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«Ein Zapfhahn und eine Kaffeemaschine reichen nicht mehr»
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Dominik Meyer vom Café Apéro Meyer und Mario Bergen vom Black Velvet (Bild: yab)

Luzerner Gastroszene «Ein Zapfhahn und eine Kaffeemaschine reichen nicht mehr»

4 min Lesezeit 23.07.2014, 13:29 Uhr

Das «Meyer» zieht an den Bundesplatz, in die ehemaligen Räumlichkeiten vom «Black Velvet». Die Verpflegung in der neuen Kultur-Beiz soll vielseitiger, die Einkaufspolitik strenger und die Kulturaktivitäten regelmässiger werden. Dies ist allerdings nicht die einzige Neuerung in der Luzerner Gastroszene.

«Der Platz ist zu klein geworden, um uns kulturell auszutoben», sagt Dominik Meyer, der am Donnerstag das letzte Bier in seiner Apérobar in der Luzerner Neustadt zapfen wird. «Es war immer klar, dass wir hier anfangen und wachsen werden». Er und seine Frau Fiona ziehen mit ihrem Café Apéro Meyer an den nahegelegenen Bundesplatz 3, wo die Brüder Mario und Claudio Bergen seit acht Jahren das Black Velvet betreiben.

Bergens Kaffeebar läuft gut und hinterlässt eine treue Stammkundschaft. «Unsere Gäste haben uns lange bei der Stange gehalten, doch das Kaffee-Geschäft macht uns heute doch mehr Spass», erklärt Mario Bergen. Zusammen mit seinem Bruder hat er sich mit dem Bergen Kaffeeservice ein zweites Standbein aufgebaut. Und weil die Brüder wussten, dass Meyers ein grösseres Lokal suchen, boten sie ihnen die Kaffee-Bar an. Denn, die Bergen-Brüder planen den nächsten Schritt: «Wir sind auf der Suche nach einem Ort für unseren Koffein-Shop. Dort werden wir alles rund um das Koffein, zum Beispiel Mate Tee, Kaffemaschinen und Koffein-Produkte anbieten.»

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Luzerner Gastroszene in Bewegung

Diesen Herbst wird das beliebte Meridiani in der Bruchstrasse nach 15 Jahren seinen Besitzer wechseln. Ebenfalls in der Bruchstrasse eröffnet per Ende August die ehemalige Neubad Wirtin Magalie Marini zusammen mit ihrer Mutter das französische Café Cassis. Das Getränkeangebot wird simpel und an Frankreich angelehnt, beim Mittagsmenü legen sie Wert auf Regionales. Auf der Terrasse der Villa Bruch am Kasernenplatz hat vor wenigen Tagen das Café Filzhut eröffnet. Und auch in Meyers kleiner Apérobar geht das Leben weiter: Ab Oktober übernehmen die Barchefin vom Südpol, Anouschka Barrus, und Sandro Hodel von der Buvette das Lokal.

Ade Black Velvet, hallo Meyers

Meyers freuen sich über mehr Platz für Küche und Kultur: «Es wird mehr Veranstaltungen geben. Unplugged Konzerte, Abende mit Gastköchen, Ausstellungen lokaler Künstler, «Rock und Bier» oder das Luzerner Musikquiz «Jeopardy», sollen regelmässig stattfinden». Lokales ist Programm – bei den Veranstaltungen wie auch beim Essen: Für die Küche konnten sie Reto Becker, der in der Krienserhalle Beizer ist, gewinnen. Er wird mittags mit regionalen Produkten kochen.

Beim Essen wird der Vegetarier im Zentrum stehen. Es gibt aber auch einen Fleischtag und einen Fischtag sowie einen strikt veganen Tag. Fair Trade und Bio werden bei der Einkaufspolitik ebenfalls beachtet, wobei es für Dominik Meyer wichtiger ist, dass die Produkte regional sind: «Ich will keine Biotomate die 2’000 Kilometer von Spanien herangekarrt wird. Wir müssen den Preis an die Kunden weitergeben», erklärt er. Sie wollen im mittleren Preissegment bleiben: 18 Franken für eine Salatschüssel und Hauptgang.

«Wasser für alle, Nestlé für niemanden.»
Dominik Meyer

Neue Möglichkeiten am Bundesplatz

Die symbolische Zügelaktion findet diesen Donnerstag statt. «Die Lage am Bundesplatz ist cool, sehr lebendig am Wochenende und zentral. Sie bringt zudem neue Möglichkeiten der Vernetzung: Zum Beispiel mit dem Konzerthaus Schüür auf der anderen Seite der Langensandbrücke» so Meyer. Geplant sei, dass Bands vor oder nach grossen Konzerten oder lokalen Plattentaufen ein kleines Konzert im Meyers geben.

Hier eröffnen Meyers im September ihre Kulturbeiz. Zurzeit kann man dort noch die Bergen Brüder in ihrem Black Velvet besuchen.

Hier eröffnen Meyers im September ihre Kulturbeiz. Zurzeit kann man dort noch die Bergen Brüder in ihrem Black Velvet besuchen.

Meyers wird erwachsen

Was braucht es, um in der Gastronomie erfolgreich zu sein? «Durchhaltevermögen, ein grosses Netzwerk und natürlich Kohle» seien gefragt, so Meyer. Das Geld sollte am besten privat oder von der Familie kommen, denn die Banken spielen in der Gastronomie nicht mehr so mit. Neben 180 Prozent Einsatz und der Fähigkeit, sich neu zu erfinden, sollten auch Trends erkannt werden: «Grosskonzerne boykottieren und stattdessen auf regionale Produkte setzen», sagt Meyer. Sie werden kein Heineken, kein Coca Cola und keine Getränke von Nestlé verkaufen.

«Das trifft den Zeitgeist und ist wichtig für die Leute. Unser Grundsatz lautet: Wasser für alle, Nestlé für niemanden. Mittags wird es bei uns immer gratis eine Karaffe Wasser auf dem Tisch haben», sagt er.

Der Luzerner Kuchen: «Ich liebe diese Szene!»

Der Spagat zwischen Familie mit drei Kindern und dem Leben als «fast öffentliche Person» gelingt den Meyers «immer besser», sagen sie. Sie lieben den Austausch mit der Stadtbevölkerung: «Der Output von Bands und bildenden Künstlern in Luzern ist grossartig! Deshalb wollen wir diese bei uns auch zelebrieren», so Meyer. Er sei stolz auf den «Luzerner Kuchen». Auch wenn man das Schaffen gerne noch mehr nach draussen tragen dürfte, statt sich «immer gegenseitig auf die Schultern zu klopfen», bedenkt er. Der «Kulturkuchen» wird mit ihnen an den Bundesplatz wandern, da ist sich Meyer sicher. Aufgrund seiner musikalischen Vergangenheit ist er in der Szene gut vernetzt. Die Gäste werden sich aber auch neu durchmischen. «Das Black Velvet hatte ein wenig ein anderes Image als wir.» Damit die alten Gäste auch noch kommen, werden sie wahrscheinlich jemanden vom früheren Barpersonal weiter beschäftigen. Was auch schon klar ist: Geöffnet sein wird die Kulturbeiz von Montag bis Samstag. Am Sonntag und an Feiertagen soll Ruhetag sein. 
 

Neueröffnung Meyer: 
Freitag, 5. September 2014 ab 17 Uhr
Mit Baby Genius und anderen Lokalhelden 

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