mega naiv. Aber deswegen ist er auch gut, weil ihm der ganze Rest einfach egal ist.

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