Ein Vermögen für etwas Aufmerksamkeit
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Ein 55-jähriger Luzerner wollte Geld von einer älteren Frau – und versprach ihr dafür die grosse Liebe. Am Mittwoch musste sich der Mann vor Gericht verantworten. (Bild: Fotolia)

Luzernerin überlässt Liebhaber 190’000 Franken Ein Vermögen für etwas Aufmerksamkeit

4 min Lesezeit 27.01.2016, 19:00 Uhr

Eine heute 75-jährige Frau geht einem jüngeren Liebesbetrüger auf den Leim und verliert ihr ganzes Vermögen. Doch dieser will selbst Opfer eines Betrugs geworden sein – das zumindest beteuerte der 20 Jahre jüngere Mann vor Gericht. Und dabei kommt noch einiges mehr ans Tageslicht.

Eine ältere Frau verliebt sich in einen 20 Jahre jüngeren Mann – vier Jahre später ist sie ihr Vermögen los. Schuld daran soll ein Liebesbetrüger sein. Der Kosovo-Albaner soll seine ehemalige Geliebte während vier Jahren bewusst getäuscht haben, um sich so um rund 190’000 Franken zu bereichern. Am Mittwoch musste sich der Mann deshalb vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten.

Mittlerweile hat der 55-Jährige, der bereits zuvor durch Check- und Kreditkartenbetrügereien auffiel, über eine halbe Million Franken Schulden am Hals. Seit 2002 ist er arbeitslos, beteuerte aber vor Gericht, sich stets um Arbeit zu bemühen, «als alles, was es gibt». Als er 2009 im «Dancing Pöstli» in Emmenbrücke auf die 20 Jahre ältere Schweizerin traf, erwähnte er dies nicht. Auch verschwieg er ihr, dass er bereits zum zweiten Mal verheiratet ist und aus früherer Ehe fünf Kinder hat. Gewollt hätte der die Affäre nicht, meint der Beschuldigte. «Ich bin ja schon verheiratet», sagt er vor Gericht. «Ich brauche keine andere. Aber dann ist es halt doch passiert.» Und so wurde die 75-jährige Witwe zu seiner Geliebten.

«Dass es dabei nicht um Liebe, sondern nur um Geld ging, ist offensichtlich.»
Luzerner Staatsanwaltschaft

Die Beziehung war noch jung, als er sie zum ersten Mal um Geld bat – aufgrund seiner angeblich angeschlagenen Gesundheit benötige er einen Übergangskredit. Ausserdem wolle er im Kosovo günstig Immobilien kaufen, um diese nach relativ kurzer Zeit wieder gewinnbringend zu verkaufen. Dies würde nicht nur seine finanziellen Probleme lösen – auch sie könnte sich so sicher sein, das geliehene Geld wieder zurückzuerhalten.

Spielexzesse in grenznahen Casinos

Eine Rendite stellte er der Frau nicht in Aussicht, zumindest nicht in finanzieller Hinsicht. Er versprach, mehr Zeit mit ihr zu verbringen und ihr die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie sich von ihm wünschte, so die Staatsanwaltschaft. Und diese Strategie schien aufgegangen zu sein: Die Frau bezahlte immer wieder. Dafür nahm sie gar selbst Kredite auf und verkaufte Immobilien, um ihrem vermeintlichen Geliebten aus der Not zu helfen.

«Ich bin selbst Opfer eines Betrugs geworden.»
Beschuldigter vor Gericht

Dabei müsse dem Beschuldigten die ganze Zeit über bewusst gewesen sein, dass er der Frau das Geld niemals zurückzahlen könne – zumal er kein Einkommen hatte und einen Teil des Darlehens in grenznahen Casinos verspielte oder für seinen Lebensunterhalt ausgab, wie die Staatsanwaltschaft argumentierte. «Dass es dabei nicht um Liebe, sondern nur um Geld ging, ist offensichtlich», so der Staatsanwalt. Hinter seinem skrupellosen Vorgehen habe eine beachtliche kriminelle Energie gestanden, weshalb eine zweijährige Freiheitsstrafe mit einer Probezeit von drei Jahren verhängt werden soll – wegen Betrugs und Veruntreuung.

Denn: Und um sicherzugehen, dass die um ihr Geld betrogene Frau keine Nachforschungen anstellte, zeigte er der 75-Jährigen vermeintlich offizielle Dokumente, die den Kauf der Immobilien bestätigten sollten. Wahrscheinlich blind vor Liebe vertraute sie ihm. Ohne den Inhalt des in albanischer Sprache verfassten Dokuments prüfen zu lassen – denn dieses hatte letztlich keinen Bezug zum Immobilienprojekt ihres vermeintlichen Liebhabers.

Mann streitet Vorwürfe ab

Diese Leichtgläubigkeit könnte der Schweizerin nun zum Verhängnis werden. Denn seitens der Verteidigung des 55-Jährigen heisst es, dass sie damit ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen sei und fahrlässig gehandelt habe – daher sei der Tatbestand der arglistigen Täuschung nicht erfüllt.

An der Gerichtsverhandlung gab der 55-Jährige zwar zu, das Geld der Frau erhalten zu haben, bestritt jedoch den Vorwurf des Betrugs und der Veruntreuung. Er habe immer vorgehabt, der 75-Jährigen seine Schulden zurückzuzahlen – mittels seiner Projekte mit Immobilien im Kosovo. «Ich bin selbst Opfer eines Betrugs geworden», beteuerte er. Er habe das Geld für die Immobilien im Kosovo einer Frau und anderen Mittelsmännern übergeben, die plötzlich verschwunden seien – mit ihnen natürlich auch das Geld.

«Ich wäre gerne einmal ein Saubermann, ohne Schulden und nichts.»
Beschuldigter

«Es tut mir sehr leid, dass es so gekommen ist», meinte der Beschuldigte schliesslich und versicherte erneut, dass er seiner ehemaligen Geliebten alles zurückzahlen wolle, sobald er Arbeit gefunden habe. Das könnte jedoch schwierig werden. Denn der Mann lebt von Ergänzungsleistungen und der AHV-Rente seiner pflegebedürftigen Frau. Auch eine gültige Aufenthaltsbewilligung hat er nicht, ein diesbezügliches Verfahren ist derzeit noch beim Kantonsgericht hängig. Und ohne diese könne er auch nicht nach Kosovo reisen, um zu sehen, was mit dem Geld passiert ist. «Ich wäre gerne einmal ein Saubermann, ohne Schulden und nichts», wünscht er sich für die Zukunft.

Das Urteil des Kriminalgerichts wird in einigen Wochen erwartet.

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