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Ein Zuger Wirt hat den «Blues»
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Ivo De Luca ist seit vier Jahren der Betreiber der «Blues Brothers Bar». Fürs kommende Jahr muss er sich jedoch eine neue Beschäftigung suchen. (Bild: wia)

Die «Blues Brothers Bar» schliesst – und jetzt? Ein Zuger Wirt hat den «Blues»

5 min Lesezeit 01.11.2016, 12:00 Uhr

Bald ist endgültiges Lichterlöschen in der «Blues Brothers Bar». Die ersten Mitarbeiter haben ihre Siebensachen bereits gepackt, in wenigen Monaten ist definitiv Feierabend. Der «Blues»-Betreiber hat resigniert, während der Liegenschaftsbesitzer neue Pläne ausheckt.

Es ist Freitagabend, 20 Uhr, es ist bereits dunkel und ziemlich tot in den Gassen der Zuger Altstadt. Einzukaufen gibt’s hier nichts mehr, die Restaurants lassen sich an einer Hand abzählen. Der geneigte Zuger Bargänger weiss jedoch: Ein kleines Herz pulsiert hier unten, zwischen Boutiquen und Galerien. Licht dringt durch die gelben Bleiglasfenster, das Offen-Schild lässt hoffen. Der Puls ist von aussen deutlich hörbar. Doch er wird schwächer, bis er Ende Jahr endgültig versiegt. Die «Blues Brothers Bar» schliesst, und damit eine der letzten Raucherbeizen in der Stadt Zug.

Seit vier Jahren ist Ivo De Luca der Betreiber der Blues Brothers Bar in Zug, er hat den Betrieb vom Ehepaar Roditis-Glanzmann übernommen (zentralplus berichtete). Ende Jahr geht’s dem «Blues», wie die Bar von allen nur genannt wird, an den Kragen. Der Besitzer des Hauses, André Bliggenstorfer, hat den Mietvertrag für das Restaurant im ersten Stock nicht verlängert. Dort soll nämlich eine Wohnung entstehen.

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Lauter Barbetrieb unerwünscht?

Und das wirkt sich auf das «Blues» aus, denn die Gäste der Bar nützen die Toiletten im oberen Stock mit. Will heissen: Um seinen Betrieb weiterzuführen, müsste De Luca eigene WCs einbauen lassen. «Das will und kann ich mir nicht leisten», erklärt dieser.

«Meines Erachtens ist der Eigentümer verpflichtet, mir diese Infrastruktur zur Verfügung zu stellen», erklärt er. Offenbar sei das aber nicht im Sinne des Hausbesitzers. De Luca vermutet denn auch: «Wenn im ersten Stock eine Wohnung entsteht, dürfte es ungünstig sein, wenn hier unten eine lärmige Bar betrieben wird. Wir haben ja bereits jetzt negative Rückmeldungen von Nachbarn.» Ausserdem – so sei De Luca vor einigen Monaten informiert worden – habe der Besitzer bereits einen Vorvertrag gemacht mit Starbucks. (Der Besitzer relativiert dies. Siehe Statement weiter unten im Text.)

«Mein ältester Stammgast ist 82 Jahre alt. Ich habe keine Ahnung, wo der künftig hingeht.»

Ivo De Luca, Betreiber der Blues Brothers Bar

De Luca klingt resigniert. «Man redet die ganze Zeit von der Belebung der Altstadt, und dann wird auch die letzte Bar geschlossen. Laut De Luca bedauern viele Gäste die Schliessung, viele von ihnen seien Stammgäste, die mehrmals wöchentlich kämen. «Mein ältester Stammgast ist 82 Jahre alt. Der spaziert täglich von zu Hause hierher und genehmigt sich ein Bier. Ich habe keine Ahnung, wo der künftig hingeht.»

