Ein Wahnsinn in drei Akten
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Bei der Premiere am Donnerstagabend überzeugte das Ensemble vom Theater Bagasch die Zuschauer mit Spielfreude und dem richtigen Ton. (Bild: Marcel Kaufmann)

Theater Bagasch feiert 20-jähriges Bestehen Ein Wahnsinn in drei Akten

3 min Lesezeit 28.10.2016, 17:17 Uhr

Mit der Komödie «Der nackte Wahnsinn» ist dem Theater Bagasch ein Glücksgriff gelungen. Unter der Regie von Dieter Ockenfels wurde im Theater Pavillon ein drehbares, zweistöckiges Bühnenbild bespielt. Und das Amateur-Ensemble kann im rasanten und anspruchsvollen Stück zum Jubiläum glänzen.

Sein 20-jähriges Bestehen feiert das Theater Bagasch, ein qualifiziertes Amateurtheater aus Luzern, mit der Komödie «Der nackte Wahnsinn» (1982) vom britischen Schriftsteller Michael Frayn.

Die Handlung ist schnell erzählt, denn es ist ein klassisches Stück im Stück. Ein Theaterensemble steht kurz vor der Premiere. In der immer gleichen Szenenabfolge erlebt der Zuschauer die Generalprobe, eine Aufführung während der Tournee und zum Schluss die Dernière. Der Clou an dieser Komödie ist, dass das Publikum beim zweiten Akt freie Sicht auf die Hinterbühne und so auch auf die Menschen hinter den Rollen hat. Und dort spielen sich mit Eifersuchtsdramen, Geltungsansprüchen und Mordphantasien wildere Szenen ab als auf der Bühne.

Souveräne Premiere

Bei der Premiere am Donnerstagabend findet das Ensemble vom Theater Bagasch von Anfang an den richtigen Ton. Das Publikum im gut gefüllten Saal amüsiert sich köstlich, und trotz der beachtlichen Länge des Stücks flacht die Spannung nicht ab.

Von Lampenfieber ist auf der Bühne nichts zu spüren. Das Ensemble spielt harmonisch und souverän miteinander, ein Wort jagt das nächste, die Übergänge sitzen. Besonders die körperliche und mimische Präsenz der Darsteller ist bemerkenswert. Auch ohne Text erkennt man die Figuren, versteht ihre Emotionen und lacht über ihre grotesken Handlungen.

Hinter den Kulissen

Der zweite Akt verlangt dann noch mehr an Gestik und Mimik, denn hinter der Bühne sollte bekanntlich ja nicht gesprochen werden. Hier erlebt man nonverbale Dramen – nicht zwischen den Rollen, sondern zwischen Menschen. Alles steuert auf die grosse Eskalation zu, die Gruppendynamik nimmt ein zerstörerisches Ausmass an.

Für den Umbau der Bühne zum dritten Akt gibt es nochmals 15 Minuten Pause, und beinahe bedauert man es, jetzt aus dem sich zuspitzenden und immer temporeicheren Plot gerissen zu werden. Doch schlussendlich ist diese Wartezeit nur die Möglichkeit, nochmals tief durchzuatmen und sich auf das Finale vorzubereiten.

Der finale Akt

Hier bricht die kleine Theaterwelt, die mit den Proben erschaffen wurde und während der Aufführungen gehörig zu bröckeln begann, dann völlig ein. Das menschliche Drama der Hinterbühne kann nicht mehr von der Vorderbühne ferngehalten werden, und so stürzen auch die Rollen in sich zusammen. Unter viel Gelächter verlieren die Darsteller die Fassung, und die Dernière wird zu einem Spektakel des Wahnsinns. Nicht einmal der Regisseur kann das noch verhindern.

Ganz im Gegensatz zu Dieter Ockenfels, der dieser Komödie mit seiner Inszenierung absolut gerecht wird.

Bis zur letzten Sekunde hat das Ensemble Bagasch Energie, und das ist eine grosse Leistung, wenn man die Strapazen bedenkt, die ihre Figuren schon durchleiden mussten.

Zu sehen ist das Stück im Theater Pavillon Luzern. Mehr Veranstaltungen finden Sie in unserer ausführlichen Agenda.

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