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Eine App für die ganze Mobilität: Luzern will mitmischen
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Wohin soll's gehen? Mobilitäts-App wie die Berliner Jelbi vereinen alle Mobilitätsangebote. (Bild: zvg/Montage zentralplus)

Der Billettautomat war gestern Eine App für die ganze Mobilität: Luzern will mitmischen

4 min Lesezeit 03.12.2019, 16:01 Uhr

Egal ob Bus, Leihvelo, Taxi oder Mobility: In Zukunft soll das Reiseangebot über eine zentrale Anwendung genutzt werden. Das ist keine Zukunftsmusik mehr – auch für die Stadt Luzern. Sie will nach dem Berliner Vorbild die heutige ÖV-App zu einer Mobilitäts-App ausbauen.

Die Idee ist verlockend: Keine zehn Logins mehr, keine separaten Billette und Systeme, sondern eine App für die ganze Mobilität. Für Leihvelo, Busfahrt, Zug oder Carsharing. Das ist keine Zukunftsmusik: Städte wie Helsinki (mit der App Whim) kennen bereits das so genannte «Mobility as a Service»-Prinzip. In Berlin ist im September die App Jelbi gestartet.

Das geht so: Ich möchte von A nach B, und die App zeigt mir den günstigsten oder schnellsten Mix aus den verschiedenen Mobilitäts- und Sharing-Angeboten. Bezahlen kann ich an einem Ort.

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Grüne und FDP fordern eine solche digitale Mobilitätsplattform auch für Luzern (zentralplus berichtete). Die App ersetzt den Ticketautomaten und wird zum Reiseplaner, so die Idee. Die App Fairtiq ist ein Anfang: Statt ein Ticket zu kaufen, logge ich mich vor der Abfahrt ein und danach wieder aus – die App berechnet dann den Preis. «Mobility as a Service» (MaaS) soll noch weiter gehen und die Daten sämtlicher Mobilitätsanbieter umfassen, also neben dem ÖV auch E-Scooter oder Taxis.

Der Luzerner Stadtrat sieht den Nutzen einer Mobilitäts-App für den Grossraum Luzern ebenfalls und unterstützt das Anliegen, wie er in seiner Antwort auf den Vorstoss von Marco Müller (Grüne) und Fabian Reinhard (FDP) schreibt. «Die Grenzen zwischen öffentlichem Verkehr und Individualverkehr verwischen zunehmend.»

In Berlin funktioniert das so:

Auf dem Weg zur Smart City

Die Ziele von MaaS decken sich mit der städtischen Mobilitätsstrategie, um Velos, ÖV sowie autofreie Haushalte und Sharing-Angebote zu pushen. Auch mit der Digitalstrategie verträgt sich der Vorstoss gut, denn Mobilität sei ein zentrales Handlungsfeld einer Smart City.

Dennoch bremst der Stadtrat die Erwartungen: Anstatt eine neue Lösung zu forcieren, will er zuerst prüfen, ob das bestehende Angebot ausgebaut werden kann. Die von den VBL und dem Verkehrsverbund VVL betriebene App ÖV-Live hantiert schon heute mit Echtzeitdaten und verfügt über eine gute Datenbasis. «Stadt, VBL und VVL wollen deshalb prüfen, wie die bestehende Plattform als regionale Übergangslösung in Richtung einer verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätsplattform weiterentwickelt werden kann», heisst es.

«Was digital nicht ersichtlich, scheint nicht zu existieren.»

Luzerner Stadtrat

Der VVL als ÖV-Drehscheibe der Region umfasst 13 Transportunternehmen von Bahn, Bus und Schiff und wäre prädestiniert, das heutige Angebot weiterzudenken.

Auch Kanton und Stadt Luzern besitzen Geodaten und Kartenmaterial rund ums Thema Mobilität, das etwa auf der Plattform Luzernmobil.ch aufbereitet ist. Seien es Skate-Touren oder Velokarten:

«Die Voraussetzungen für die Realisierung einer umfassenden digitalen Mobilitätsplattform sind vorhanden», so der Stadtrat. Es gelte jetzt, die Daten geschickt zu vernetzen und auch Anbieter ausserhalb des ÖV-Systems dafür zu gewinnen – etwa Mobility, Nextbike, Parkhäuser oder Taxi-Unternehmen. Das wäre in ihrem eigenen Interesse, denn: «Was digital nicht ersichtlich oder verfügbar ist, scheint nicht zu existieren», so der Stadtrat.

Auch andere sind dran

In der Schweiz existiert bis heute noch keine Plattform mit Daten sämtlicher Mobilitätsanbieter, wo man zugleich zentral buchen und bezahlen kann. «Es bestehen Brüche im Buchungsprozess von ganzen Reiseketten», bemängelt der Stadtrat.

Das Defizit ist erkannt, auch andere Schweizer Transportunternehmen haben Initiativen für neue Mobilitätsplattformen gestartet, etwa in der Westschweiz oder die Verkehrsbetriebe Zürich. Die Südostbahn hat einen digitalen Marktplatz für Mobilität initiiert und die SBB entwickeln derzeit zusammen mit einem Luzerner Start-up eine Mobilitätsplattform (zentralplus berichtete).

Wann kommt die nationale Lösung?

Der Stadtrat nimmt die Forderungen nach einer neuen Plattform nur teilweise entgegen – die Vorsicht rührt daher, weil Zuständigkeiten und eine mögliche Ausgestaltung einer Mobilitäts-App noch offen sind. Die Stadt Luzern will sich als Eigentümerin der VBL und als Mitglied im Verbundrat des VVL aber dafür einsetzen, dass sich die Organisationen entsprechend ausrichten.

Im Rahmen der Digitalstrategie ist zurzeit eine Open-Data-Plattform im Aufbau. Im digitalen Forum steht die Stadt im Austausch mit VBL, EWL und Luzern Tourismus und externen Partnern. Man werde das Thema auch im Verband «Smart City Hub Switzerland» einbringen, wo neben Luzern die Städte St. Gallen, Winterthur, Zürich, Zug, Basel, Wil SG, Ittigen, Aarau, Lenzburg und Schaffhausen dabei seien.

So oder so kann und will Luzern nichts isoliert vorantreiben: Weiterentwicklungen müssen aufwärtskompatibel sein, um später mit anderen Angeboten kooperieren zu können. Denn: In Zukunft werden mit Sicherheit Lösungen für die ganze Schweiz oder über die Landesgrenzen hinaus auf den Markt kommen. «Die Plattformen lassen sich gut ergänzen oder ineinander integrieren», so das Ziel.

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