Mehr Zeit für Frau und Kinder

Ob De Luca denn nicht stärker habe kämpfen wollen für das «Blues»? «Was will ich da noch kämpfen, wenn der Hausbesitzer bereits einen Vorvertrag mit jemandem unterschrieben hat?» Ausserdem mische sich in die Enttäuschung, aufhören zu müssen, auch eine gewisse Erleichterung. «Nun habe ich bald mehr Zeit für meine Frau und meine Kinder.» Dennoch kommt nun noch eine stressige Zeit auf De Luca zu: «Ich muss die Bar verkaufen und räumen. Und ich habe bis jetzt keine Ahnung, was ich alles ausräumen muss und was nicht.» Ist man denn nie zusammengesessen und hat ein ordentliches Gespräch geführt? «Ich hatte in der letzten Zeit schlicht keine Gelegenheit dazu, Bliggenstorfer zu kontaktieren», so De Luca.

De Lucas einziger Vollzeitmitarbeiter ist bereits per Ende September gegangen. Bleiben also noch er und eine Teilzeitkraft. Gemeinsam schmeissen sie den Laden während der letzten drei Monate.

«Es ist also nicht so, als wenn mein Lebenstraum nun in die Brüche gegangen wäre.»

Ivo De Luca, Betreiber der Blues Brothers Bar

Der Barbetreiber scheint seine Post-Blues-Pläne bereits ziemlich genau zu kennen. «Sie sind jedoch noch nicht spruchreif.» Nicht mal, ob er im Gastgewerbe bleiben möchte, lässt er durchblicken. Er erklärt: «Es ist also nicht so, als wenn mein Lebenstraum nun in die Brüche gegangen wäre. Das Leben geht weiter.»

Hausbesitzer nicht überzeugt von De Lucas Konzepten

Dass die Kommunikation zwischen De Luca und Bliggenstorfer zum Schluss nicht mehr ganz so gut gewesen sei, bestätigt auch der Besitzer der Liegenschaft Unteraltstadt 12, André Bliggenstorfer. Selbst wenn man anfänglich ein gutes Verhältnis zueinander gehabt habe. Er erklärt: «Mit De Luca selber haben wir keinen Vertrag. Er ist beim Restaurant Golden Dragon untergemietet. Und De Luca weiss schon seit etwa zwei Jahren, dass der Vertrag mit ihm nicht verlängert wird. Daraufhin hat er uns verschiedene Betriebskonzepte vorgestellt, die uns aber alle nicht überzeugt haben.» Seit der letzten Sitzung mit De Luca vor etwa einem Jahr habe man nichts mehr miteinander zu tun gehabt.

«Wir hatten zu wenig Vertrauen in De Lucas Konzept und haben uns aus diesem Grund für einen anderen Lokalbetreiber entschieden.»

André Bliggenstorfer, Besitzer des Hauses in der Unteraltstadt 12

Bliggenstorfer widerspricht dem Barbetreiber in einer Aussage: «De Luca sagte kürzlich der Zeitung, dass die Bar bestehen bleiben könne, wenn er nur eigene WCs einbauen lasse. Das stimmt so aber nicht.» Denn es sei in der Tat die Aufgabe des Vermieters, WC-Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen. «Und das werden wir beim nächsten Mieter auch machen, das steht gar nicht zur Debatte.» Und er wiederholt: «Wir hatten zu wenig Vertrauen in De Lucas Konzept und haben uns aus diesem Grund für einen anderen Lokalbetreiber entschieden.»

De Lucas Vermutung, dass Bliggenstorfer keine Bar mehr möchte, um Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft zu vermeiden, dementiert er ebenfalls. «Auch das Lokal, das den Raum künftig mietet, wird nicht nur tagsüber offen haben», erklärt er verhalten. Ob es etwas genauer gehe? «Nein, ich kann noch nichts Klareres sagen, weil die Verträge noch nicht unter Dach und Fach sind. Nur so viel. Starbucks wird’s nicht sein.»

Noch prangt da ein Offen-Schild vor der «Blues Brothers Bar» in der Unteraltstadt. Ab Januar 2017 bleibt die Bar geschlossen.

Noch prangt da ein Offen-Schild vor der «Blues Brothers Bar» in der Unteraltstadt. Ab Januar 2017 bleibt die Bar geschlossen.

(Bild: wia)

 

 

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