Ein Unterzahl-Training, eine Prise Ironie und ein saurer EVZ-Trainer
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Zwar stolz auf seine Mannschaft – aber die Strafenauslegung der Schiedsrichter und der Spielausgang raubten ihm den Spass: EVZ-Trainer Dan Tangnes. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Verrücktes Duell der Titelanwärter Ein Unterzahl-Training, eine Prise Ironie und ein saurer EVZ-Trainer

4 min Lesezeit 21.03.2021, 05:00 Uhr

Jetzt hat’s auch den EV Zug erwischt: Zum ersten Mal in der sich zu Ende neigenden Qualifikation hat der Leader zwei Mal hintereinander verloren. Doch die Leistung hätte nicht zwingend in ein 1:2 gegen die ZSC Lions münden müssen. Denn der «EVZ light» verkaufte seine Haut gegen den vielleicht ärgsten Titelrivalen teuer.

EVZ light? Ja, wenn neun gestandene Akteure fehlen, ist diese Bezeichnung angebracht. Und wenn mit Carl Klingberg noch einer der vier Zuger Ausländer kurz vor Ablauf des ersten Drittels unter die Dusche geschickt wird, erst recht.

Aber der Reihe nach: Selbst der EVZ light schien sich nicht zu fürchten vor einem Team, das vor Saisonbeginn als sein grösster Titelrivale eingestuft wurde. Und so nutzte er gut drei Wochen vor Playoff-Start die Gelegenheit, sich ein Unterzahl-Training unter Wettkampfbedingungen zu geben.

Ab der achten bis zur 27. Spielminute agierte er nur sporadisch mit der gleichen Anzahl Spieler auf dem Eis, zumeist mit einem weniger. Der Reihe nach wurden die Zuger Jesse Zgraggen, Tobias Geisser, Nico Gross, Carl Klingberg und Dario Simion auf die Strafbank geschickt.

Als Dan Tangnes das Gesicht verzog

Für Klingberg gab es in der 20. Minute gar frühzeitig Feierabend, nach einem Tritt gegen das Bein von ZSC-Verteidiger Noah Meier. «Slew Footing» nennt sich das Vergehen in der Fachsprache.

Nicht gerade als Fachleute erwiesen sich die Stadtzürcher darin, den andauernden personellen Vorteil in Tore umzumünzen. Elf Minuten Überzahl liessen sie ungenutzt verstreichen, nur wenig echte Torchancen spielten sie dabei heraus.

«Eine Linie war für die Spieler nicht erkennbar.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Aber was war denn das für ein aussergewöhnlicher Spielplan, den Zug-Trainer Dan Tangnes seinen Mannen mit aufs Eis gab? Als der 42-jährige Norweger nach Spielschluss mit dieser Frage konfrontiert wurde, verzog er das Gesicht.

Es war offensichtlich eine Mischung aus Belustigung und Ärger. Erst bestätigte Dan Tangnes, dass es ein «verrücktes Spiel» gewesen sei. Und dann kritisierte er die Schiedsrichter für deren Strafenauslegung: «Eine Linie war für die Spieler nicht erkennbar. Und im letzten Drittel wurde gar nichts mehr geahndet, obwohl sich die Partie in ihrer Wesensart nicht verändert hat.»

Die Ironie der Geschichte

Aber der Spielverlauf wurde erst dadurch richtig «verrückt», weil er noch mit einer Prise vortrefflicher Ironie gewürzt worden war. Just als die Zuger nach einem hohen Stock ins Gesicht von Erik Thorell dran waren, sich mit einem Mann mehr zu versuchen, kassierten sie in der 39. Minute das 0:1.

«Darum haben wir mehr verdient, als wir bekommen haben. Und das macht mich sauer.»

Der Shorthander tat den Zugern weh, aber Dan Tangnes brachte hinterher Verständnis dafür auf, dass sich sein Team in einer ungefährlich scheinenden Situation übertölpeln liess: «Wenn du vorher so viel weggeräumt hast in Unterzahl, ist es eine menschliche Reaktion, dass du ein klein wenig nachlässt, wenn du selber mal Powerplay spielst. Dafür wurden wir hart bestraft.»

Doch der EVZ light erholte sich vom Nackenschlag und kehrte ins Spiel zurück. Er war bei numerischem Gleichstand die bessere und gefährlichere Mannschaft, was den ZSC Lions zu denken geben muss.

Statt einer Belohnung gab es etwas Trost

Doch beim längst fällig gewordenen 1:1, das Tobias Geisser mit einem herrlichen Hocheckschuss in der 52. Minute bewerkstelligte, sollte es letztlich nicht bleiben. Dario Trutmann, der Zuger Abwehrspieler in Diensten der ZSC Lions, entschied die Partie dreieinhalb Minuten vor Schluss mit einem satten Schuss.

Es war nicht der Fakt, dass der EVZ nach dem 2:3 gegen Ambri zum ersten Mal in der laufenden Qualifikation eine zweite Niederlage in Serie einstecken musste (zentralplus berichtete), die die Gefühlswelt von Dan Tangnes durcheinanderwirbelte.

Er sei richtig stolz auf den «Teameffort» seiner Spieler. Darauf, wie «die Leistungsträger noch mehr Verantwortung» übernommen und die jungen Talente mitgezogen hätten, betonte er.

«Darum haben wir mehr verdient, als wir bekommen haben. Und das macht mich sauer», erklärte Dan Tangnes. Aber er tröstete sich damit, dass sich solche Auftritte seiner Mannschaft auf lange Zeit immer auszahlten.

Mit den Playoffs steht ja die wichtigste Phase der Meisterschaft erst noch aus. Und dannzumal wird der EVZ nicht mehr light sein.

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